Nur das Beste

„… wir wollen doch nur das Beste für Ihre Frau und Ihr Kind, vertrauen Sie uns!“

Bei solchen Plattitüden, vermutlich hervorgerufen von einem überhöhten Selbstverständnis der Halbgötter in weiß, hätte ich mir die Nachfrage „Warum?“ tatsächlich sparen können. DIe Herzdame bringt da einen deutlich größeren Vertrauensvorschuss mit, liegt in der Familie. Sie ist bei dieser Sache Chef im Ring und so folgten wir dem weisen Ratschlag des medizinischen Fachpersonals und machten und auf in Richtung Klinik – wie empfohlen ohne noch schnell irgendwo Mittag zu essen.

Was dann folgte, war besten Falls gut gemeint. Nicht dass wirklich etwas schief gelaufen wären, die Ärzte haben gute Arbeit geleistet und die Schwestern und Hebammen waren auch alle sehr nett. Aber.

Aber die Organisation ist die reine Katastrophe. Das schmucklose „Anmeldungszimmer“ in das wir sofort geschleust wurden, sollten wir erst 7 Stunden später wieder verlassen. Es besaß eine Behandlungsliege, ein Krankenhaustisch und einen Stuhl. Nur einen Stuhl. Einen unbequemen. Irgendwann gegen 4 oder 5 wurde der Herzdame doch mal ein Essen aufgewärmt. Mir natürlich nichts, ich bin ja nicht der Patient. Und immer, wirklich immer kommt der Arzt „ganz sicher gleich“ – weshalb man nie auch nur kurz weg konnte, um Essen und Trinken zu besorgen.

Die eigentliche Untersuchung dauerte dann ungefähr 20 Minuten und brachte für uns sehr positive Ergebnisse. Immerhin. Gut getan hat uns dieser Tag in der Klinik trotzdem nicht. Und auf keinen Fall – das konnte aich der medizinische Laie festestellen – war es „das Beste für Frau und Kind“.


Nachtrag:

Dieser Beitrag wurde schon im August 2011 geschrieben und bezieht sich auf eine Episode kurz vor der Geburt unseres ersten Kindes. Offensichtlich war er auch schon einmal online, er hat ja Kommentare. Keine Ahnung wann und und warum ich ihn dann offline genommen habe.

Gerade konnten ich unfreiwillig feststellen, dass sich an diesen kafkaeslen Verhältnissen in Kliniken aber gar nichts geändert hat. Darum veröffentliche ich den Artikel jetzt erneut leicht überarbeitet

 

 

2 Kommentare zu “Nur das Beste

  1. Das ist wohl nichts frauenklinikspezifisches, sondern eher klinikspezifisches. Wenn du fünf Leute fragst, welche Klinik sie empfehlen, kriegst du fünf Ratschläge, die sich alle widersprechen. Wenn du mich fragst: Filderklinik. Das Rudolfsteinergedöns kann man sich lässig wegdenken.

  2. Ja, Filderklinik wäre eine Option gewesen. Trotz der geschilderten Erlebnisse möchte die Herzdame aber lieber wieder genau dort hin. Räumliche Nähe ist da wohl ausschlaggebend. Mir ist es nur recht, das „Gedöns“ gar nicht erst wegdenken zu müssen. Ich verweise hier mal auf den wunderbaren Twitter-Hash #sebf

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