Lost places L.E.

Wir hatten ja nichts. Kein Internet. Keine Rollenspielrunde in erreichbarer Entfernung. Keine digitale Fotografie und kein Geld für analoge.

Dafür hatten wir jede Menge leerstehende Häuser und alte Fabriken. Spätestens als wir motorisiert mobil waren, wurde es zu einer beliebten Freizeit- und Freistunden-Beschäftigung, diese Ruinen zu erkunden.

War es der Reiz des Verbotenen, der morbide Charme der verlassen Gebäude oder schlicht Neugier? Einige der Fabriken waren zum Teil noch eingerichtet, man konnte in alten Geschäftsbüchern blättern, riesige Maschinen erkunden oder sich in dunkle Katakomben vorwagen. Auf dem Dachboden der alten Brauerei fanden wir ein Lager von Etiketten, gebündelt zu tausenden kleinen Stapeln, mit denen man sich hervorragend bewerfen konnte. Die legendären Etikettenschlachten! Einmal standen wir mit unserem Spaßmobil auf dem Hof den neuen Kraftwerks, dessen Gelände wir irgendwie von hinten durch Niemandsland alter Tagebau erreicht hatte. Wir mussten den verduzten Pförtner bitten, und das Tor zu Öffnen und uns rauszulassen. 

Wir hatten auf jeden Fall jede Menge Spaß und Nervenkitzel, und das noch ganz ohne Geocaching und Kamera.

In Leipzig (der gemeine Szene-Leipziger sagt offenbar immer noch „L.E.“) gibt es auch jede Menge solcher „lost places“, außerdem ein paar Filmemacher, die darüber nun schon den zweiten Dokumentar-Film gedreht haben – Geschichten hinter vergessenen Mauern.

Außer den Orten selbst kommen dabei auch Menschen, die  vor die Kamera und zu Wort, heute und früher diese Gebäude „belebt“ haben:

“Geschichten hinter vergessenen Mauern” beschäftigt sich mit der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der faszinierendsten Lost-Place-Locations in und um Leipzig. Neben einer Erzählerin, ergänzen Gespräche mit Zeitzeugen, Investoren, Visionären und Politikern die Dokumentarfilmreihe. Weiterhin gibt es zahlreiche Interviews mit Menschen, die sich selbst als Ruinenromantiker bezeichnen. Sie empfinden eine Faszination für diese Gebäude, welche sie antreibt immer wieder jene Lost Places in ihrer Freizeit zu besuchen. Als Künstler, Fotografen, Videofilmer, Musiker, Geocacher oder Urban Explorer sind sie auf der Suche nach kleinen Abenteuern im sonst erschlossenem Stadtraum.“

Ach ja, und allein für den Dialekt werde ich mir die Filme wohl kaufen:

Trailer zu „Geschichten hinter verschlossenen Mauern“:

Trailer zur Fortsetzung:

Übrigens: die Damen und Herren Filmemacher brauchen noch Geld, um den zweiten Teil fertig zu finanzieren. Sowas macht man heut ja per Crowdfunding, aber das könne sie euch ja selbst erzählen:

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