Warum ich die Petition zur Netzneutralität mitgezeichnet habe und ihr das auch tun solltet

Was mich extrem nervt ist, in einem Land zu leben, in dem Fortschritt immer erst mal als etwas schlechtes, gar gefährliches angesehen wird. Ein Land, in dem daher folgerichtig die technologische Entwicklung bestenfalls stagniert, oft auch gezielt behindert und ausgebremst wird.

Es ist wirklich eine Schande für ein ehemaliges Hochtechnologieland, es noch immer nicht geschafft zu haben, eine flächendeckende, hinreichend leistungsfähige und bezahlbare Versorgung mit Internetzugängen auf die Beine zu stellen.

Während in Südkorea bereits Privathaushalte über 1-GBit-Anschlüsse verfügen können, ist hier die Bereitstellung von asymmetrischen 50-MBit-Leitungen in einigen Stadtgebieten einer Universitätsstadt bereits Jubelmeldungen wert.

Während in Finnland ein Internetanschluss mit mindestens 1-MBit/s zum Grundrecht erklärt wurde, ist selbst dieses Minimum in einigen Gegenden Deutschlands (berichtigt, hier stand zurrst GBit/s, siehe Kommentare)reine Glückssache.

Die Politik versagt auf diesem Gebiet auf ganzer Linie, ist weder in der Lage noch gewillt, diese Problem zu lösen oder auch nur beherzt anzupacken. Aus dieser Richtung kommen allenfalls ein paar Nebelkerzen und viel Dummdeuterei.

Orchestriert wird das ganze Drama von unfähigen, inkompetenten und strukturell kundenfeindlichen Providern. Die, anstatt für einen zügigen Netzausbau zu sorgen, lieber selbst Datendienste anbieten und – um diese nach vorne zu bringen – die Netzneutralität angreifen.

Genau das ist nämlich das wahre Problem an dem, was derzeit unter „Drosselkom“ diskutiert wird.

Klar: ein Datenvolumen vom 75 GB als „durchschnittlich ausreichen“ zu bezeichnen, zeugt von einer Weltfremdheit, dass man sich nur noch fremdschämend abwenden kann. Am besten durch Kündigung.

Gleichzeitig aber die eigenen Daten (oder die Daten derer, die ausreichend Schutzgeld zahlen) bedeutet den Anfang vom Ende des Internets. Sicherlich der feuchte Traum so manchen Politikers und Medienmanagers sein, für mich eher ein Albtraum.

Darum habe ich Petition zur gesetzlichen Festschreibung der Netzneutralität mitgezeichnet. So wie viele andere auch, mehr als 50.000 innerhalb weniger Tag. Und je mehr das tun, desto gewichtiger wird die Forderung, die nun demnächst in Petitionsausschuss des Bundestags diskutiert werden muss. Also:

Mitzeichnen!

Für ein freies Netz, gegen ein Internet nach Gusto weltfremder, fortschrittsfeindlicher Quasi-Monopolisten!

2 Kommentare zu “Warum ich die Petition zur Netzneutralität mitgezeichnet habe und ihr das auch tun solltet

  1. „Während in Finnland ein Internetanschluss mit mindestens 1-GBit/s zum Grundrecht erklärt wurde, ist selbst dieses Minimum in einigen Gegenden Deutschlands reine Glückssache.“
    Das wäre ein Knaller, aber es sind natürlich nur 1 MBit/s 😉

  2. Mega, Giga – bei diesen Größenordnungen kann man schon mal durcheinanderkommen. Danke für den Hinweis, ist berichtigt.

Kommentar verfassen