Das Protokollschweigen

Ein Termin steht an, dessen Verlauf oder Ergebnisse protokolliert werden müssen. Dann passiert zunächst immer das Gleiche: Mit etwas Verspätung sind alle Teilnehmer eingetroffen, haben sich begrüßt, der launische Smalltalk ebt langsam ab, man möchte zu Sache kommen, denn der Folgetermin rückt näher.

Aber bevor es los geht muss die unvermeidliche Frage gestellt werden:

Wer schreibt das Protokoll?

Was dann folgt, nenne ich das Protokollschweigen. Plötzlich werden Fenster, Lampen und der Wandschmuck höchst interessant. Jeder versucht möglichst unsichtbar zu werden. Weil es die gute Erziehung verbietet, unter den Tisch zu kriechen, versucht man es eben mit der guten alten “Wenn ich dich nicht sehe, siehst du mich auch nicht”-Methode. In angespannter Stille sitzt man sich regungslos gegenüber und taxiert aus den Augenwinkeln die anderen. Bloß nicht sich zuerst zu bewegen oder gar das Protokollschweigen zu brechen. Wer das tut, protokolliert.

Ein Kommentar zu “Das Protokollschweigen

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