Tagebuchbloggen 15/2013 – ein ausbleibendes Baustellenchaos, ein verschwundener Kinderwagen und der lang erwartete Frühling

Seit Beginn der Woche wird in Tübingen der Schloßbergtunnel, eine wichtige innerstädtische Hauptverkehrsstraße saniert und dafür werden zwei von vier Fahrspuren gesperrt. Im Vorfeld hatte sich eine völlig irrationale Panik entwickelt, dass dadurch Autofahren in Tübingen nicht mehr möglich wäre, die Wirtschaft zusammenbrechen und wir letztlich alle sterben würden. 

Diese Panik trieb seltsame Blüten. Obwohl der Tunnel ein Bundesstraße ist und darum das Regierungspräsidium Bauträger ist, fokussierte sich die Kritik auf OB Palmer. Der wiederum tat alles denkbare, den herbeigeunkten Verkehrsinfarkt abzuwenden. Ließ auf den Zulaufstrecken neuen Fahrspuren markieren und zusätzliche Abbiegestreifen bauen, einen neuen Kreisverkehr und eine Buswendeschleife nebst Haltestelle auf dem Festplatz am Stadtrand.

Ab dort wurde wiederum eine Park & Ride – Linie eingerichtet, die die Leute am Stau vorbei zu ihren Arbeitsplätzen und zur Uni bringen soll. Kostenlos.

Diese Linie zu planen und umzusetzen war zu großen Teilen mein Job. Darum war der 08. April schon ein besonderer Tag. Denn eine komplett neue Linie bringt man eher selten auf die Straße.

Leider zeigte sich im Laufe der Woche bereits, dass diese Linie wohl kein Erfolg werden würde. Denn der Stau bleib aus. Die Straßen waren frei, damit daher die Fahrt mit dem Bus eher länger als kürzer. Unter diesen Umständen lässt sich kaum jemand aus seinem Auto locken. Somit dürfte die Linie nicht nur kostenlos sein, sondern auch umsonst.

Völlig umsonst – und damit opfere ich einen guten Spannungsbogen einer bemühten Überleitung – war auch die Aufregung, als die Herzdame am Kindergarten den morgens dort abgestellten Kinderwagen beim Abholen nicht vorfand.

Großes Drama, 500 Euro Schaden, Strafanzeige, Polizei im haus, Versicherung bedauert, aber nein, das deckt die Hausrat leider nicht ab. Dazu das beschissene Gefühl, beklaut worden zu sein. Das Gefühl von Unsicherheit, ausgerechnet am Kindergarten. Die Wut auf die Idioten, die zu so etwas in der in der Lage sind.

Am nächsten Tag löst sich alles in Wohl gefallen auf. Der Wagen ist wieder da. Der Opa eines anderen Kindes hatte ihn verladen, in der Annahme, die Eltern wären morgens damit gekommen. So genau kennt er den Wagen dann auch nicht. Viele herzliche Entschuldigungen. Und große Erleichterung bei uns.

Erleichtert waren wir auch, dass endlich, endlich, endlich der Winter vorbei war. Da nimmt man auch mal hin das er fast übergangslos in den Sommer überging. 

Jedenfalls zog es uns – und alle um uns herum – zuerst in den Garten und dann in den Wald.

Im Garten wurde neues Grün gepflanzt und Rasen gesät. Das muss dann natürlich gut gewässert werden. So wie vermutlich alle Kinder, wird unser Junior ja von Wasser ohnehin magisch angezogen. Nun entdeckte er aber etwa, das noch viel besser ist als Wasser: Schlamm!

Um diese Sauerei zu vermeiden, ging es am nächsten Tag in den Wald. Wenn wir in den Wald gehen, dann meist in die Waldklause Henne. Denn Wald ist doch mit kühlem Radler, Kuchen, Roter Wurst und einem Spielplatz gleich noch schöner.

Man kann nur hoffen, dass dieser Platz noch ein paar Jahre so erhalten bleibt. Die Wirtin betreibt dieses Ausflugslokal  schon seit weit über 40 Jahren und ist inzwischen eine hochbetagte Frau.

Bei einem Besuch zu Ostern, noch im Schnee und darum in ihrer „guten Stube“ hat sie uns erzählt, dass sich „nur noch diese, höchstens noch nächste Saison“ machen will. Während dessen draußen ihre Enkel aus frisch gefällten Buchen neue Tische und Bänke zimmerten, die so massiv sind, dass sie bestimmt 10 Jahre halten werden.   

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