Radaugeschenke

Es ist ja nun mal so: Kinder finden im Zweifel alles schön. Sei das Kuscheltier noch so kitschig und knallbunt oder die “Musik” des Chinaspielzeugs noch so krächzend aus dem Lautsprecher plärren.

Man darf ihnen das nicht vorwerfen. Ihr Sinn für Ästetik muss sich eben erst entwickeln. Was nicht immer einfach ist, denn offenbar hat dieser Prozess bei so manchem Erwachenen allenfalls partiell stattgefunden. Sind solche Menschen dann unter denjenigen, die den Kindern Geschenke machen, wandert so manche ästetische Scheußlichkeit unversehens in den eigenen Haushalt. Und wird von den Kindern geliebt.

Gut, vom Anspruch einer Geschmackvoll eingerichteten Wohnung muss man sich mit Beginn der Elternschaft ohnehin verabschieden. Nachdem vor Kurzem die Adventskalender verschwanden lochte Kind1 kurzerhand eine DIN A2 große Werbesendung eines lokalen Textildiscounters, knotete Schnüre an den daran und hängte das ganze verkehrt herum an den eben frei gewordenen Nagel. Dies sei nun sein neuer Adventskaldender wurde uns erklärt und jeder Versuch ihn wieder zu entfernen musste bisher nach tränenreichen Protesten abgebrochen werden. Optisch ist also ohnehin nichts mehr zu retten.

Etwas besser sieht es eigentlich im akkustischen Bereich aus. Eigentlich, denn die Problemfälle häufen sich. Kind1 kann inzwischen den CD-Spieler selbständig bedienen, mit Aussnahme der Funktion “leiser”. Ein eigentlich recht nettes Angelspiel, bei dem sich die Fische auf einer rotierenden Scheibe drehen muss natürlich permanent eine piepsige Version von “Old McDonald had a farm” abspielen.

Und diese beiden Kollegen da oben sind nicht einfach nur niedliche Kuscheltiere mit Weihnachtsmannmützen. Nein! Nach Druck auf den roten Kreis an den Pfoten dudeln sie je ein immer gleiches Weihnachtslied. Auch das liebten die Kinder. Sie konnten die Lieder in endlosen Wiederholungen hören. Gerne auch beide gleichzeitig. Nun sind die letzten Sätze nicht zufällig in der Vergangenheitsform geschrieben. Denn: (erfahrene Eltern ahnen es) Nicht austauschbare Batterien sind dein Freund!. Zwar mussten die Kinder getröstet werden, aber meine baldige Einweisung die Psychatrie ist eintweilen abgesagt.

Die kontrovers geführte elterliche Diskussion, ob es opportun ist, solche nervenaufreibenden Geschenke unauffällig verschwinden zu lassen, wurde allerdings ohne abschließendes Ergebnis abgebrochen. Ich befürchte allerdings: vorerst.

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