Eigenbrot

Im Supermarkt stand irgendwann ein neues Produkt: eine Brotbackmischung mit Sauerteig von Seitenbacher. Bis dahin hatte ich mich nie großartig fürs Brotbacken interssiert, aber mit dieser auf alt getrimmten Tüte und dem Versprechen, selbst ein echtes Sauerteigbrot zu backen hatte die Marketingabteilung von Seitenbacher mich im Sack. Weil: WEISCHD, WENNDSD A GSCHEITS BROT WILLSCHSD, BRAUSCHSD OINS VON SEITENBACHER!

Erst beim zusammenrühren der Zuaten fiel mir auf, dass da nicht nur Sauerteig, sondern trotzdem noch Hefe dabei ist. Zwei Treibmittel, warum dass denn? Anscheinend trauten auch die Produktmanager von Seitenbacher diesem haltbar gemachten “Natur”-Sauerteig nicht wirklich viel zu. Das Brot war zwar ganz lecker, aber irgendwie war es mir am Ende nicht selbstgemacht genug.

Ich befragte also Tante Google, ob und wie man denn ein Sauerteigbrot wirklich selbst machen könne und landete relativ schnell bei Pöt.
Martin “Pöt” Stoldt betreibt nicht nur unter der-sauerteig.de ein Forum zum Thema sowie unter isaak-naturkost.de einen Shop mit entsprechenden Zutaten und Utensilien, sondern ist auch Autor des Buchs “Der Sauerteig – das unbekannte Wesen”.

Dieses quasi Standardwerk sei jedem empfohlen, der sich mal dem Thema Sauerteig nähern möchte. Bei Amazon gibt es für wenig Geld (3,45 €) das E-Book[1]. Schöner, aber auch etwas teurer (21,90 €), ist die gedruckte Ausgabe – zu beziehen am besten direkt bei Pöt. Das Buch ist auch Bestandteil der dort angebotenen Startersets (mit und ohne Sauerteigkultur). Damit hat man wirklich alles beisammen für die ersten Brotbackversuche.
Für ganz geizige gibt es den Text des Buches auch frei zugänglich im Sauerteigforum.

Ich hatte mit schon vor gut einem Jahr das E-Book geklickt, mich ein wenig eingelesen und versucht, mir einen eigenen Sauerteig zu züchten, nur aus Mehl und Wasser. Dieser Versuch ging gründlich daneben: eine Gärung setzte nicht ein, dafür wuchsen bald eklige Schimmelpilz in meiner Schüssel und das ganze wurde flugs entsorgt. Keine Ahnung, was da schief gelaufen war. Vermutlich waren im Heizungskeller, wo ich die Schüssel wegen der Wärme abgestellt hatte, nicht gerade die gewünschten Keim in der Luft.

Ein Jahr später startete ich endlich einen zweiten Versuch. Diesmal blieb die Schüssel in der Küche, obwohl dort die Temparaturen vor allem Nachts etwas zu niedrig sind. Und siehe da: nach knapp einer Woche füttern blubberte es ganz ordentlich. Wie beschrieben ging ein angenehmer Duft nach Zitrusfrüchten und leichtem Essig von dem Teig aus. Es war gelungen: ein backbereiter Sauerteig, herangezüchtet nur aus Wasser und Mehl:

SauerteigDer Teig für das erste Brot war schnell zubereitet: Zu einem Pfund vom Sauerteig etwa die gleiche Menge Mehl, ein Löffel Salz und etwas Wasser. Keine Hefe, den Job soll ja der Sauerteig übenehmen. Teigbereitung

Einmal ordentlich durchkneten und ab ins Gärkörbchen:

vor dem GehenDann heißt es: Geduld. Denn so schnell wie von Hefe gewohnt treibt der Sauerteig nicht. Nach ein paar Stunden hat sich dann aber doch einiges getan und der Ofen kann angeheizt werden. nach dem Gehen

Ausgebacken machte das Brot jedenfalls optisch keinen schlechten Eindruck und verströmte tatsächlich auch einen tollen Duft im Haus.

ausgebacken

Der Geschmackstest fiel auch sehr positiv aus, jedenfalls bei mir. Der Herzdame war es etwas zu sauer, vielleicht reduziere ich beim nächsten Mal den Sauerteiganteil noch ein wenig.

Ich als mein schärfster Kritiker hatte aber auch ein paar Sachen zu bemängeln: Mit der Konsistenz war ich nämlich ganz und gar nicht zufrieden. Das Brot war sehr krümelig, es war kaum möglich, normal breite Scheiben abzuschneiden. Auch die Form hatte es nicht ganz gehalten sondern war am Ende deutlich flacher als ich es eingeformt hatte. Außerdem braucht mein Herd offenbar auch ein wenig länger, so ein Brot auszubacken. Dann nach der empfohlenen Stunde war das Brot im Kern doch noch etwas zu feucht.

Aber wo kämen wir denn hin, wenn sofort alles perfekt wäre? Für die nächsten Versuche habe ich mit erstmal ein Brotbackstein besorgt, mal sehen was der so bewirken kann.

Vom Sauerteig ist noch aussreichend vor handen. Jetzt “schläft” er erstmal im Kühlschrank und wartet auf seinen nächsten Einsatz.


  1. Amazon Affiliate-Link  ↩

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