Weiße Flecken erkunden – Die Wimsener Höhle

Da mein Job als Verkehrsplaner recht umfassende Ortskenntnisse vom Stadtgebiet Tübingen und dem direkten Umland erfordert, führten mich bisher auch Ausflüge nicht sehr weit aus der Stadt heraus. Auch nach 6 Jahren in Tübingen ist etwa die Schwäbische Alb zu großen Teilen noch immer ein weißer Fleck auf meiner Landkarte.

Jetzt, wo wir mit Junior gut auch längere Ausflüge machen können – und er auch sichtlich Spaß daran hat, Neues zu entdecken – beginnt sich das langsam zu ändern.


So wagten wir uns vor kurzem zur Wimsener Höhle vor, also in bisher völlig unbekanntes Terrain.

Gerne wären wir mit Bus und Bahn “ausgeflogen”, aber eine Reiszeit von fast 5 Stunden je Richtung und einer Abfahrt vor 8:00 Uhr sind nun wirklich nicht diskutabel. Also gemütlich frühstücken, die Sieben Sachen packen und die Familie gegen 10 ins Auto gesetzt. Ankunft kurz nach 11, sogar mit einem ausgeschlafen Kind, denn seinen Mittagsschlaf hatte Junior gleich während der Fahrt vorgezogen.

Direkt am Parkplatz rauscht dann auch gleich der Wimsener Wasserfall und verzögert den Abmarsch nicht unerheblich. Schließlich haben wir ein Kind dabei, dass Wasser allgemein sehr faszinierend finden, speziell fließendes und ganz besonders natürlich fallendes, rauschende, blubberndes und gurgelndes Wasser.

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Die Zeit bis zum Mittagessen überbrückten wir mit dem Erkunden der näheren Umgebung. Auf der kleinen Straße sind nur sehr wenige Autos unterwegs, die Ufer der beiden Bachläufe sind recht gut mit Geländern gesichert. Wir konnten den Kleinen also beruhigt einfach laufen lassen. Gleich entdeckt und für gut befunde wurde der Wasserspielplatz, auf dem zwar nicht alles funktionierte – immer war es der letzt Tag der Saison – der aber trotzdem mit Ausdauer bespielt wurde.

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Bei einem kleiner Abstecher in das in einschlägien Wanderführern sicherlich als “wildromantisch” bezeichnete Tal unterhalb der Mühle bekam ich schon so ein Vorstellung, was ich gleich im Restaurant “Friedrichshöhle” essen würde.

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Bis die Forelle Müllerin Art dann tatsächlich vor mir auf dem Teller lag, dauerte es dann doch noch ein Weile. Denn zunächst waren alle Tische belegt und es hieß: “Bitte warten Sie kurz, Sie werden platziert.” Es blieb bei kurz und die Zeit bis zum servieren konnte sich Junior auch noch mit dem Ausmalen der Kinderspeisekarte beschäftigen.

Die Speisekarte kann man mit Fug und Recht als “gut bürgerlich” bezeichnen, regionaltypisch natürlich in der schwäbischen Variation. Spätzle, Maultaschen, Braten und Schnitzen. Und natürlich die direkt vor der Haustür gezüchteten Forellen.

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In etwa was man so erwartet an einem Ausflugsziel der Schwäbischen Alb. Allerdings auf gehobenem Niveau, in “Bio” und aus der Region. Gut so.

Für Junior gabs Spätze mit Hühnchen, was er aber verschmäte und lieber beim Schweinsbraten der Herzdame räuberte. (Mein Sohn!) Ich selbst kam an dem schon erwähnten Fisch nicht vorbei, eine Müllerin der Spitzenklasse. Um die feinen Butterkartoffeln wäre es am Ende fast zum offenen Streit gekommen. Dazu ein naturtrüber Bio-Apfelsaft für die Dame und den Nachwuchs und ein dunkles Hefeweizen aus dem nahen Zwiefalten für mich – letzteres wurde umgehend auf der Liste der eigenen Brauvorhaben notiert wurde.

Allein schon für dieses Essen hatte sich der Ausflug gelohnt.


Nun aber ab in die Höhle. Das spannendste an so einer Höhlentour in einem Boot, in das exakt 10 zahlende Gäste passen ist ja – sofern man ein Kleinkind dabei hat: Wie lange werden wir ansehen müssen und was macht er in dieser Zeit alles kaputt?

Um es kurz zu machen: eine halbe Stunde und Uhr ohne Uhrwerk, die anzeigt, wann die nächtste Führung startet. Die wurde aber ohnehin nicht wirklich benutzt, denn die Touren starteten alle 10 Minuten und im 4 Boot saßen wir dann.

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Die Höhle selbst ist wirklich beeindruckend, auch wenn die Fahrt wirklich nicht sehr weit geht und auch nicht lange dauert. Als Erwachsener muss man auch ganz schön den Kopf einziehen. Was mir nicht immer gelang, weil ich natürlich unbedingt Fotos machen musste, von denen die meisten ebenfalls nicht gelangen.

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Blitzen war selbstverständlich nicht erlaubt, vermutlich zum Schutz der Fledermäuse. Allerdings dürften dann eigentlich im Oktober gar keine Führungen mehr stattfinden.

Wir waren etwas unsicher, unser Kleiner auf die enge und dunkle Höhle reagieren würde. Und ob er Anstalten machen würde aus dem Boot zu springen. Nichts dergleichen. Die kindliche Neugier war wohl stark genug, dass er da unbedingt rein wollte. Naja, wir hatten ja auch eine halbe Stunde Zeit, ihm immer wieder zu erzählen, wie toll das gleich wird. Und da Mama nicht ins Wasser sprang, tat er es halt auch nicht.


Nach der Höhle sahen wir uns noch die Mühle an, in deren Dachgeschoss eine kleine Ausstellung untergebracht ist.

Ein Raum widmet sich der Erforschung der Höhle – was ich spannend fand. Vor allem die große Aufrißzeichnung der Höhle an Wand vermittelte einen sehr plastischen Eindruck, wie groß die Höhle tatsächlich ist, die man garade zu nicht mal einem Zehntel befahren hat.

In einem zweiten Raum wird die Geschichte des Weilers Wimsen behandelt. Leider ging es mir da viel zu feudal zu. Die Höhle und halbe Gegend rund herum gehören wohl auch irgendeinem “von und zu” – und diesen Ausstellungsraum empand ich als eitle Selbstdarstellung.

Auf einer offenen Empore über dem Saal befindet sich dann noch ein kleine Ausstellung zu Mühlen und Wasserkraft auf der Schwäbischen Alb. Neben ein paar Infostelen, auf den am einige Videos anschauen konnten, waren besonders die vier Holzmodelle verschiedener Wassermühlenarten interssant. Hier konnte man nämlich per Knopfdruck einen Wasserstrahl starten, der die Mühlenmodelle arbeiten ließ. Leider funktioniert nur eines der vier Modelle, was nicht nur mich, sondern vor allem auch meinen kleinen Forscher ziemlich enttäuschte.
Auch könnte die Beleuchtung dieses Ausstellungsraums noch verbessert werden, die Ausstellungsstück lagen teilweise in ziemlichem Schummerlicht.


Nach einer zweiten Runde auf dem Wasserspielplatz und dem umvermeidlichen Abstecher in den (etwas gewöhnungsbedürftigen) Wickelraum verließen wir gegen 5 den Weiler Wimsen und wunderten uns, wie viel Zeit wir dort verbracht hatten, ohne das es irgendwie langweilig geworden wäre. Dabei hatten wir uns kaum 500 m vom Parkplatz fortbewegt.

In der Hauptsaison könnte ich mir allerdings vorstellen, das das die Warterei auf die Bootsfahrt ein ziemliche Geduldsprobe werden kann – gerade wenn man Kinder dabei hat. Dann wäre es schön, wenn das Warten nicht ausschließlich durch “Schlange stehen” organisiert wäre, sondern die Boote besser zu festen Zeiten ablegen würde, für die man dann resevieren und die Wartezeit beispielsweise auf dem Spiel verbringen kann.

Uns hat es jedenfalls sehr gut in Wimsen gefallen. Unberührte Natur, ein spannender Spielplatz, gutes Essen und natürlich das ungewöhnliche Erlebnis, eine Höhle im Boot zu befahren. Ein durchweg empfehlenswertes Familien-Ausflugsziel also, das Lust auf mehr “Schwäbische Alb” macht.

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