Meta 2015

Fast vier Monate Funkstille auf diesem Blog, da muss ich leider ein wenig mit selbstreferenziellem Metablub nerven:

Die Geschichte mit dem auf Bitte Dritter halbgelöschtem Artikel hatte mich dann doch ein wenig frustriert. Eigentlich war es nicht der Rede wert – es gab keine Abmahnung oder ähnlich unschöne Sachen – aber mir wurde dadurch klar, dass ich über bestimmte Themen hier nicht so frei schreiben kann, wie ich gerne würde. Bei einem anderen Themenkomplex, der für mich inzwischen die bei weitem größte Bedeutung hat – meine Kinder nämlich – hatte ich mir selbst weitgehende Zurückhaltung verordnet. (Die kurze Debatte im April zu Kinderfotos im Netz – schön zusammengefasst von Spreeblick – hatte ich interessiert zur Kenntnis genommen.)

Und so schien es, dass mir hier schlicht die Themen ausgingen. Also: Funkstille.

Schien es. Denn was mir zunächst gar nicht aufgefallen war: bei mir hatte sich schleichend die Art und Weise, das Internet zu nutzen, geändert hatte. Beginnend mit dem Ende des Google Reader irgendwann 2013 hatte ich aufgehört, Blogs zu lesen und statt RSS immer mehr Facebook und vor allem Twitter zu nutzen. Während ich Facebook schnell wieder bleiben ließ, (weil mir relativ schnell klar war, dass diese sgn. ’soziale Netzwerk‘ Internet für Leute ist, die nicht ins Internet wollen/können,) meinte ich mit Twitter eine gute Alternative zu den immer gleichen Blogs in irgend einem Feedreader gefunden zu haben.

Aber auch das funktioniert nicht. Twitter ist zu unbeständig zu schnell. Schaut man mal einen halben Tag nicht rein, ist der Link zum spannendesten Artikel des Tages vielleicht schon durchgescrollt. Und das nächste Mal ist Twitter wieder so prentrant und hartnäckig, weil ein und das selbe Thema solange durchgekaut wird (meist sogar nur einseitig), dass man dann wiederum lieber einen halben Tag nicht reinschauen möchte, um nicht den selben Mist dutzendfach zu lesen.

Jedenfalls fehlte mir der Input, die Anregungen aus dem Netz, die weder das Nicht-Netzmenschen-Netz Facebook noch das hektische und zwangsverkürzende Twitter liefern konnte. Ich fing an – nicht zum ersten Mal – dem “alten” System aus Blogs, RSS und der dezentralen Vernetzung durch Links, Kommentaren und Trackbacks nachzutrauern. Vielleicht werde ich einfach langsam alt, dass mit der Entwicklung einfach nicht mehr mitkomme – aber ich halte es für falsch, sich von großen geschlossenen Plattformen wie Facebook und Twitter abhängig zu machen. Zumal es (besser) funktionierende Alternativen im offenen Netz gab, nein gibt, und das seit vielen Jahren.

Im Podcast Bits und so predigt Timo Hetzel genau das seit Jahr und Tag und vor allem ein paar Nebensätze in seinem Gespräch mit Daniel Fiene hatten mich zuletzt in dieser Auffassung bestärkt: diese „alte System“, das dezentrale und offene Netz, scheint tatsächlich nach wie vor zu funktionieren. Blogs und längere Artikel lesen, ohne auf Links in Twitter o.ä. zu warten. Sich mit RSS sein eigenes Magazin vom besten aller menschlichen Kuratoren – einem selbst – zusammenzustellen. Zu bloggen – und damit auch jemanden zu erreichen und sich darüber zu vernetzen. Ich hatte nur aufgehört es zu tun.

Also: nicht jammern, sondern machen! Als Sofortmaßnahme wurde die Twitter-App wurde erstmal auf allen Geräten nach hinten wegsortiert, Reeder2 dafür gut sichtbar im Dock platziert. Immer, wenn ich sonst Twitter angeworfen hätte, lese ich nun wieder über RSS-Feeds Blogs und längere Artikel von News-Seiten. Schon nach ein paar Tagen fühlte ist mich deutlich besser unterhalten und informiert. Artikel zu Themen, über ich eventuell mal bloggen könnte, schiebe ich nach Instapaper – auch diese Liste wächst bereits.

Dieser Artikel entsteht gerade auf dem iPad in Byword, daneben liegt das Markdown Cheatsheet von Mac & I, was ganz gut zeigt, dass ich sinnvollen technischen Entwicklungen gegenüber durchaus offen bin.

Und es fühlt sich gut an wieder ins Internet zu schreiben. Ins richtige, offene Internet. Nicht auf Twitter, nicht auf Facebook. In mein Blog.

Ein Kommentar zu “Meta 2015

  1. Viel Wahres. Auch ich finde das eigene Blog unverzichtbar. Auch ich schreibe dort zu wenig. Facebook ist für mich allerdings ein Trigger, um auch „die Leute, die nicht ins Internet wollen“, zu erreichen. Ansonsten kann man dort Peter Breuer lesen, das war’s auch schon fast. Twitter ein Seismograph für virulente Themen und die Möglichkeit, ein paar Wortspiele loszuwerden. Mehr als 10 Minuten hält’s mich dort aber auch nicht am Tag.
    Ob das alte System nochmal auflebt, ich weiß es nicht. Wünschen würde ich es mir. „Das alte System“, das ist noch keine 5 Jahre her, und man klingt schon wie Opa, der aus dem Krieg erzählt.

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