iPadkaufrechtfertigungsstrategie

Dass die Annahme, bei Kaufentscheidungen spielte ausschließlich kühle Rationalität ein Rolle, eine Illusion ist lernt jeder BWL-Student in der Grundlagenvorlesung Marketing. In Wahrheit sind Kaufentscheidungen eher intuitiv und gefühlsbeeinflusst, und zwar völlig unabhängig vom Preis.

Natürlich mag sich das kaum jemand eingestehen, schon gar kein Mann, der ein Image als grundsolider, gefühlsunabhängiger Entscheider zu verteidigen hat. Vor allem wenn es um den Kauf von Technik geht, einem Feld, bei dem Gefühle vermeintlich so überhaupt keine Rolle spielen sollten.

Die Frage: „Und wofür ist das jetzt gut.“ wird früher oder später jedem Käufer von Apples (nicht mehr ganz so) neuestem Spielzeug, dem iPad gestellt werden. Mit hoher Wahrscheinlichkeit von der eigenen Partnerin, die sich Fragt, ob diese 500 bis 800 Euro nicht in Mode, Schmuck oder Schuhen besser angelegt wären.

An dieser Stelle tatsächlich die Einsatzmöglichkeiten des Geräts aufzuzahlen, davon kann nur dringend abgeraten werden. In der Regel dürfte im Haushalt eines iPad-Käufers bereits ein Laptop, ein Desktop-PC, mehrere iPhones und ein gut ausgebaut kabelloses Heimnetzwerk vorhanden sein. Der schwer auszuräumende, da berechtigte Einwand: „Aber das kannst du doch alles auch jetzt schon.“ steht all zu schnell im Raum. Kostspielige Einladungen zum Candlelightdinner zur Verbesserung der Laune der eingeschnappten Liebsten sind dann kaum zu vermeiden.

Besser ist es daher an dieser Stelle auf die positiven Wirkungen des iPad auf die Partnerschaft und das gemeinsame Wohnen hinzuweisen:

Die allabendliche Abschiedsszene, weil ER lieber am Schreibtisch sitzt und durchs Internet surft während SIE lieber auf der Couch lümmelt und sich vom TV beriesel lässt, entfällt. Endlich wieder gemeinsam Abende im Wohnzimmer!

Nie wieder Stress beim Shopping. Während sie in aller Ruhe durch die Läden ziehen kann, wir ER mit seinem Spielzeug im Café abgesetzt und nach 2, 3 oder mehr Stunde wieder abgeholt, ohne das ER ein einziges mal gequengelt hätte.

Demütigende Schilder über der Kloschüssel werden überflüssig. Mit iPad wird das Sitzpinkeln endlich zum Standard.

Wenn das alles nicht zieht, hilft nur noch, Carcassonne zu installieren und SIE trotz ihrer Skepsis zu ein paar gemeinsamen Partien zu überreden. Spätestens sobald sie mehr Spiele gewonnen als verloren hat, ist SIE überzeugt, dass niemand jemals wieder ohne iPad auskommen wird. Nachteil dieser Methode: Zukünftig wird SIE immer öfter selbst das iPad für sich beanspruchen, mittelfristig wird ein Zweitgerät fällig.


Ein Kommentar zu “iPadkaufrechtfertigungsstrategie

  1. Und wie du mir aus der Seele sprichst, zumindest teilweise.

    Hier meine Kaufsituation. Ich stehe Sekunden vor dem Kauf. Auf der linken Schulter sitzt der „gute“ Turnie und flüstert „muss das wirklich sein, schon teuer“. Auf der rechten Schulter sitzt der schlechte Turnie und flüstert „Haben muss, kaufen, jetzt“. Zudem kommt in meinem Rücken aber noch die Anwesende Ehefrau und meint „Dann kauf’s doch einfach“. 2:1 – Sieg – Gekauft.

    Und der Rest passt einfach wunderbar, abgesehen davon dass ich schon seit jeher bekennender Sitzpinkler bin 😉

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