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12 Stunden

“Na, dann müssen Sie eben mal ein paar Tage lang 12 Stunden arbeiten, dann schaffen Sie das auch allein!”

Diesen Satz durfte ich mir heute ungefragt von einem Kollegen einer “befreundeten” Firma anhören. Eigentlich wollte ich von ihm eine Empfehlung für einen “Consulter”, der eine anstehende Aufgabe für mich übernehmen kann, für die ich zur Termingerechten Fertigstellung nur wirklich keine Zeit – oder, wie man das im beruflichen Umfeld wohl ausdrücken würde – keine “freien Ressourcen” mehr habe.

Statt mir ein paar, ihm mit Sicherheit bekannte Name zu nennen, erzählte er mir mir der typischen Überschwenglichkeit eine Motivationstrainers, wie wichtig es doch wäre, dazu eigene Kompetenzen aufzubauen (stimmt.), wie teuer doch so eine Beratungsleitung ist (stimmt.) und wie einfach es doch ist, die Aufgabe selbst zu erledigen (stimmt, wenn man damit ein wenig Erfahrung hat.)

Dazu kommt, dass der 12h-Tag bei mir seit mehreren Wochen der Regelfall ist. Allerdings mache ich das mehr oder weniger aus freien Stücken. Weil ich weiß, wie wichtig das laufende Projekt für die Firma ist, letztlich auch für mich ganz persönlich, denn am Gelingen hängt unter Umständen mein Arbeitsplatz. Und weil ansehbar ist, dass nach Abschluss des Projekts sich die Lage auch wieder normalisieren und sich die Überstunden nicht im dreistelligen Bereich summieren werden.

Die Selbstverständlichkeit, mit denen dieser Kollege von Mitarbeitern einer anderen Firma erwartet, solche Sonderschichten einzulegen, hat schon etwas unverfrorenes. Ich möchte gar nicht wissen, welche Erwartungshaltung er seinen Mitarbeitern gegenüber an den Tag legt.

Vielleicht jammere ich hier auf hohem Niveau, denn sicherlich sind solche Arbeitstag für viele langjähriger Alltag. Es mag auch Menschen geben, die es gar nicht anders können. ich habe auch andere Interessen und Bedürfnisse als nur den Job. Familie, Partnerschaft, Hobby. soviel kann mir die Firma gar nicht bezahlen, dass ich dauerhaft darauf verzichten würde. Was wäre das denn noch für ein Leben? Mir reicht es schon, dass ich noch für die nächsten paar Monate in so einer Situation stecken werde – aber mit Aussicht auf Normalisierung.

Wenn die Firma einen solche Einsatz dauerhaft erwarten, sollte man sich wohl besser nach einem neuen Job umsehen. Oder ist das inzwischen wieder normal?

Dass die Annahme, bei Kaufentscheidungen spielte ausschließlich kühle Rationalität ein Rolle, eine Illusion ist lernt jeder BWL-Student in der Grundlagenvorlesung Marketing. In Wahrheit sind Kaufentscheidungen eher intuitiv und gefühlsbeeinflusst, und zwar völlig unabhängig vom Preis.

Natürlich mag sich das kaum jemand eingestehen, schon gar kein Mann, der ein Image als grundsolider, gefühlsunabhängiger Entscheider zu verteidigen hat. Vor allem wenn es um den Kauf von Technik geht, einem Feld, bei dem Gefühle vermeintlich so überhaupt keine Rolle spielen sollten.

Die Frage: “Und wofür ist das jetzt gut.” wird früher oder später jedem Käufer von Apples (nicht mehr ganz so) neuestem Spielzeug, dem iPad gestellt werden. Mit hoher Wahrscheinlichkeit von der eigenen Partnerin, die sich Fragt, ob diese 500 bis 800 Euro nicht in Mode, Schmuck oder Schuhen besser angelegt wären.

An dieser Stelle tatsächlich die Einsatzmöglichkeiten des Geräts aufzuzahlen, davon kann nur dringend abgeraten werden. In der Regel dürfte im Haushalt eines iPad-Käufers bereits ein Laptop, ein Desktop-PC, mehrere iPhones und ein gut ausgebaut kabelloses Heimnetzwerk vorhanden sein. Der schwer auszuräumende, da berechtigte Einwand: “Aber das kannst du doch alles auch jetzt schon.” steht all zu schnell im Raum. Kostspielige Einladungen zum Candlelightdinner zur Verbesserung der Laune der eingeschnappten Liebsten sind dann kaum zu vermeiden.

Besser ist es daher an dieser Stelle auf die positiven Wirkungen des iPad auf die Partnerschaft und das gemeinsame Wohnen hinzuweisen:

Die allabendliche Abschiedsszene, weil ER lieber am Schreibtisch sitzt und durchs Internet surft während SIE lieber auf der Couch lümmelt und sich vom TV beriesel lässt, entfällt. Endlich wieder gemeinsam Abende im Wohnzimmer!

Nie wieder Stress beim Shopping. Während sie in aller Ruhe durch die Läden ziehen kann, wir ER mit seinem Spielzeug im Café abgesetzt und nach 2, 3 oder mehr Stunde wieder abgeholt, ohne das ER ein einziges mal gequengelt hätte.

Demütigende Schilder über der Kloschüssel werden überflüssig. Mit iPad wird das Sitzpinkeln endlich zum Standard.

Wenn das alles nicht zieht, hilft nur noch, Carcassonne zu installieren und SIE trotz ihrer Skepsis zu ein paar gemeinsamen Partien zu überreden. Spätestens sobald sie mehr Spiele gewonnen als verloren hat, ist SIE überzeugt, dass niemand jemals wieder ohne iPad auskommen wird. Nachteil dieser Methode: Zukünftig wird SIE immer öfter selbst das iPad für sich beanspruchen, mittelfristig wird ein Zweitgerät fällig.


Aus gegebenem Anlass

Ich bin der Präsident.




seats


Vom Ubahnhof Thalkirchen aus erreicht man den Münchner Tierpark Hellabrunn. Im Bahnhof spiegelt sich das nicht nur in den Tiermotiven an den Wänden wieder, sondern auch in der Art und Weise, wie man der Bahnhof mit der Oberfläche verbunden ist. Keine Aufzüge und steile Rolltreppen sind hier zu finden, statt dessen führen zwei breite und sacht ansteigende Rampen zunächst vom Bahnsteig zum Sperrengeschoss und weiter ans Tageslicht.

Warum diese Bauweise gerade bei der Station des Tierparks sehr sinnvoll ist, versteht man am besten an sonnigen Samstagnachmittagen. Aus den ankommenden Bahnen steigen jede Menge junge Familien aus – mit Kinderwagen. Aber auch ältere Menschen mit Gehhilfen oder gar im Rollstuhl. Und für alle beginnt der Zoospaziergang bereits hier ohne lange auf langsame und zu kleine Aufzüge warten zu müssen.

In einer Diskussion über barrierefreies Bauen sagte mir mal jemand, Barrierefreiheit wäre für wenige notwendig, aber für viele angenehm. Am Beispiel des Bahnhofs Thalkirchen sieht man sehr schön, dass da viel Wahres dran ist.

(An dieser Stelle an Dank an Andreas Wollin von der Wenzel Gruppe für den Tipp, sich auch diesen Bahnhof vor die Linse zu holen.)

Weitere Bilder im Flickr-Set:


Alle Bilder des Ubahn-Projekt in der Flickr-Collection.

Infos zur Ubahn München auf muenchnerubahn.de, auch speziell zur Station Thalkirchen.

Bisherige Artikel des Ubahn-Projekts:


Das RACT!-Festival 2010 ist Geschichte und ich war dabei und habe mich mal auf das Gebiet Konzertfotografie vorgewagt.


RACT!

Zunächst mal für meine Leser, die nicht aus Tübingen und Umgebung kommen: Das RACT! ist ein ehrenamtlich organisiertes “Umsonst und Draußen”-Festival, mit dem Anspruch auch politisch zu sein – ohne dabei eine Richtung vorzugeben. Neben Livemusik und Bier gibt es auf diesem Festival darum auch Stände von Parteien und anderen politisch Aktiven und Workshops zu aktuellen politischen Themen. Das ist schön und gut, für mich persönlich aber, offen gestanden, vollkommen uninteressant.

Spannender fand ich da schon, dass möglichst vielen “Jugendkulturen” eine Plattform geboten werden soll. Darum gab es auf dem RACT nicht nur einen sehr Mix an Musikstilen – Metal, Blues, Hiphop, Ska, Reggae, Rock (das hab ich so mitbekommen und ich war nur an einen Tag da) – sondern auch Workshops zu kulturellen Themen (Theater, Radio, …) und sogar auf der Hauptbühne einen …

Poetry Slam

Ich gebe es ja zu, außer ein paar gut gepflegter Vorurteile weiß ich nicht viel von Poetry Slams. Aber anscheinend ist da ja eine recht aktive und vielfältige Szene entstanden. Obwohl recht früh am Nachmittag hatte sich doch reichlich Publikum eingefunden und lauschte den Darbietungen der Künstler:

Franziska Schubert und Luca Kiesler Kieser


(a.k.a raketenkot und niximkopf) – Bereits bekannt von “Das Letz niest II”, trugen zum Teil die selben Texte vor, hier aber mit mehr Biss, in diesem Umfeld fühlten sie sich offenbar wohler.

Harry Kienzler und Jakob Nacken


Wohl so etwas wie die Grandseigneur der Tübinger Poetry Slam Szene. Lasen Texte über ihr Alter und Zahlen. Die verstehen ihr Handwerk.

Sylvie le Bonheur


Die Frau mit dem schönen Namen, wie der Moderator sie ankündigte, reiste aus Mannheim an und ihre Mutter machte sich allerlei Sorgen, was dabei so alles passieren könne. Sylvie las einen Text darüber. Und das war noch nicht mal das schlimmste…

Gabriele


Die Frau ohne Nachnamen, ohne Link, ohne Epilierer, ohne Lächeln, ohne Freunde, ohne Sex. Und alles nur wegen zuviel Gemüse.

Keno Heyenga


hat den Slam gewonnen, leider kann ich mich nicht mehr an seinen Text erinnern. Ich bitte untertänigst um Vergebung, musste fotografieren.

RACT 2010 – Poetry Slam – a set on Flickr

Eigentlich war ich aber nicht wegen gesprochen Wortes gekommen, sondern wegen der …

Musik

So gerne ich hier wortreich die Musik der erlebten Bands beschreiben würde, das wird mir nicht gelingen. Darum nur ein paar kurze Stichworte und die Empfehlung, die Musik zu kaufen und die Konzerte zu besuchen. Den gut waren die alle, auch wenn mir genrebedingt nicht alle gleich gut gefallen haben. In mein Gehör gedrungen und vor meine Linse geraten sind:

Scuffproof


Aus Tübingen. Harter Metal und ein Heiratsantrag. Genau mein Ding.

RACT 2010 – Scuffproof – a set on Flickr

State off the art


Aus Baden-Württemberg, keine Ahnung woher genau. Klassische Rock-Combo: Sänger, Gitarrist, Basser, Schlagzeuger. For the Ladys (in dieser Reihenfolge).

RACT 2010 – State off the art – a set on Flickr

Pinatubo Bay


Aus Tübingen. Machen Ska, Reggae, Soul. Eine Menge Leute auf der Bühne, neben den üblichen Saiten auch Trompete, Saxophon und Posane. Und eine Dame am Mikrofon. So lässt sich´s leben.

RACT 2010 – Pinatubo Bay – a set on Flickr

Callya & Albino


Aus Tübingen. Hip-Hop. Nicht so meine Musik, obwohl löblicher Weise eher Richtung Blumentopf, weniger Richtung Bushido. Sympathisch trotz Sprechgesang.

RACT 2010 – Callya & Albino – a set on Flickr

Shy guy at the show


Aus Karlsruhe. Der Sänger geht glatt als Mike-Jagger-Double durch. Die dunkle Seite der Musik, gerne wieder.

RACT 2010 – Shy guy at the show – a set on Flickr

Pantasonics


Aus Tübingen. Nach eigener Aussage: Dirty Reggae und Balkan Funk. Genau. Geil. Ihr habt einen neuen Fan. Versteckt euch vor dem Killer!

RACT 2010 – Pantasonics – a set on Flickr

Nu sports


Aus Stuttgart. Ska. Weiß ich nun auch mal, was das ist. Sänger mit Hut und verdammt viele Instumente. Party.

RACT 2010 – Nu sports – a set on Flickr


The rising rocket


Aus Stuttgart. Karowesten und Schlipse. Ein Kontrabass. Und sie rocken.

RACT 2010 – The rising rocket – a set on Flickr

Party war natürlich nicht nur auf sondern auch …

Vor der Bühne

Die Menge tobte, …


dem Pogo-Gott wurde gehuldigt, …


den Digicams wurden Höchstleistungen abverlangt …


und ab und zu durften sich müde Füße auch ausruhen.


RACT 2010 – Crowd – a set on Flickr

Und das alles war nur möglich durch das

RACT-Team


Was dieses Team, freiwillig und ohne Bezahlung, so auf die Beine stellt, ist schon erstaunlich. Das war ein professionelles Festival, was da trotz aller Schwierigkeiten auf die Beine gestellt wurde.

Und Schwierigkeiten gab es in diesem Jahr mehr als genug. Am traditionellen – und überaus geeigneten – Veranstaltungsort, einem Stadtpark mit See, startete zeitgleich ein kommerzielles sgn. “Public Viewing”, das gerüchtehalber um die 200 Besucher an fraglichem Wochenende hatte, beim RACT waren es 12.000. Dafür musste nun das Festival an einen drittklassigen Ausweichort stattfinden. Mit Platz für nur zwei Bühnen, die sich dennoch akustisch in die Quere kamen. Auf hartem Asphalt statt weichem Rasen. Mit mehr lärmgestörten Anwohnern. Man kann nur hoffen, dass die Verantwortlichen bei der Stadt Tübingen merken, dass dies eine Fehlentscheidung war, die nicht wiederholt werden darf. Auch nicht in zwei (EM) oder vier Jahren (nächste WM).

Darum hier noch mal mein Dank und Respekt für die Macher.

RACT 2010 – Stuff – a set on Flickr

Außer zum Biertrinken und Livemusik genießen war vor dort zum …

Fotografieren


Wie schon erwähnt, war das mein erster Ausflug in die Konzertfotografie. Dadurch, dass ich von späten Nachmittag – da war es noch hell und nicht allzu voll – bis Mitternacht – als nicht nur dunkel war, sondern auch die Massen vor der Bühne am toben waren – vor Ort, konnte ich mich an beiden die damit schon hinreichend beschriebenen Probleme gewöhnen.

Problem 1: Publikum:
Mit der Zeit wurde es immer enger vor der Bühne. Irgendwann musste ich, um noch gute Perspektiven zu bekommen, mich durch tanzende Menschenmassen drängen. Zwar hatte ich Dank der unkomplizierten Akkreditierung auch Zugang zum Backstagebereich und zu Bühne, was aber fürs Fotografieren gar nicht so hilfreich war, wie ich erwartet hatte. Schließlich stand ich dann hinter den Musikern (vom Drummer mal abgesehen), bestenfalls waren Profilfotos möglich. Dann doch lieber vordrängeln und auf Boxen klettern.

Problem 2: Dunkelheit:
Außerdem wurde es völlig unerwartet immer dunkler. Die ISO musste immer höher geschraubt werden, die Belichtungszeiten wurden immer länger. Trotzdem häuften sich mit fortschreitender Zeit der Ausschuss, wie ich später feststellen musste. Da wegen Problem 1 an den Einsatz eines Stativs nicht zu denken war, hatte ich instinktiv die Schlagzahl erhöht: Spray and pray.

Bei diesem Shooting hatte meine übliche Komfortzone zunächst doch ein ganzes Stück verlassen. Ich halte mich beim Fotografieren eigentlich lieber unauffällig im Hintergrund, das ging hier mal gar nicht. Als bei den Pantasonics und bei Nu Sports der Platz mit mehreren Tausend Menschen gefüllt war, ging es gar nicht anders, als gut sichtbar auf der Bühne zu arbeiten. Nun ja – man gewöhnt sich dran, die Augen des Publikums sind ohnehin auf anderes gerichtet. Ich glaube, es besteht Wiederholungsgefahr.


(Eines muss ich noch los werden: Liebe Musiker, myspace kann als Strafe für Raubmordkopierer durchgehen, aber nicht als Werbung für euch.)


Hier Liebe, No. 1


Gesehen in Dohna, Sachsen.


black/white


Während meiner kurzen Zeit in München war die Aidenbachstraße die Heimat-Station, in deren Einzugsgebiet die Wohnung lag. Ob es daran liegt, dass ich diese Station mit Abstand am häufigsten gesehen habe, oder ob dies schon von Anfang an so war, kann ich nicht mehr genau sagen – aber: ich finde diese Station extrem langweilig, um nicht zu sagen: hässlich.

Eine leere, lange Halle mit hellgrauen Boden und Säulen. Nur eine paar Spiegel und eine schmutzig-blaue Wandverkleidung können als Gestaltung durchgehen. Ebenso schmucklos ist das Sperrengeschoss und der Tunnel unter der Straße. Schmutzig noch dazu. Wären alle Münchner Station so, hätte es diese Serie vermutlich gar nicht gegeben.

Bei der Aidenbachstraße half jedenfalls nur noch Verfremdung, harte Kontraste und schwarz/weiß.

Weitere Bilder im Flickr-Set:


Alle Bilder des Ubahn-Projekt in der Flickr-Collection.

Infos zur Ubahn München auf muenchnerubahn.de, auch speziell zur Station Aidenbachstraße.

Bisherige Artikel des Ubahn-Projekts:


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