Was die Schufa über mich weiß und zu wissen glaubt

Seit kurzem kommt die Schufa ihrer gesetzlichen Pflicht nach und bietet jedem kostenlos die Möglichkeit, Auskunft über dort gespeicherte personenbezogene Daten anzufordern. Dank eines Blogeintrags von Anna war ich darauf aufmerksam geworden und habe diese Datenübersicht nach §34 Bundesdatenschutzgesetz bei der Schufa angefordert.

Nach einer merklichen, aber nicht unzumutbaren Wartezeit ist diese inzwischen bei mir eingetroffen. Im großen und ganzen waren auch alle Daten korrekt, ein paar Merkwürdigkeiten waren mir aber schon aufgefallen und zum Teil auch sauer aufgestoßen.

Da wäre zunächst die Liste derer, die Daten über mich übermittelt haben oder eine Schufa-Auskunft über mich angefordert hatten. So meldete meine Bank, dass ich bei ihr ein Konto führe und ein Kreditkarte erhalten habe. Die Telekom teilte mit, dass ich wegen einer grandiosen Fehlentscheidung der Fa. Apple gezwungen war, ein Vertragsverhältnis mit ihr einzugehen. Abgesehen von meinem grundsätzlichen Unbehagen, dass solche Daten zentral gesammelt und gespeichert werden – noch dazu von einem Privatunternehmen – sind diese Datenübermittlungen zumindest nachvollziehbar und (leider) nicht zu beanstanden.

Anders eine Anfrage der neckermann.de GmbH, die eine Schufa-Ankunft einholte wegen des Kaufs eines aufblasbaren Gästebetts im Wert von ca. 30 EUR. Da frage ich mich schon, ob da mal jemand über so etwas wie Verhältnismäßigkeit nachgedacht hat. Andererseits ist es mir dann unverständlich, warum in Gläubigerverzeichnissen von Menschen in Privatinsolvenz (in die ich hin und wieder berufsbedingt Einblick erhalte), die klassischen Versandhändler nahezu immer als einer der größten Gläubiger vertreten sind. Vielleicht sind diese Auskünfte ja auch nicht so zielführend, wie die Schufa suggerieren möchte.

Aber weiter im Text, was sagt die Schufa denn nun über mich? Name, Adresse und Geburtsdatum sind zumindest richtig. Weitere Daten seien „separat aufgeführt“, es folgt dann aber nur noch die Liste der genannten Datenübermittlungen und Auskunftsanfragen. Insgesamt nicht viele Fakten, auf die die anschließende Einschätzung meiner Kreditwürdigkeit fusst.

Um diese einzuschätzen werden Risiken anhand verschiedener „Datenarten“ bewertet, im Einzelnen „Bisherige Zahlungsstörungen“, „Kreditaktivität letztes Jahr“, „Kreditnutzung“, „Länge Kredithistorie“ und so genannte „Allgemeine Daten“. Daten also, die laut eigener Aussage über mich gar nicht vorliegen.

Ohne mich jetzt näher mit den Mechanismen des Schufa-Scoring befasst zu haben, muss ich also davon ausgehen, dass entweder weitere Daten über mich gespeichert sind und die Datenübersicht damit unvollständig wäre – oder die Einschätzungen letztlich auf durch eine kompliziertes und kaum transparentes Prognoseverfahren verschleiertes Raten beruhen.

Besser als ein Recht auf Auskunft wäre darum ein Recht, der Speicherung personenbezogener Daten durch Unternehmen, mit denen man selbst in keiner Geschäftsbeziehung steht, zu widersprechen. Noch besser wäre natürlich eine Opt-in-Lösung. Aber darauf dürfen wir wohl noch lange warten, die Datenschützen dieses Landes sind ja gerade voll damit beschäftigt, zu verhindern, dass Google keine Autokennzeichen fotografiert.

Ob die hier geäußerte Kritik an der Schufa wohl auch ins Scoring-Verfahren eingeht? Ich bin mal gespannt, wie mein Score in einem Jahr sich entwickelt haben wird.

Nachtrag 02.06.2010:

Unabhängig von diesem Blogeintrag, hat sich auch die Stiftung Warentest mit der Schufa und anderen Auskunfteien beschäftigt. Wie netzpolitig.org berichtet, sind auch deren Ergebnisse wenig schmeichelhaft.


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