Scheinanfahrt

Scheinanfahrten sind das etwas merkwürdige Vergnügen Dampfsonderzugreidender, ihren eigenen Zug an sich vorbei fahren zu sehen, vornehmlich um diese Vorbeifahrt zu filmen oder zu fotografieren. Dazu hält der Zug – gerne auf freier Strecke – lässt aussteigen, setzt zurück, fährt mit Volldampf an den Ausgestiegenen vorbei, stoppt, setzt abermals zurück und lässt wieder einsteigen.

Nun ist ja das Dampfsonderzugfahren schon eine Merkwürdigkeit an sich, so dass es darauf auch nicht mehr ankommt. All dessen voll bewusst bestieg ich mit Kind1 dennoch schon zum zweiten Mal den Dreikönigssonderzug der Eisenbahnfreunde Zollernbahn.

Auf der neunstündigen Rundfahrt gab es zwei Scheinanfahrten. Bei der ersten, auf offenem Feld am Stausee Schömberg, ließ die Lok gleich nach dem Aussteigen Dampf ab. Da vermutlich die Wenigsten schon mal direkt neben einer pfeifenden Dampflok standen: für diesen Moment wurde der Begriff Höllenlärm erfunden. Entsprechend erschrocken und verängstigt war Kind1.

Bei der zweiten Scheinanfahrt musste ich ihn darum schon mit Engelszungen überreden, überhaupt mit auszusteigen. Damit gar nicht erst wieder Angst aufkommt habe ich beim Warten auf den heranfahrenden Zug mehr oder weniger permanent beruhigend auf ihn eingeredet. Was spätestens, als sich der Zug wieder in unsere Richtung in Bewegung setzte, von mehren Seiten durch ein nur mäßig freundliches “Pssst!” und “RUHE!” unterbunden wurde. Ich als eher fotoaffiner Mensch hatte gar nicht bedacht, dass es den zahlreichen Videofilmern natürlich auch um den Sound geht.

Ich stellte mein Geplapper (hoffentlich) rechtzeitig ein. Die Lok dampfte beindruckend schnaufend heran und hüllte uns oben auf der Brücke in eine dichte Dampfwolke. Zum Glück unterließ sie es diemal auch, nochmal zu pfeifen. Auch Kind1 hatte dadurch seinen Spaß und hüpfte noch vor Freude, als der Nebel sich lichtete.

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