Fahrradtaschenpannen nach der Elternzeit und schlecht durchdachte Anmerkungen zur Familienpolitik

So eine Fahrradtasche ist echt praktisch. Wasserdicht, leicht zu montieren und überichtlich zu befüllen. Seit Jahr und Tag leistet sie mit gute Dienste, sei es in der Freitzeit, auf dem Weg zm oder vom Kindergarten oder auf meinem täglichen Arbeitsweg. Dort zeigte sich Anfang der Woche, dass sie auch ein guter Indikator für eingerostete Hirnwindungen ist.

Denn gleich am ersten Arbeitstag nach meiner Elternzeit hatte ich da offensichtlich mindestens zwei Ausfälle, die beide mit dieser Tasche zusammenhingen:

Morgens packte ich wie üblich auch meine Trinkflache da rein. Nur um Mittags festzustellen, dass ich nicht nur vergessen hatte, sie am Fahrrad im Flaschenhalter zu platzieren. Sondern dass die Flasche auch nicht richtig zu war und ein wenig die Tasche geflutet hatte. Die leider auch von innen nach außen wasserdicht ist.

Am Nachmittag stellte ich dann nach etwa zwei Drittel des Heimwegs – auf denen ich das Rad durch eine Bahnunterführung über zwei Treppen und in einen Bus geschoben hatte – dass die Tasche nicht (mehr) am Gepäckträger hing. Also den ganzen Weg zurück und am Fahradständer an der Firma stand sie dann noch. Ich hätte sie halt dranhängen müssen. Aber doppelter Weg macht ja doppelt fit.

Und etwas Fitness kann ich anscheinend ganz gut gebrauchen, vor allem geistige. Von daher ist es ganz gut, dass die Elternzeit rum ist und der Job mich wieder fordert. Denn machen wir uns nichts vor: So wichtig und schön es ist, seine Kinder zu Hause zu betreuen – ein besondere intelektuelle Herausforderung ist es nicht.

Darum bin ich auch sehr froh darüber, dass wir hier einen Kindergarten gefunden haben, bei dem wir unsere beiden Lütten wirklich gut betreut wissen und wo sie gerne hingehen.

Die zwei Monate zu Hause waren eine schöne Zeit und ein interessante Erfahrung. Es war ein gutes Gefühl, die Krippeneingewöhnung von L. in aller Ruhe und ganz ohne Zeitdruck machen zu können. Und natürlich war es wunderbar, einmal so richtig Zeit für seine Kinder zu haben.

Aber auf Dauer hätte mir das nicht gereicht. Dazu mag ich meinen Job einfach zu sehr.

Schön wäre allerdings, wenn das nicht immer so ein entweder/oder wäre. Entweder ein ein verantwortungsvoller, anspuchsvoller und entsprechend gut bezahlter Job – immer in Vollzeit, mit regelmäßigen Überstunden und Abendterminen. Oder ein mehr oder minder Aushilfsjob mit 50 oder weniger Prozent, entsprechend schlecht bezahlt. Warum nicht beider Eltern in guten Jobs zu 70%?das Familieneinkommen wäre etwa das gleich ohne das einer die Kinder kaum zu Gesicht bekommt und der andere unter seiner Qualifikation arbeiten muss.

Ach ja, wir sind ja hier in Deutschland. Hier wird das “traditionelle” Rollenmodell ja immernoch steuerlich gefördert – zumindst für Verheiratete. Und Unternehmen gelten als familienfreundlich, wenn sie ein paar Frauen gnädiger Weise halbtags in Jobs unter ihrer Qualifikation beschäftigen.

Aber was reg´ ich mich auf? All das haben wir gewusst, als wir uns für Kinder entschieden haben, ohne vorher nach Skandinavien auszuwandern. (Dabei hatte ich sogar mal zwei Semester Schwedisch belegt.) Diese Dinge sind, wie sie sind und sie werden sich so wie es aussieht auch nicht so schnell ändern. Also machen wir das Beste daraus.

Denn ohne meinem Job geht es eben auch nicht. Finanziell nicht. Und auch nicht in Sachen Hirnauslastung – siehe die Geschichte mit der Fahrradtasche.

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