How to get a Kita-Platz

Da ja gestern Kindertag war und das Thema Krippenausbau gerade in aller Munde ist und auch unser Oberbürgermeister Boris Palmer sich in dieser Diskussion lautstark zu Wort meldet ein kleiner (vorläufiger) Erfahrungsbericht über unsere Erlebnisse bei der Suche nach einem Krippenplatz.

Grundsätzlich ist positiv zu vermerken, dass sich Tübingen wirklich alle Mühe gibt, ausreichend Betreuungsplätze bereitzustellen, im Landesvergleich wohl auch Spitze ist. Was aber leider bei weitem nicht ausreicht und dass es anderswo noch schlechter ist, hilft auch nicht weiter.

Aber ich will mal nicht vorfristig rumjammern, noch habe ich (in Maßen berechtigte) Hoffnung, dass es noch klappen wird mit einem Betreuungsplatz für den Junior ab Ende unserer 14 Monate Elternzeit. Noch weiß ich das aber nicht sicher, obwohl ja im Mai die Bescheide verschickt werden sollten.

Auch das ist nicht ganz richtig, denn einen Bescheid haben wir tatsächlich bekommen: Eine Zusage über einen Ganztagesplatz in einer Einrichtung in näher meiner Arbeitsstelle. Eigentlich nicht verkehrt, nur dass wir nirgends einen Ganztagesplatz beantragt hatten. Zu dem wir uns aber bis 31.05. hätte äußern müssen, weil er sonst wieder weg ist.

Was wir aber nicht konnten, weil die Plätz in den Ortsteilen nicht von der zentralen Vergabestelle vergeben werden, sondern von den einzelnen Einrichtungen, diese es aber nicht geschafft haben wie angekündigt im Mai die Bescheide zu verschicken, in den Pfingstferien aber geschlossen sind und daher nicht erreichbar.

Die zentrale Vergabestelle wiederum ist (kurz nach Erhalt des Bescheids mit der ultakurzen Rückmeldefrist) extrem schwer telefonisch erreichbar: Beim ersten Versuch teilt der Anrufbeantworter eingeschränkte Erreichbarkeitszeiten – nur zwei halbe Tage pro Woche – mit, weil ja gerade die Plätze vergeben werden. Ach.

Beim zweiten Versuch, innerhalb der zuletzt genannten Zeiten, teilt der Anrufbeantworter mit, man sei nun gar nicht mehr telefonisch erreichbar, man solle doch eine Email schreiben.

Irgendwann erreich ich die Dame doch per Telefon und bekommen zumindest unkompliziert eine Fristverlängerung. Die Frage, warum wie einen Ganztagesplatz bekommen haben, den wir nicht wollten, lässt sich nicht klären. Mündlich bekomme ich aber ein Zusage über einen Halbtagsplatz in einer benachbarten Einrichtung. Vielleicht wenns klappt.

Aktueller Stand ist also: alles offen, die entscheidenden Leute nicht zu erreichen, es besteht Hoffnung. In drei Monaten möchte die Herzdame wieder arbeiten, hat ein gutes Angebot und muss den Arbeitsvertrag nun langsam mal unterschreiben –  im Zweifel auf Verdacht.

Was ich damit sagen will: Neben dem Mangel an Betreuungsplätzen selbst sollte auch das Vergabeverfahren entbürokratisiert werden. Eine zentrale Vergabestelle ist schon der richtige Ansatz, dann aber bitte ohne irgendwelche Ausnahmen. Wenn man – so wie wir –  einfach einen Betreuungsplatz in Tübingen sucht, egal wo und egal bei welchem Träger, hätte man trotz vorhandener Zentralen Vergabestelle immernoch duzende Anträge stellen müssen. Einen für die städtischen Einrichtungen in der Kernstadt, je einen für jede Einrichtung in den Teilorten und je einen für jede Einrichtung anderer Träger. Da war nicht zu leisten. Wir hatten uns letztlich auf drei Anträge beschränkt, den Zentralen und für zwei Kitas in unserem Teilort. Damit haben wir im Zweifel natürlich Potential verschenkt.

Dann müssen die Zu- und Absagen schneller kommen. So kurzfristig kann ja auch ein potentieller Arbeitgeber nicht planen. 

Wenn, wie derzeit, verschiedene Stellen Bescheide verschicken, muss das wenigstens zeitgleich erfolgen, oder die Fristen zur Rückmeldung dürfen nicht so kurzfristig sein.

Wenn die Bescheide verschickt werden, darf die Erreichbarkeit nicht eingeschränkt, sondern muss ausgeweitet werden. Genau dann hat man nämlich offene Fragen zu klären.

Wenn Eltern einen Halbtagsplatz beantragt haben, dürfen keine Ganztagesplätze zugesagt werden. Woran auch immer das gelegen hat. Im Zweifel muss die Behörde einfach die Anträge richtig lesen.

Und mehr Plätze insgesamt würden natürlich auch nicht schaden.

So, nun aber genug gemeckert. Wie gesagt, noch besteht Hoffnung. Und der geschilderte Bürokratiewahnsinn war in dieser oder ähnlicher Form ja eigentlich zu erwarten gewesen.

Wer sich aber öffentlich als „Spitze in Sachen Kinderbetreuung“ darstellt, sollte dabei nicht nur auf die Quantität abstellen, sonder auch auf die Qualität. Ein einfaches, unbürokratisches Vergabeverfahren gehört da auch dazu. Die Realität sieht leider anders aus.

2 Kommentare zu “How to get a Kita-Platz

  1. Ich wünsche da mal viel Glück, es werden noch viele dieser unsagbar tragisch-komischen Elternmomente kommen, bei Bescheiden, Kindergeldanträgen, Steuerklassen, bei Schulanmeldungen usw. In diesem Sinne gleich mal folgendes tun: Man stelle eine verdammt gute Flasche Single Malt in den Schrank und führe einen Blog. Zur Wahnsinnsbewältigung elementar nötig. Und bedenke Lars, irgendwo da draussen, also ich zum Beispiel, gibt es immer Leute, die diesen Wahnsinn irgendwie überlebt haben und trotzdem nette Kinder haben. Über meinen Geisteszustand nach all dem mögen andere urteilen.

  2. Whisky: Check. (Aber noch ist die Flasche zu:)
    Blog führen: Check. (Will mich auch bemühen, das wieder regelmäßig zu tun.)

    Kann also nichts schief gehen. Und fall doch, kann es immer noch zu Erheiterung meine Bologneser beitragen und den einen oder andern „Weißte noch, bei uns damals“-Gedanken auslösen.

    Von daher: Ich freu´mich drauf.

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