Kein Schuss im Zeitzer Forst

Sperrgebiet

Der Zeitzer Forst, in dem ich meine Kindheit verbracht habe, war zum größten Teil ein Übungsplatz der Westgruppe der Roten Armee. Obwohl unsere Eltern uns stets verboten hatten, „raus bei die Russen“ zu gehen, waren Panzer, Handgranaten, Sturmgewehre für uns alltäglich Besonders später als Teenager empfanden wir es als großes Abenteuer, mit den Soldaten in ihren Feldlagern zu hocken, Abzeichen oder später auch Munition einzutauschen – gegen Essen, Schnaps oder Oben-ohne-Heftchen. Später kam auch schon mal ein Fahrzeugtausch zustande: Kamerad fahren Moped, ich fahren Panzer!

Lustig war da das ganze in Wahrheit aber trotzdem nicht. Hin und wieder kam es zu sexuellen Belästigungen, schlimmeres als Exhibitionismus ist mir aber nicht bekannt. Aber mindestens zwei Kinder meine Generation aus unserem 300-Einwohner-Dörfchen haben das ganze nicht überlebt. Verkehrsunfälle, denn für die „Freunde“ gab es sowas wie Verkehrsregeln nicht, da waren sie auch Ende der 80er noch ganz Besatzer.

Mit Abzug der ehemals Sowjet-, dann GUS-Truppen wurde es ruhig im Zeitzer Forst. Die kyrillischen Schilder wurden alsbald durch deutsche ersetzt: „Militärischer Sicherheitsbereich, Betreten Verboten“. Interessiert hat es keinen, den de facto war keine Armee da, die miltärische Nutzung ruhte.

Dennoch gab es schon seit der Wende im Zeitzer Forst Osterdemos und Forderungen, die militärische Nutzung auch offiziell aufzugeben.

Seit Deutschland nun wieder aktiv Kriege führt, scheint sich auch die Bundeswehr wieder mehr für ihr ungenutztes Gelände im Zeiter Forst zu interessieren. Zwar steht der zugehörige Standort in Gera offenbar auf den Streichlisten des Verteidigungsministeriums, dies hindert die Bundeswehr aber offenbar nicht daran, für selbigen eine milionenteure Standortschießanlage im Zeitzer Forst neu bauen zu lassen und dafür auch noch großflächig Wald zu roden.

Das Genehmigungsverfahren scheint ähnlich transparent gewesen zu sein, wie der Bau der intergalaktischen Umgehungsstraße in „Per Anhalter durch die Galaxis“. Und so kommt der notwendige Widerstand gegen das Vorhaben leider ziemlich spät in Fahrt. Aber er kommt, und das aus guten Gründen, Lärm ist dabei nur der Vordergründigste.

Niemand, der die militärische Nutzung der Gebiets selbst miterlebt hat, möchte so etwas wieder erleben. Für die Bewohner der umliegenden Dörfer war es ein wesentliche Errungenschaft der Wende, dies beendet zu haben. Das sich nun wieder eine Armee dort breit machen, mit scharfen Waffen rumballern und Menschen das töten beibringen will, ist nicht hinzunehmen.

Hinzu kommt, das nach Ende der Wehrpflicht nur noch Freiwillige dort ausgebildet werden. Vielleicht bin ich paranoid, aber Menschen, die sich freiwillig zum Militär melden, traue ich nicht über den Weg. Schon gar nicht wenn sie bewaffnet sind. Ich halte diese Leute für ein öffentliche Gefahr.

Und mir komme jetzt niemand mit „Kaufkraft“, „Arbeitsplätze“ und „wirtschaftliche Vorteile“. Da eine Armee nichts produziert, außer Leid, ist sie niemals ein Wirtschaftsfaktor, allenfalls ein riesiger gesamtwirtschaftlicher Kostenblock ohne Nutzen.

Am kommenden Donnerstag, 01. September hat die Bürgerinitiative „Kein Schuss im Zeitzer Forst“ zu Demo aufgerufen. Die Bundesstraße B2 soll dort, wo die Militärkonvois auf dem Weg zur Schießanlage in Richtung Zeitzer Forst abbiegen würden, für eine halbe Stunde von 17:30 Uhr bis 18:00 Uhr blockiert werden.

Da ich inzwischen 600 km weiter südöstlich ansässig bin, kann ich leider nicht teilnehmen. Was ich kann, ist mitzuhelfen die Sache bekannter zu machen. Also bitte verlinkt, retweetet, schreibt ab- und geht, so ihr könnt, zu Demo! Die Zahl der direkt Betroffenen ist leider ein wenig geringer als bei z.B. bei diesem merkwürdigen Bahnhof in Stuttgart, daher wird es schwer, gegen Staat und Armee anzukommen. Jede Unterstützung kann helfen.

Links:

Bürgerinitiative „Kein Schuss im Zeitzer Forst“

Pressebericht zur Demo am 01. September 2011

Pressebericht zur Entwicklung des Bundeswehrstandorts Gera

Artikel bei bundeswehr-monitoring.de

Infos zum Zeitzer Forst

Karte:

A = Ort der Demo

B = ungefährer Standort der geplanten Schießanlage

Das Waldgebiet zwischen den Orten Breitenbach, Ossig, Lonzig, Lessen, Nickelsdorf und Koßweda ist der Zeitzer Forst. Für den weitaus größerern Teil, westlich der Straße Breitenbach – Lonzig, besteht ein Betretungsverbot wegen ehemaliger oder noch andauerndern militärischer Nutzung.


Größere Kartenansicht

2 Kommentare zu “Kein Schuss im Zeitzer Forst

  1. Zitate aus vorstehendem Text: „Seit Deutschland nun wieder aktiv Kriege führt“, „Das sich nun wieder eine Armee dort breit machen, mit scharfen Waffen rumballern und Menschen das töten beibringen will“,“Vielleicht bin ich paranoid, aber Menschen, die sich freiwillig zum Militär melden, traue ich nicht über den Weg. Schon gar nicht wenn sie bewaffnet sind. Ich halte diese Leute für ein öffentliche Gefahr.

    Diese Aussagen sind inhaltlich sowie grammatikalisch nicht hinnehmbar.
    Ich würde mir wünschen, dass derartige Texte vor einer Veröffentlichung wenigstens mal durch den Verfasser überprüft werden. ??????.

  2. Zugegeben, Grammatik war noch nie meine Stärke. Aber wenn das das einzige Argument einer inhaltlichen Kritik sein soll, ist ja alles gut. Inhaltlich stehe ich jedenfalls zu meinem Text – mit Klarnamen, nich wahr Herr „Snake“.

    Was daran nicht hinnehmbar sein soll, ist mir schleierhaft. Es sei denn, man hält andere Meinungen als die eigene grundsätzlich für nicht hinnehmbar.

Kommentar verfassen