Grenzbetrachtungen

Als die Grenzkontrollen zu Tschechien und Polen eingestellt wurden, lebte ich gerade in Zittau, im Dreiländereck. Freilich waren beide Länder schon in der EU und die Verhältnisse waren bei weitem nicht mehr so schlimm wie zu Zeiten der EU-Außengrenze. Aber der Stau in der Friedensstraße war noch immer Normalität.

Die zentrale Feier zur Erweiterung des Schengenraums unter anderem um Polen und Tschechien am 21.12.2007 fand am Grenzübergang Friedensstraße statt. Mit großem Tamtam und höchsten Staatsgästen..

EIn paar Wochen zuvor war ich mit der Kamara dort, um die über Jahre typische Situation – die es bald nicht mehr geben würde – noch einmal abzulichten. An den Stammtischen auf der deutschen Seite war man sich da schon einig, dass diese Grenzöffnung vor allem mehr Autodiebstähle und Wohnungseinbrüche bringen würde. Vieleicht dehalb waren die Bundespolizisten am Grenzübergang ein wenig übernervös und untersagten mit das Fotografieren. Selbst die Bilder, die ich aus gut 100 m Entfernung gemacht hatte musse ich löschen.

Natürlich hätte ich auf mein Recht bestehen können, aber ich diskutiere ungern mit Bewaffneten. Also zog ein wenig weiter die Neiße hoch und fand noch diese verrammelte und zugewachsene Grenzbrücke. Auch diese Zäune sollten sich bald öffnen.

Nicht einmal 10 Jahre später werden Grenzen wieder geschlossen, Zäune wieder aufgebaut. Fehlende Empathie und Hilfsbereitschaft, nationaler Egoismus und die Angst vor dem Fremden lässt Europa zerfallen. Ein Rückschritt, denn Ausmaß sich kaum ermessen lässt.

In seinem Projekt Borderlines – Frontiers of peace dokomentiert Fotograf Valerie Vincenzo, wie Grenzen in Europa heute aussehen, wie Grenzen überall aussehen sollten und wie sie vielleicht bald nicht mehr aussehen werden. Anscheinend ist jetzt der Zeitpunkt, das noch einmal abzulichten.

(via Krautreporter Morgenpost)

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