Tagebuchbloggen 03/2013 – Ruffel, kopflose Kita und Umleitungsplanung

Seit wir in unsere kleine spießige Doppelhaushälfte gezogen sind haben wir einen sehr geräumigen Keller. Und damit zwangsläufig ein Problem: Rüffel. Rüffel ist all dieses überflüssige Zeugs, das man ja vielleicht noch mal brauchen könnte oder das – noch schlimmer – irgendwie emotional aufgeladen ist. „Das kannst du doch nicht wegwerfen, bring´s doch erstmal in den Keller.“ Ein Satz, den ich in den letzten zwei Jahren viel zu oft gehört habe. „Erstmal“, schon klar. Und plötzlich ist der geräumige Keller nicht mehr geräumig, sondern einfach voll. Da muss sich dringend was dran ändern. Also: braucht jemand eine Couch, einen Herd, einen Geschirrspüler oder drei Dutzend
Ruffelstreit USB-Kabel? Ich hätte da was abzugeben. 
 
Auch meine Funktion als Elternbeirat in der Kita überlege ich ernsthaft abzugeben. Die bisherige Leiterin ist plötzlich erkrankt und wird wohl auch nicht mehr in ihren Beruf zurückkehren. Ein anderer Erzieher ist damit unverhofft und ungewollt in die Leitungsposition aufgerückt und damit offensichtlich überfordert. „Er muss, er muss…“ ist die einhellige Meinung meiner Elternbeiratskollegen. Mein Einwand, dass nun mal nicht jeder für diese Aufgaben gemacht ist wird lapidar mit „Ich sag ja immer: Augen auf bei der Berufswahl“ abgetan. 
Aus Elternsicht ist das alles natürlich richtig. Die Leitungsaufgaben müssen erledigt werden, das muss einfach funktionieren.
Ich kann aber nicht anders, immer auch die jeweils andere Perspektive mit zu bedenken, mir vorzustellen, welche vielleicht auch validen Gegenargumente meinen Argumenten entgegenstehen. Als Interessenvertreter einer Seite bin ich damit wohl nicht besonders geeignet.
 
Dieses ausgleichende Verhalten hat mit in anderen Diskussion aber auch schon viele Vorteile verschafft. Nur wer bereit ist, Kompromisse einzugehen kann das auch von anderen erwarten.
In Tübingen wird in diesem Jahr noch viele Baustellen geben. Echt viele, die sich in ihren Auswirkungen auf den Verkehr auch noch gegenseitig beeinflussen. So ist es gar nicht so einfach war, für die notwendigen Umleitungen ein Lösung zu finden, dass alle Verkehrsarten – Bus-, Auto- und Radverkehr – noch einigermaßen funktionieren. Ohne Kompromisse ginge das nicht. Und so wird ein Straße wohl für durchfahrende Autos gesperrt, damit dort der Busverkehr unbehindert fließen kann. An einer anderen Stelle werden die Fahrradfahrer ein Stück auf der Busspur fahren dürfen, um eine potentielle Gefährdung durch abbiegende Autos zu vermeiden. Oder die Radfahrer müssen damit leben, dass auf einer bisher fast Autofreien, aber viel vom Radverkehr genutzten Strecke ein Teil der PKW-Umleitung verläuft. Viel Konfliktpotential, aber in der Arbeitsgruppe der Fachleute wurde so konstruktiv gearbeitet, wie ich es selten erlebt habe. Wer hier nicht bereit wäre, die Argumente des Gegenübers ernst zu nehmen, Kompromisse einzugehen und zurückzustecken, hätte auch für seine Interessen nicht viel erreiche können. Zum Glück war das nicht der Fall, ein nicht hoch genug zu wertender  Vorteil mit Fachleuten zu arbeiten und nicht mit Politikern. Die werden das mühsam aus tarierte Konzept aber letztlich absegnen und es dabei ganz sicher noch mit der ein oder anderen unausgegorenen guten Idee anreichern.

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