Tagebuchbloggen 07/2013 – Elterliche Erziehungstipps, abgehängte Teilorte und gepimpte Kinderwägen

Ein verlängertes Wochenende bei Juniors Großeltern ist nicht nur eine schöne Abwechslung von Alltagstrott und sehr entspannend, weil man auch mal auch mal abschalten kann, während der Kleine wach ist und gespaßt werden möchte. Nein, es ist auch immer wieder erkenntnisreich in Sachen Erziehung und Umgang mit dem Kind.

Machen wir uns nichts vor, wir Erstkind-Eltern sind Anfänger in diesen Angelegenheiten. Wir sind Amateure, die sich einfach in dieses Abenteuer gestürzt haben, ohne zu genau wissen, worauf sie sich da einlassen. Narren wären wir, wenn wir uns nicht Rat bei Menschen holen würden, von denen wir genau wissen, dass sie Kinder großgezogen haben, und nicht irgendwelche Kinder, sondern uns selbst. Und darum ist ja per se außer Zweifel, das sie dies im höchsten Maße erfolgreich getan haben.

Erstaunlicher Weise ist man trotzdem nicht immer einer Meinung und kann beim besten Willen nicht jeden Tipp umsetzen.

Aber im nächsten Winter, da hängen wir dann den Schlitten mit dem Kind an den Rasentraktor und ziehen ihn durch den Garten – versprochen Opa! Dann ist Junior ja auch schon zweieinhalb und kann sich vielleicht sogar ein bisschen festhalten.

Noch auf dem Rückweg von unserem Kurzurlaub errechte mich ein „Hilferuf“ von @wettach, dem Ortsvorsteher von Bebenhausen.

Bebenhausen, der mit rund 350 Einwohnern kleinste „Teilort“ Tübingens, liegt an der Ausfallstraße, die auch von den Regionalbuslinien in Richtung Flughafen Stuttgart befahren wird. Damit hat der Ort eine für seine Größe vergleichsweise üppige ÖPNV-Bedienung. Außer, die Straße wird gesperrt.

Dann werden diese Linien großräumig umgeleitet die Busse können aufgrund der Fahrzeit nicht jedes mal eine Stichfahrt nach Bebenhausen machen. Abgesehen davon, dass eine solche Umwegfahrt durchfahrenden Fahrgästen (vor allem in Richtung Flughafen) kaum zuzumuten ist, würden auch Busse am Endpunkt zu spät ankommen,um pünktlich die Folgefahrt zu beginnen. Darum waren für die Zeit der Straßensperrung nur 5-6 Fahrten pro Tag nach Bebenhausen geplant. Wahrscheinlich immer dann, wenn die Busse in Tübingen längere Standzeiten haben.

Das ist schon ziemlich übel für Fahrgäste, denen sonst ein 20-min-Takt angeboten wird. Und dann wurde die Straßensperrung kurzfristig noch um einen Tag verlängert, auf den Samstag. Für Samstag war bis dahin gar keine Bedienung von Bebenhausen vorgesehen.

Also die Bitte an mich, hier auszuhelfen. Abgesehen, dass ich ja noch im Urlaub weilte. Abgesehen davon, dass die verständigten Kollegen erstmal gar nicht reagierten. Abgesehen davon, dass ich mich erst am Donnerstag wieder mit der Sache befassen konnte, die zeit also schon echt knapp war. Abgesehen davon also, dass die Umstände alles andere als günstig waren, hier noch etwas zu organisieren:

Ich konnte nicht helfen, weil Bebenhausen nunmal von einem anderen Unternehmen bedient wird. Dieses ist im Umleitungsfall auch zuständig, eine ausreichende Verkehrsbedienung aufrecht zu erhalten. 5-6 Fahrten kann man für einen 350-Einwohner-Ort durchaus als „ausreichende Verkehrsbedienung“ halten. Ein Stammfahrgast, der sich auf eine 20-min-Takt eingerichtet hat, sieht das eventuell ein wenig anders. Ebenso ein Tourist, der das Kloster Bebenhausen besichtigen will, am Tübinger Hauptbahnhof ankommt und dann feststellt, das der nächste Bus dorthin in 3 Stunden fährt.

Beim Linienbetreiber hielt man also 5-6 Fahrten für ausreichend und war auch nicht bereit, eine darüber hinaus gehende Bedienung zu finanzieren, wenn man sie aus verständlichen Gründen nicht selbst leisten kann.

Für Bebenhausen eine sehr ärgerliche Sache. Dass der Linienbetreiber einen Ersatzverkehr am Minimum ausrichtet, kann ich sogar verstehen, rein betriebswirtschaftlich. Bliebe noch der Aufgabenträger, hier der Landkreis, ein besseres Angabot durchsetzen, aber auch finanzieren sollte.

Die ganze Geschichte zeigt mal wieder: So, wie ÖPNV in diesem Land organisiert und finassiert wird, kann man sich im Fall des Falles auf ihn nicht verlassen.Eine echte Alternative zum (eigenen) Auto ist er damit nicht. Bestenfalls eine Ergänzung.

Ergänzt wurde in dieser Woche auch unser privater Fuhrpark. Nein, kein Zweitwagen wurde angeschafft, nur ein Zweit-Kinderwagen. Ein „Stockwagen“, den man mit zwei Handgriffen auf- und zu klappen kann und der so leicht und klein ist, das man ihn locker in einer Hand tragen kann. Das Teil passt in den Kofferraum, ohne ihn voll auszufüllen und auch auch mal in eine voll besetzten Bus, in dem die Kinderwagenplätze schon belegt sind. Sehr praktisch, der Kleine.

Nach dem ersten Testen meinte die Herzdame zu meiner doppelten Verwunderung:

„Den müssen wir aber noch pimpen.“

Verwunderung einerseits, weil sich mir jetzt die Notwendigkeit von Spoilern und einem tiefergelegtem Fahrwerk bei einem Kinderwagen nicht sofort erschloss.

Verwunderung andererseits ob des Wortschatzes der Herzdame.

2 Kommentare zu “Tagebuchbloggen 07/2013 – Elterliche Erziehungstipps, abgehängte Teilorte und gepimpte Kinderwägen

  1. „So, wie ÖPNV in diesem Land organisiert und finassiert wird, kann man sich im Fall des Falles auf ihn verlassen.“

    Da fehlt ein „nicht“, oder?

  2. Vielen Dank Uli, das fehlende „nicht“ wurde ergänzt. So konnt das ja wirklich nicht stehen bleiben.

    Das kommt davon, wenn man viel zu spät am Abend sich noch in Rage schreibt.

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