Ameise und Grille

Eine Fabel in zwei Varianten

Frei nach La Fontaines “Grille und Ameise”


Variante 1

Während die Ameise den ganzen Sommer über fleißig war und Vorräte angelegt hatte, hatte die Grille den ganzen Tag nur gesungen. Als dann der Winter kam, litt sie Not und fragte die Ameise, ob diese von ihren üppigen Voräten etwas abgeben könnte. Die Ameise aber fragte nur, was die Grille denn den ganzen Sommer über gemacht habe, statt sich selbst einen Vorrat für den Winter anzulegen.

“Gesungen habe ich und damit die anderen Tiere erfreut.”

antwortete die Grille.

“So, gesungen hast du? Dann kannst du jetzt ja tanzen!”

spottete die Ameise und schlug lachend die Türe zu.


Variante 2

Während die Ameise den ganzen Sommer über fleißig war und Vorräte angelegt hatte, hatte die Grille den ganzen Tag nur gesungen. Als dann der Winter kam, litt sie Not und fragte die Ameise, ob diese von ihren üppigen Voräten etwas abgeben könnte. Die Ameise aber fragte nur, was die Grille denn den ganzen Sommer über gemacht habe, statt sich selbst einen Vorrat für den Winter anzulegen.

“Gesungen habe ich und damit die anderen Tiere erfreut.”

antwortete die Grille.

“Ja, gesungen hast du – und meine schwere Arbeit fiel mir viel leichter, wenn ich dir zuhörte. Komm herein, lass uns nun zusammen essen und singen.”


Und…

… welche Variante gefällt euch besser?


Inspiriert von (ich trau es mir kaum zu sagen) der Morgenandacht im Deutschlandfunk.

2 Kommentare zu “Ameise und Grille

  1. Die Variante in der man seinen Nächsten nicht schadenfroh verhungern lässt…

    Was sollen solche Fabeln überhaupt für eine Moral propagieren und wie passt so etwas in ein christliches Weltbild? Lassen wir auch die Menschen in Griechenland verhungern, weil diese in der Vergangeheit (angeblich) Fehler gemacht haben?

  2. Na die zweite Variante gefällt natürlich besser.

    Aber als Musiker erlebe ich oft auch eher die erste: Warum Eintritt zahlen, wenn die Typen auf der Bühne auch noch Spaß haben? Der Pietismus sitzt dem Schwabenland noch immer in den Knochen.

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