Tagebuchbloggen 04/2013 – Blitzeis-, Abschieds- und Fahrstuhldrama

Am Sonntag morgen verspricht der obligatorische Blick aus dem Fenster einen ruhigen Vormittag: kein frischer Schnee ist gefallen, also auch kein Schnee schippen. Während des Frühstücks werde ich dann zunehmend skeptisch: hier ist es doch zu ruhig! Kein Auto fährt vorbei, kein Bus und die wenigen Fußgänger bewegen sich auch ganz merkwürdig. Mit einem Ohr höre ich die Verkehrsnachrichten, Blitzeis im ganz Land, Autobahnen gesperrt und so weiter. Hier auch. Ein Probegang auf die Straße vor dem Haus bestätigt den Verdacht und befördert mich unsamt auf den Hintern.
Ein Blick auf unsere Webseite: Betrieb eingestellt. Gut.
Kurzer Anruf in der Leitstelle: Zwei leichte Unfälle mit Blechschäden, seit dem stehen alle Busse. Der Winterdienst hat auch schon Ausfälle und fährt die Berge rückwärts hoch. Kann dauern.
Am Montag dann die zu erwartenden Anrufen von Menschen, die dafür gar kein Verständnis haben. Highlight war der Typ, der meinte, er fahre sonst immer Auto, diesmal sei er aber mit dem Auto seine Ausfahrt nicht hoch gekommen, und nun will er einmal Bus fahren und der kommt der nicht. – Ähm, ja.

Genauso verständnislos hat dann Junior auf die Abreise seiner Großeltern reagiert, die uns für ein verlängertes Wochenende besucht hatte. Großes Drama. Noch am nächsten Tag rüttelte er verzweifelt am Gitter der Treppe, die ins Gästezimmer führt. Erst als ich mit ihm mal hochgegangen bin und er sich überzeugen konnte, dass Oma und Opa nicht mehr da oben sind. Ganz so schlimm wie es Syd beschreibt, war es nicht (vor allem dieses Gezerre verschiedener Seiten findet so hier nicht statt), aber ein kleines Drama ist so ein Abschied dann doch jedes Mal.

Ein größeres Drama bahnte sich dann beim Start ins Wochenende an. Die Herzdame und Junior holten mich  Büro ab, was immer ein großer Spaß ist – weil der kleine immer sämtlicher Rechner abwesender Kollegen ein schaltet und besonders gern auch Fahrstuhl fährt. Blöderweise hatte er sich auch so aufs Aussteigen gefreut, dass der sich mit den Händen an der Tür abgestützt hat. Als diese sich öffnete, wurde seine Hand mit in den Schlitz zwischen Tür und Kabine gezogen – und steckte fest. Die Tür ließ sich auch nicht wieder schließen, weil das Kind ja in der Lichtschranke stand und sich dank eingeklemmter Hand dort nicht wegbewegen ließ. Es half nur noch beherztes ziehen. Die Hand war wieder frei und die Sirene ging an.
Nun hieß es Kind beruhigen, die eigenen Nerven auch und nach Verletzungen schauen. Zu sehen war nichts, aber die Hand steckte so fest, dass wir nicht sicher waren, ob da nicht was gebrochen war. Also statt ab ins Wochenende erstmal ab in die Klinik.
Anmeldung, noch eine Anmeldung, Kinderchirurgie. Der Arzt lässt ihn erstmal mit Murmeln spielen. Greifen geht aus, so schlimm kanns nicht sein. Trotzdem zum Röntgen. Vorsichtshalber. – Wo? – Den Gang ganz nach hinten, dann rechts und mit dem blauen Kästchen anmelden.
Den Gang ganz hinten ist nicht die Röntgenabteilung. Aha, der Gang endet also, wo der Teppich endet, auch wenn es noch weiter geradeaus geht. Medizinerlogik. Und weit und breit kein blauer Kasten. Langsam bekommt Junior Hunger und weit und breit kein Mitarbeiter zu sehen. Gerade hab ich mich entschlossen, das Schild „Zutritt nur für Personal zu ignorieren, da taucht die Röntgenassistentin auf und die Herzdame und Junior in der Röntgenkammer.
Ich bleibe draußen und höre gefühlte 2 Stunden das panische Geschrei meines Kindes durch die Gänge hallen. Später berichtet die Herzdame, dass sie es auch mit Hilfe zweier Schwestern nicht geschafft haben, die Hand festzuhalten. Der keine entwickelt Riesenkräfte. Letztlich wurde der Arm mit Panzertape fixiert.
Und trotzdem ist der Arzt mit den Bildern nicht zufrieden. Der Daumen ist nicht richtig drauf, er will uns nochmal zurück schicken. Kurze Diskussion, auf keinen Fall bringt eh nichts und außerdem muss man die Strahlenbelastung ja nicht sinnlos erhöhen. Er ruft den Kollegen aus der Radiologie, der schau kurz aufs Bild, kurz auf die Hand, lässt Junior auch noch mal greifen und winkt ab. Nichts gebrochen, bloß gut.
Auch Junior hat den Vorfall im Fahrstuhl längst vergessen, das Röntgendrama auch bald, spätestens als ich vom gerade schließenden Bäcker ihm eine Brezel hole. Dann nichts wie heim, Abendbrot, Kind ins Bett und erstmal einen Schnaps!

(Sorry für den langen Text, das ganze ist gerade 5 Stunden her und musste jetzt raus.)

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