Schopflochweg – eine Spontanwanderung auf der Schwäbischen Alb

Eine Erzieherin aus F.s Kindergarten hatte die Kinder nebst Eltern zu ihrer Hochzeit eingeladen. Die fand irgendwo auf der Schwäbischen Alb statt und die Herzdame stellte umgehend fest:

Da finde ich mich ja nie hin.

Da an diesem Tag aber auch die Großeltern zu Besuch waren, konnten wir auch nicht alle zusammen hingehen. Also fuhren wir schließlich zu sechst auf die Alb, setzten die Herzdame und F. bei der Hochzeit ab und hatten dann etwa zwei Stunden zu überbrücken. Irgendwo auf der Alb.

Inspiriert vom Dia-Blog entscheiden wir uns spontan für eine kleine Wanderung. Spontan heißt in erster Linie: schlecht vorbereitet. Kein Plan, keine Karte dabei und mein Smartphone war durch die Navigation der Hinfahrt auch schon im einstelligen Akkubereich. Also war auch der Wanderwalter nicht so recht zu benutzen.

All das focht uns nicht an. Einen Wanderparkplatz hatte ich auf der Hinfahrt schon entdeckt: Das Schopfloch bei Undingen.

einer der Wenigen Wegweiser am Schopflochweg

Einer der wenigen Wegweiser

Da die Wege breit und eben zu sein schienen, setzte ich L. in den Kinderwagen, obwohl die Kraxe auch dabei war. Auf den Infotafeln am Parkplatz war ein Rundweg angepriesen, der erste Wegweiser dazu war schnell gefunden, auch der Zweite. Dann aber keiner mehr, das ginge besser.

Der Weg führte um ein kleines Waldstück herum, vorbei am Schäferhundeverein, eine leichte Steigung hinauf auf den Hügel. Von dort oben wurde mir dann zum ersten mal annähernd klar, was für eine wunderbare Landschaft dieser Albhochfläche tatsächlich ist.

Viel Platz!

So viel Platz!

Leicht hügelig, gar nicht so gebirgig, grün offen und vor allem Platz!
Ein Seitenblick auf die Wiesen offenbarte, dass die in Wahrheit nicht einfach nur Grün sind, sondern auch jetzt im Spätsommer noch durchsetzt mit einem Meer aus wilden Blumen. Herbstzeitlose waren wohl dabei, bestimmt auch ein paar wilde Orchideen, ich kenne mich da nicht so aus.

Orchideen?

Orchideen anwesened?

Ein paar Rehe beägten uns misstrauisch, als wir an einer Wegkreuzung in Richtung Wald abbogen und verschwanden in demselben, noch bevor ich sie fotografisch festhalten konnte. Kurz hinter dem Waldrand tat es ihnen ein Eichhörnchen gleich. Wenigsten die Baumpilze liefen nicht davon und ließen sich geduldig ablichten.

Baumpilze

Geduldige Baumpilze

Da wir schnell merkten, dass der Weg und viel zu schnell wieder zum Parkplatz führen würde, kehrten wir zur Kreuzung zurück und probierten einfach den nächten Abzweig. Dieser führte auf etwa halbe Höhe auf offenen Wiesen über den Hügel . Ein einzelner markanter Baum, laut Dia-Blog ja auch typisch für diese Landschaft, wurde zum Fixpunkt dieser Wanderung – er war fast immer in Sicht und eine perfekte Landmarke für unsere ansonsten ja eher schlechte Orientierung.

Unsere Landmarke

Unsere Landmarke

Von hier oben entdeckten wir nun die Talstation des Undinger Skilifts mit einer anscheinend auch jetzt im Spätsommer bewirtschafteten Hütte. Also spontan ein kleiner Abstieg über die Wiese um dort einzukehren. Stellt sich heraus: Nur Sonntags geöffnet. Schade.

Also weiter wandern, Vesper musste warten. Wir entschieden uns für die kleine Straße in Richtung Golfplatz, über der ein paar Wanderfalken sich ein Scharmützel mit einem Roten Milan lieferten. Spannung und Action ganz ohne Eintrittsgeld.
Der Weg führte am Fuß des Hügels in weitem Bogen zurück in die Richtung, aus der wir gekommen waren.

Blühende Disteln am Sträßle

Blühende Disteln am Sträßle

Der Blick reichte bis zu einem kleinen Felsen und verschwand dann hinter der Flanke der keinen Erhebung. In den Aufwinden über diesen Hängen machten ein paar junge Falken – vielleicht die Brut der beiden Milanjäger von eben? – ausgelassene Flugübungen.

Der Felsen

Der Felsen

Leider bog der Weg dort in die falsche Richtung ab. Mit dem letzten 5% meines Smartphoneakkus konsultierte ich nun doch mal den Wanderwalter. Wie vermutet hätte es es unsere Wanderstrecke in etwa verdoppelt, wären wir hier weiter gegangen. Wir wollten also gerade umkehren, da rief die Herzdame an und bat um umgehende Abhohlung.

Unser Wegmarkenbaum war wieder in Sicht gekommen und so konnten wir abschätzen, dass wir etwa 10 min vom Parkplatz entfernt waren. Allerdings auf geradem Weg bergauf über die Wiesen. In diesem Moment bereute ich meine Entscheidung für den Kinderwagen statt die Kraxe.
Also teilten wir uns auf. Die Oma und ich stapften den Hügel hoch direkt zum Parkplatz. Der Opa lief mit seiner Enkelin im Kinderwagen die Straße zurück in den Ort, wo wir ihn wieder einsammelten und unsere kleine Wanderung über die Alb viel zu früh beendeten.

Fazit: Trotz leichter Orientierungsprobleme und einem etwa apruptem Ende hat es mir überraschend gut gefallen auf der Albhochfläche. Obwohl der Ort sich völlig zufällig ergeben hatte und eben kein vom Wanderführer empfohlenes Highlight war, waren wir einer wunderschönen und abwechslungsreichen Landschaft unterwegs. Nur die Beschilderung könnte besser ein. Und die Hütte geöffnet. Aber schlechte Orientierung und vergebliche Einkehrversuche lassen sich ja durch etwas Vorbereitung einfach vermeiden. Zum Beispiel bei der nächten Wanderung über die Schwäbische Alb.

3 Kommentare zu “Schopflochweg – eine Spontanwanderung auf der Schwäbischen Alb

  1. Anlauftipps für Tübinger Albneuentdecker: Salmendinger Kapelle, Rossbergturm mit Schönberger Kapf, Augstbergturm bei Steinhilben. Und schon auf dem Weg dorthin findet man immer dauernd Stellen, wo man einfach draufloswandern kann. Den Albtrauf kann man überall besuchen, da gibt’s immer herrliche Ausblicke.

    Sinnvoll ist auf jeden Fall eine topografische Karte, idealerweise mit eingezeichneten Albvereins-Wanderwegen. Da kann man schon von zuhause aus Rundwanderungen planen, damit man nicht den gleichen Weg zweimal gehen muss.

    Kartentipps mit eingezeichneten Wanderwegen für die Gegend, in der ihr wart:
    1:50.000 Tübingen/Reutlingen: Freizeitkarte, in der auch Grillplätze etc. eingezeichnet sind.
    1:35.000 Burladingen/Sonnenbühl: Vergrößerung der normalen TK50.
    Generell werden die alten Wegmarkierungen (rotes Dreieck=HW1) nach und nach durch die neuen gelben Wanderschilder ersetzt werden, aber das dauert noch Jahre.

    „Der Felsen“ ist der Kalkstein, der oberhalb des Rinnentals sitzt, oft als kältester Ort Deutschlands bezeichnet, weil eine Kaltluftsenke dafür sorgt, dass hier Wetterstationen extreme Temperaturen messen können. Darum ging es hier auch einen Klimaweg. Am Kalkstein gibt es auch einen schönen Geocache.

    Orchideen dürfte es auf dieser Wiese eher nicht gegeben haben. Dazu müsstest Magerwiesen besuchen, z.B. auf dem Filsenberg bei Öschingen, oder auf dem Pfullinger Berg, dem Won etc.

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