02/2015

Die Euphorie des Jahresanfangs droht natürlich umgehend zu verfliegen, wenn man derzeit die Nachrichten hört. Das ein paar Verrückte völlig frei drehen und ihnen dabei dummerweise Waffen zu Verfügung stehen – schlimm, tragisch, aber letztlich ist das eben das Stück Unsicherheit das übrig bleibt, wenn Freiheit und Offenheit nicht völlig aufgeben möchte. Wirklich schlimm ist es aber zu sehen, wie sich Konservative ohne jede Anstandsfrist daran, diese tragischen Ereignisse für ihre Zwecke auszuschlachten. Die einen Angriff auf die Freiheit zum Anlass nehmen, die weitere Einschränkung dieser Freiheit zu fordern. Da diese Leute in der Regel an der Macht sind, ist das viel gefährlicher und besorgniserregender als der Terror selbst.

Was bleibt einem da, als sich in Parallelwelten zu flüchten. In eine besonders schöne Parallelwelt tauchte ich mit Junior daher am Dreikönigstag ab: die Welt der Dampfeisenbahn. In historischen Wagen, von einer 52er Dampflok gezogen ging es auf große Tour über die zumindest leicht verschneite Schwäbische Alb. Hier ein paar Impressionen von diesen Zug.

Abgesehen von Eisenbahn, Dampf, Landschaft und einem tollen Vater-Sohn-Erlebnis fand ich bemerkenswert, dabei nur nette, angenehme Menschen getroffen zu haben. Kein Stress wenn Junior im doch recht vollen Zug auch mal quengelig wurde. Kein böses Wort, wenn er – neugierig wie er nun mal ist – einem der vielen Fotografen ins Motiv lief.

In unserem 4er-Abteil saßen außer uns ein wahrscheinlich taubstummer Mann, der nur über Gesten und Summlaute kommunizieren konnte und einer, aus – wie sich später herausstellte – dem Wennfelder Garten, einem großen und in der Stadt auch ziemlich verschriehenen Sozialwohnungsviertel.

Leute also, die wir – wenn wir ehrlich sind – im „echten Leben“ eher ignorieren, wenn nicht Ihnen bewusst aus dem Weg gehen würden. Hier bildeten wir zufällig und zwangsläufig eine Gemeinschaft auf Zeit, waren durch die Reservierungsnummern zu Reisegefährten geworden. Nach einiger Zeit entwickelten sich Unterhaltungen, man scherzte, teilte den Proviant, fang Gemeinsames und Unterschiede. Am Ende ließ sich Junior von dem einen die Jacke anziehen und von dem anderen aus dem Zug helfen.

Irgendwie macht das doch Hoffnung, dass die Welt zumindest nicht nur schlecht ist. Irgendwie, ja. Vielleicht nur, weil ich optimistisch bleichen will, weil ich ja schließlich zwei Kinder in genau diese Welt gesetzt habe.

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