Elternschelte statt bedarfgerechter Öffnungszeiten

In Waiblingen will man also Kinder, die wiederholt zu spät von der Kita abgeholt werden, für einige Tage von der Kita-Betreuung ausschließen.

Kleiner Tipp an den Waiblinger Gemeinderat:

Wenn Kinder zu regelmäßig zu spät aus der Kita abgeholt werden, dann dürfte das allerwenigsten an der “schlechten Erziehung” der Eltern liegen. Sondern eher daran, dass die Arbeitgeber in euer Stadt sich um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf einen feuchten Dreck scheren und auch Eltern von KIta-Kindern regelmäßig ungeplant Überstunden leisten müssen und einfach nicht rechtzeitig weg kommen. Das liegt wohl am gesellschaftlichen Klima in den ach so tollen schwäbischen Tüftler-Mittelstands-Unternehmen. Dagegen anzusteuern ist auf lange Sicht unbedingt notwendig und durchaus Aufgabe der (Kommunal-)Politik.

Kurzfristig könnte man ja erstmal die Öffnungszeiten der Kitas dem tatsächlichen Bedarf anpassen. Das sie es nicht sind, ist ja wohl offensichtlich.

Aber nein, das wäre ja aufwändig, würde Kosten verursachen und man müsste sich ernsthaft mit der Lebensrealität junger Familien auseinandersetzen. Das würde natürlich der Mehrheit aus CDU, SPD und einer dem Anschein nach auch eher “bürgerlichen” Wählervereinigung nie in den Sinn kommen.

Es ist ja auch viel einfacher, mit Sanktionen gegen diese “Rabeneltern” vorzugehen.

Ein Kommentar zu “Elternschelte statt bedarfgerechter Öffnungszeiten

  1. Hier auf irgendwen Schuld abzuladen ist nicht zielführend.

    1. Die Erzieherinnen und Erzieher sollten nicht länger die Verantwortung für ein Kind tragen müssen, als dies vereinbart ist.

    2. Für die Kinder selbst muss es ein unglaublich unangenehmes Gefühl sein, bis zu einer Stunde länger auf ihre Eltern warten zu müssen. Ich kann mir vorstellen, dass man sich als Kind dann von seiner Mutter oder seinem Vater zurückgesetzt fühlt.

    3. Gerade im Bereich der Kindererziehung fehlen gut ausgebildete Fachkräfte. Woher die erweiterten Öffnungszeiten kommen sollen, wenn es oft schon schwer ist, die regulären Öffnungszeiten der Kindergärten mit Arbeitskräften zu besetzen, ist mir schleierhaft.

    4. Wie, bitte, soll die Stadt ansonsten gegen dieses Verhalten vorgehen? Weil einzelne Eltern sich von ihren Arbeitgebern zu Überstunden oder ähnlichem breitschlagen lassen, soll die Stadt ihre Erzieherinnen und Erzieher zum gleichen Verhalten zwingen?

    Letztlich, wie sie richtig schreiben, muss gegen die mangelnde Vereinbarkeit von Beruf und Kind vorgegangen werden. Ich sehe dies aber nicht nur als (alleinige) Aufgabe der Politik, sondern auch als Aufgabe der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in ihren Verhandlungen mit ihren Arbeitgeberinnen und Arbeitgebern.

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