Ankommen und Loslassen

Meine eigentliche Aufgabe während der Elternzeit ist die Krippeneingewöhnung unserer Tochter. Wenn ich und auch die Herzdame wieder arbeiten gehen, muss das mit der Krippe einfach funktionieren.

Darum ging es gut eine Woche nach L.s erstem Geburtstag auch schon los: Der erste Tag in der Krippe. Mit einer Menge Kram im Gepäck (siehe Beitragsbild) radelten wir gegen 10 in Richtung KInderhaus, wo der Große schon auf uns wartete. Nach der Begrüßung durch ihren Bruder spazierte L. auch gleich fröhlich hinein. Kein Wunder, die Umgebung war ihr ja nicht fremd, sie war auch in ihren ersten Lebensjahr fast jeden Tag zweimal hier um F. hinzubringen und abzuholen.
Auch ihren Bezugserzieher – ja, eines der wenigen männlichen Exemplare – kannte sie schon und hatte sofort Zutrauen. Wir blieben statt der geplanten Stunde gleich ein wenig länger und es gab für sie so viel zu entdecken, dass ich auch hätte gehen können.

Das ist jetzt drei Wochen her und stellt ich anscheinend Normalität ein. L. ist in der Krippe angekommen.
Ich fahre mit beiden Kindern gemeinsam zur Kita, oft auch schon gegen 8 Uhr. L. ist in der Gruppe angekommen, macht im dort ihren Mittagsschlaf und bekommt an den “langen Tagen” auch ihr Mittagessen. Soweit alles bestens.
Normalität heißt auch: manchmal ein paar Tränen beim Abschied (was in den ersten beiden Wochen gar nicht vorkam), eine permanente Schnupfennase und auch schon ein Tag mit Fieber zu Hause.

Die Eingewöhnung scheint also weitgehend erfolgreich abgeschlossen. (Klopf auf Holz, denn Rückschläge können jederzeit noch kommen.)

Die Aufgabe ist also erledigt und war gar nicht so schwer. Viel schwerer finde ich noch immer das Loslassen. Auch nach diesen drei Wochen ziehe ich die Tür zum Krippenraum nur schweren Herzens hinter mir zu. Nicht, dass ich irgendwelche Bedenken hätte, dass L. dort schlecht betreut wird. Im Gegenteil: die Bedingungen sind gut, die Krippengruppe hat nur 10 Plätze, derzeit sind noch nicht mal alle besetzt. Trotzdem sind werden die Kleinen immer von mindestens zwei Fachkräften betreut, unterstützt durch den FSJler. In den drei Jahren, die F. dort schon betreut wird habe ich diese Menschen kennen und schätzen gelernt und habe vollstes Vertrauen.
Und trotzdem: sein Kind, sein Baby, dieses zarte Wesen, dort zu lassen und allein weg zu gehen – leicht ist das nicht.

Allen emotionalen Ambivalenzen zum trotz: es ist richtig. Mit einem Jahr sind Kinder soweit, dass sie mehr Input brauchen und mehr Möglichkeiten, die Welt zu entdecken und eigene Fähigkeiten zu entwicklen – als wir zu Hause bieten können Zumindest bei unseren Kinder war das so.
Der Herzdame fiel nach einem Jahr zu Hause zunehmend die Decke auf den Kopf. Auch ihr tut es gut, mal wieder etwas anderes zu tun. Auch das halte ich für einen legitimen Grund, diesen Schritt zu gehen.

Google Ergänzungen

Nimmt man Google als Indikator für die gesellschaftliche Stimmung scheint es eher auf Ablehnung oder mindestens auf große Skepsis zu stoßen, seine Kinder schon mit einem Jahr in die Krippe zu geben. Wir haben da andere Erfahrungen. Schon bei F. lief das sehr gut und auch im Nachhinein erscheint und diese Entscheidung richtig. Auch bei F. läuft die Krippe gut an. Von daher stehe ich zu dieser Entscheidung und lasse mir da auch von niemandem ein schlechtes Gewissen einreden.

Kommentar verfassen