Relevanz und Irrelevanz am 17. August 2010

Eigentlich hatte ich die Streetviewdebatte ja schon für beendet erklärt, nicht zuletzt weil dazu alles schon mehrfach gesagt oder geschrieben wurde. Nun musste ich aber feststellen, dass auch der FoeBuD e.V., jener Verein, der sich sonst so vorbildlich dem Kampf gegen staatliche Schnüffeien und die Aushöhlung des Datenschutzes verschrieben hat und deren Verfassungsbeschwerde gegen ELENA ich mich aus Überzeugung angeschlossen habe, nun auch auf den populistischen Zug der Streetviewgegner aufgesprungen ist. Offenbar hat man dort, in einem Verein dessen wichtigstes Anliegen der Datenschutz ist, weder begriffen, dass es beim Datenschutz nicht um Hauswände, sonder um Menschen geht, noch das Ablenkungsmanöver, das die derzeitige aufgeregte Streetviewdebatte ist – zur gleichen Zeit werden biometrische Ausweise auf den Weg gebracht, Nacktscanner gehen in Betrieb und die nächste Volkszählung wird vorbereitet – als solches erkannt. So wird das nie was mit der besseren Welt.

Ist der Oberbürgermeister einer durchschnittlichen deutschen Stadt eine Person von öffentlichem Interesse? Und wenn dem so ist, wie bitte rechtfertigt sich ein Interesse an seinem Privatleben, weit jenseits seiner politischen Tätigkeit? Ähnlich denkt mal wohl auch beim Schwäbischen Tagblatt, berichtet dann aber gewissenmaßen „über Bande“, in dem man den Betroffenen über einen entsprechenden Bildzeitungsartikel befragt, zitiert ihn mit „Ein öffentliches Interesse an Berichten über mein Privatleben an diesem Datum sehe ich nicht.“ und plaudert bei der Gelegenheit ebenso sämtlich private Details öffentlich aus. Da sind mir die unverhohlenen Indiskretionen der Bildzeitung ja fast lieber als so ein verlogenes Rumgeeier. (Dazu ganz bewusst kein Link.)

Ein Auftraggeber für Fotoarbeiten möchte zukünftig exklusive Nutzungsrechte, bisher hatte ich mir die eigene Nutzung und den Verkauf an Dritte vorbehalten. An sich kein Problem, diese Wunsch ist ja verständlich. Auf meinen Versuch, dann auch die Vergütung moderat nach oben zu korrigieren, folgt der Hinweis, das würde schon mit Profifotografen konkurrieren. Nun will ich hier nicht meine Kalkulation offenlegen, nun soviel: wenn die Honorare im Profiberich tatsächlich derart niedrig sein sollten, kann man von diesem Beruf ja nur abraten.

2 Kommentare zu “Relevanz und Irrelevanz am 17. August 2010

  1. Google StreetView und alle schreien. Leiser viel das Gekreische bei der kleinen Debatte um die Netzneutralität aus. Ob nun der Google-Deal mit Verizon die Welt verändern wird oder nicht, es ist an der Zeit, sich über die Grundversorgung der Bevölkerung mit Internet klar zu werden und unsere gesellschaftliche Vorstellung davon zu bilden und in Gesetzen festzuhalten. Denn wenn es keine Gesetze gibt, dann machen die Firmen früher oder später wie immer was sie wollen.

  2. Meine Rede, DrNI. Fragt sich nur ob Gesetze da helfen werden, solange der Staat selbst macht was er will: „Oh unser neues Überwachungsdatensammelinternetregulierungszensurgesetz (ÜwDsIRZG) ist verfassungswidrig? Na dann lass mal schnell die Verfassung ändern.“ Da macht mir das Handeln von Firmen echt weniger Sorgen.

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