vier = 1461

Anfang letzter Woche feierten wir wir Juniors vierten Geburtstag. Es war eine perfeker Tag für den Kleinen: Morgens war der Geburtstagstisch geschmückt mit Kerzen, Torte und natürlich den Geschenken. Das gelbe Fahrrad, dass er sich schon so lange gewünscht hatte, wurde erstaunlicher Weise zuletzt ausgepackt. Ich ging später zu Arbeit, um am Geburtstagsfrühstück teilnehmen zu können. Die Großeltern waren zu Besuch, so dass er tagsüber gleich mit Oma und Mama Fahrrad fahren üben konnte.

Leider konnte ich nicht den ganzen Tag frei machen und kam erst zum Abendessen wieder dazu. Dafür fuhren wir ein Stück über Land zum Gasthof Kompf. Das Geburtstagskind bewunderte erst die rustikale Bauernhof-Deko und bestellte sich eine (“aber wirklich nur eine”) Maultasche. Er ist eben doch ein eingebohrener Schwabe.

Vor und nach dem Essen durfte er mit den anderen zahlreich anwesenden Kindern im hofeigenem Springbrunnen baden, über die angrenzende Wiese toben und die dort stehenden Ziegen und Schafe streicheln. Alles in Sichtweite unseres Tischs und abseits vom Verkehr oder anderen Gefahren. Beste Vorraussetzung für ein entspanntes Abendessen auch für die Erwachsenen. Die Maultasche wurde mit Appetit verspeist und für gut befunden, auch die anderen Gäste waren voll des Lobes für das Essen im Kompf. Anschließend ging es nochmal zu den Ziegen auf die Wiese, wo die kleine Schwester unsere Jubilars spontan ihre ersten paar Schritte ging.

Ein schöner Geburtstag war es, was uns der Kleine noch Tage später immer wieder mal bestätigte.


Später am Abend – das Geburtstagskind war schon im Bett – besuchte uns noch eine Freundin. Wir hatten uns eine Weile schon nicht gesehen und gerieten an diesem warmen Sommerabend bei einer Flasche Wein auf unserer Terrasse gut ins plaudern. Dann passierte, was irgendwann immer passiert, wenn Eltern mit Kinderlosen plaudern: Man redet zwar miteinander, aber irgendwie immer haarscharf aneinander vorbei.

Wir kamen auf diverse private Projekte, zu denen ich allzu oft sagen musste, dass sie noch allzu weit gediehen sind. Weil wir kaum Zeit dafür haben. Was meine Gesprächpartnerin irgendwie nicht nachvollziehen konnte. Ihr “Aber die Herzdame ist doch seit einem Jahr zu Hause?” war wahrscheinlich mehr fragend dennvorwurfsvoll gemeint – trotzdem war plötzlich dieser Rechtfertigungsdruck da. Um unsere Situation beim privaten Zeitmanagement möglichst anschaulich darzustellen versuchte mal es mit der Kraft der großen Zahl:

Da ja gerade Juniors Geburtstag war, ließ sich schnell errechnen, dass wir nun seit genau 1461 Tagen (Obacht, 2012 war ein Schaltjahr!) mit Kindern zusammen leben. Nicht mit irgendwelchen Kindern, sondern mit den Eigenen. Für die wir verantwortlich sind. Die unsere Aufmerksamkeit brauchen und sie jederzeit bekommen. Um die wir uns kümmern. Um die wir uns sorgen und an die wir denken. 24 Stunden am Tag. Seit 1461 Tagen.

Und 1461 Nächten. 1461 kurzen, unterbrochenen oder gar durchwachten Nächte.

Völlig klar, dass irgendweche Projekte – egal ob Hobby oder Haushalt – immer wieder zurückgestellt werden müssen. Sei es, weil die Kinder lieber durch Matschpfützen springen wollen als allein im Zimmer zu spielen. Oder sei, dass durch die scheinbar unendliche Energie dieser kleinen Menschen oder den allgegenwärtigen Schlafmangel die eigene Kraft nicht mehr reicht für so minderwichtige Dinge.

Vor diesen 1461 Tage war auch mir nicht klar, wie krass sich die eigenen Prioritäten verschieben, wenn Kinder ins Spiel kommen. Das kann man wahrscheinlich nur durch eigene Erfahrung wirklich begreifen. Ich bin darum auch niemanden böse, der diese Erfahrung nicht hat, wenn er das nicht nachvollziehen kann.

Ich kann nur hoffen, dass meine kleine Rechtfertigungsrede nun nicht allzu abschreckend war. Denn was ich da in meiner weinseeligen Stimmung vermutlich völlig vergessen hatte, ausreichend zu betonen: Diese 1461 waren sicherlich anstrengend, die Nächte erst recht . Dafür waren es die 1461 Tage glücklichsten Tage unseres Leben und jede Anstrengung wert.

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