März 2015: verpfuscht mit versöhnlichem Abschluss

 

Es gab schon bessere Monate als diesen März. Nichts wirklich dramatisches (zumindest was das Persönliche angeht), aber lauter ärgerliche, nervige, anstrengende oder beänstigende Dinge, die denn Wunsch weckten, diesen merkwürdig verpfuschten Monat möglichst schnell zu vergessen.
Statt des Frühling ereilte uns erst einmal die Grippe. Zeitweise lagen drei von vier Familienmitgliedern mit Fieber im Bett. Oder eben nicht, weil es das eben nicht geht mit zwei Kindern, die trotzdem spielen, essen oder gewickelt werden wollen. Mein Tagesablauf in dieser Zeit sah dann so, dass ich möglichst früh im Büro war – bei uns ist das 6:30 Uhr – um halbwegs einen vollen Arbeitstag zu schaffen und trotzdem Mittags zu Hause zu sein. Wer jetzt nachrechnet merkt, dass das nicht ganz aufgeht. Aber so ist das immer mit der vielzitierten Vereinbarkeit von Beruf und Familie: Es geht schon, aber nie ganz. Aber immerhin: wenn es darauf ankommt, geht so einiges. 

Was allerdings gar nicht geht ist, sich nicht gegen die Masern zu impfen. Leider sehen das viel zu viele anders, sei es nun aus Ignoranz, Unwissenheit, Angst vor Nebenwirkungen oder aus quasi-religöser Verblendung. Vermutlich überwiegt sogar letzteres, da wohl die schlechtesten Impfrate im akademisch-alternativen Walddorfschulen-Esoteriken-Milieu erreicht werden. Bei Menschen also, die es besser wissen sollten. Die ganz sich ganz bewusst gegen Impfungen entscheiden, mit welchen kruden Begründungen auch immer. Und damit nicht nur schmarotzen, sonder auch anderen schaden. So sitzen wir hier nun, mit einem sieben Monate altem Säugling, in der Stadt mit der schlechtesten Impfrate in Baden-Würtemberg, uns sehen wie die Masernwelle von Berlin aus langsam aber sicher auf uns zu rollen – und können nichts tun, außer abzuwarten. Mit frühestens neun Monaten können Baby geimpft werden, bis dahin sind sie auf den “Herdenschutz” angewiesen. Den Herdenschutz, der wegen der niedrigen Impfraten nicht mehr gegeben ist. Vielen Dank auch, Impfgegner! 

Dann werden zwei unser besten Freunde hier demnächst wegziehen. Jobbedingt, natürlich. Es lebe die Flexibilität! Beiden, obwohl sie eigentlich gute und sichere Jobs haben – nur dass das Betriebsklima absolut nicht stimmt. Was auf Dauer niemandem gut tun kann, auch wenn man den Job nur noch als Job begreift. Die Zeit dort ist zu lang, als das sie nicht prägen würde. Permanenten Ärger im Job trägt man letztlich doch in die Familie. Und obwohl die Entscheidung, daraus auszubrechen weitreichende, oft unangenehme Konsequenzen hat – gerade gekaufte Häuser müssen wieder verkauft werden, Kinder werden aus ihrer vertrauten Umgebung gerissen, Freunde verlieren sich wohl möglich aus den Augen – ist die Entscheidung dieser beiden richtig und konsequent.
Noch ein paar andere unschöne Dinge waren vorgefallen, von denen hier nicht berichtet werden kann oder soll. 

Und dann war da noch das allgemeine Weltgeschehen, das einen zunehmend verzweifen ließ: Ein Land, dass ich selbst ohne Not von der Digitalisierung abkoppelt und damit sein Zukunft verspielt, Ein Diffamierungskampagne gegen ein ganzes Volk, an dem sich nicht nur die BILD beteiligt (von der niemand anderes erwartet hätte), sonder vorn weg auch der öffentlich-rechtliche Rundfunk. Schüler, die während einer partiellen Sonnenfinsternis im abgedunkelten Klassenzimmer bleiben müssen, wegen der “gefährliche Strahlung”. Am Ende auch noch ein tragischer Flugunfall mit vielen Toten – mit einem unfassbaren Medienversagen im Nachgang. 

Natürlich passieren derlei Dinge immer und ständig. In diesem März schien sich aber alles schlechte sich zu sammeln, um vereint zuzuschlagen. Sogar mir sonnigem Gemüt ging zeitweise der Optimismus verloren – mein ansonsten so zuverlässiger Begleiter in stürmischen Zeiten. 

Die oben beschriebenen Ereignisse hängen uns zwar natürlich weiter nach, aber zwei Erlebnisse am letzen Wochenende haben mich dann doch ganz gut wieder aufbauen können: 

Zunächst bekam Junior den lang angekündigten Besuch der Nuckelfee. Es wurde ja mit seinen gut drei einhalb Jahren auch mal Zeit, dass dieses Ding verschwindet. Natürlich ging das nicht ganz ohne Tränen ab. Aber ich hatte es viel schlimmer erwartet. Nach der ersten Aufregung fand er sich erstaunlich schnell in der neuen Situation ein, hatte es anscheinend schnell akzeptiert, dass der Nuckel nun endgültig weg ist und auch nicht wiederkommt. So wie es aussieht, ist er richtig stolz auf sich, nun ein “Großer” zu sein, wie die Fee ihm geschrieben hatte. 

Auch die Kleine macht auch Riesensprünge. Es bestand zunehmend die Gefahr, dass sie das mit den Riesensprüngen wörtlich nimmt. Denn immer öfter zog sie sich in der Kinderwagenschale, im Laufgitter oder ihrem Stubenwagen am Rand hoch und erkundete, was wohl hinter diesen vertrauten Barrieren zu entdecken sei. Es wurde also Zeit, den Kinderwagen auf Buggy umzubauen, das Laufgitter “tieferzulegen” und ihren Nachschlaf vom Stubenwagen in unserem Schlafzimmer ihr Bettchen im eigenen Zimmer zu verlegen. 

So etwas – zu sehen, wie sich die eigenen Kinder entwickeln – das gibt wirklich Kraft und baut auf. Egal wie mies die Wochen zuvor auch waren.

Ein Kommentar zu “März 2015: verpfuscht mit versöhnlichem Abschluss

  1. Hallo Lars, wenn es schlimm kommt dann meistens immer so richtig. Das kenne ich auch. Letztes Jahr im Herbst habe ich eine Grippe verschleppt über den ganzen Winter kam sie immer wieder zurück, ich konnte nicht richtig durcharbeiten, habe den Arztbesuch immer wieder verschoben und mich dann doch geärgert weil der Körper irgendwann nein gesagt hat. Ich hoffe du hast jetzt wieder ein wenig Ruhe & Struktur gefunden.

    Grüße aus dem schönen Hannover,
    Alex

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