Fotografieren an den Plitvicer Seen – Tipps für gelungene Landschaftsfotos

Andreas Wollin möchte Fotos an den Plitvicer Seen machen. Er war schon einmal dort und fragt in seinem Blog mal in die Runde, was er beim Fotografieren dort besser machen könnte.

Über Twitter hat er dann neben mit noch ein paar bloggende Fotografen, die ich sehr schätze, direkt angesprochen. Allein schon, in einem Tweet mit @kwerfeldein und @olfabathke genannt zu werden, schmeichelt meinem Ego schon ein wenig 😉

Dann möchte ich mal versuchen, ein wenig zu helfen. Da ich selbst die Plitvicer Seen noch nicht besucht habe (was ich unbedingt mal tun möchte) beziehen sich mein Hinweise auf Landschaftsfotografie allgemein.

Ausrüstung

Da ich davon ausgehe, dass niemand eine komplette Fotoausrüstung nur für ein einziges Shooting anschafft, würde ich mal grundsätzlich sagen: Die beste Ausrüstung ist immer die, die man dabei hat. Womit ich mich mal geschickt um eine Antwort herumgedrückt hätte. Das wäre dann ja wohl zu einfach, darum ein paar konkretere Anmerkungen zur Ausrüstung

Kamera:

Natürlich kann man auch mit einer Kompaktkamera, ja sogar mit einer Handycam beeindruckende Fotos machen. Allerdings stößt man schneller an technische Grenzen. Ohne das jetzt näher auszuführen, würde ich grundsätzlich eine digitale Spiegelreflexkamera empfehlen. Welche genau, hängt stark von den eigenen Vorlieben und vom Budget ab. Von den aktuell erhältlichen DSLRs ist meiner Meinung nach keine wirklich schlecht. Es gibt nur gute und bessere.

Soll es trotzdem eine Kompakte sein, würde ich zumindest darauf achten, dass man die Blende und Belichtungszeit auch manuell, zumindest halbmanuell (Blenden- und Zeitvorwahl) mit Belichtungskorrektur einstellbar sind. Und die Kamera sollte in der Lage sein, RAW-Bilder zu machen, dazu später noch mehr.

Im folgenden gehe ich aber davon aus, dass eine DSLR verwendet wird.

Objektive:

Dann stellt sich natürlich die Frage, welches Objektiv geeignet sein könnte. Für klassische Landschaftsfotografie werden eher weitwinklige Brennweiten verwendet. Aber natürlich nicht ausschließlich. Bewegt man sich durch die Natur kann es auch passieren, dass man mal ein Detail am anderen Seeufer herauspicken möchte, dann kommt auch mal ein Teleobjektiv zum Einsatz. Gerne auch für Sonnenauf- und untergänge. Oder man entdeckt kleine Details in der Nähe, klassischer Weise Pflanzen oder Insekten und möchte plötzlich Makros machen. Von daher kann man eigentlich nie genug Objektive dabei haben.

Andererseits muss man die erst mal besitzen und dann muss man das immer noch alles schleppen. Und ständig die Objetive zu wechseln ist auch nicht jedermanns Sache. Ich benutze für solche Gelegenheiten gerne das Kitobjektiv meiner Canon 400D – ein Zoomobjektiv mit 17 – 55 mm Brennweite, damit kann ich die Mehrzahl, vor allem die Makro- und klassischen Landschaftmotive, einfangen. Objektivwechsel sind bei mir die Ausnahme, meistens nehme ich sogar nur noch ein Objektiv mit.

Und sonst?

Eigentlich reichten die Kamera und ein geeignetes Objektiv aus, um gute Bilder zu machen. Alles weitere hängt vom Fotografen ab. Trotzdem können ein paar weitere Ausrüstungsgegenstände hier und da weiterhelfen.

Ein Polfilter passt immer auch noch in die kleinste Fototasche. Er erhöht Kontrast und Farbsättigung, gerade letzteres könnte die intensiven Farben der Seen gut betonen. Außerdem beseitigt er in gewissen Umfang nichtmetallische Reflexionen – könnte wichtig werden, wenn auch Dinge unter der Wasseroberfläche zum Motiv werden sollen.

Wenn es vom Gewicht und Packmaß her machbar ist, kann ich auch empfehlen, ein Stativ dabei zu haben. Gerade an den Kaskaden und Wasserfällen bieten sich auch bei hellem Sonnenlicht Langzeitbelichtungen an. Dann sollte man aber auch ein paar Graufilter dabei haben, weil sonst unter Umständen auch bei geschlossener Blende und ISO 100 hoffnungslos überbelichtete Bilder heraus kommen.

Unterwegs

Irgendwann ist die Ausrüstung gepackt und es geht los. Und das – auch auf die Gefahr, hier allgemein bekannte Plattitüden zu verbreiten – möglichst früh. Auch wenn es schwerfällt, gehe so früh los, das du kurz vor Sonnenaufgang dein Motiv erreichst. Abgesehen davon, dass um diese Zeit auch die überlaufensten Touristenattraktionen noch menschenleer sind, ist das Licht der (Morgen-)Dämmerung doch unvergleichlich. (Liegt wahrscheinlich daran, dass man es meistens verschläft.)

Suche dir ungewöhnliche Perspektiven. Falls Du es nicht geschafft haben solltest, bei Sonnenaufgang da zu sein, sondern mit der Touri-Meute mitläuft, kannst du ja schauen, von wo aus die meisten Bilder gemacht werden. Diese Motive kannst du dann bewusst weglassen. Soweit es erlaubt und möglich ist, gehe ein wenig abseits von den ausgetreten Pfaden, mache Abstecher und mache Bilder aus Froschperspektive. Alles, was anders ist als der gewohnte Blickwinkel, macht ein Bild interessant.

Gönne deinen Bildern einen Vordergrund! In vielen anderen Bereichen der Fotografie ist das selbstverständlich, weil das Motiv meist im Vordergrund ist. Bei der Landschaftsfotografie geht es ja oft eher um den Hintergrund, trotzdem sollte ein Vordergrund vorhanden sein. Was dann dort abgebildet ist, ist fast egal. Das können ganz trivial ein paar Büsche oder Felsen sein, ein Zaun, die Wanderschuhe der Begleiter. Oder der Vordergrund wird zum zweiten (oder doch ersten) Wow-Effekt, wie bei dem Bild von hellyeah.

Außerdem würde ich immer das RAW-Format gegenüber JPG vorziehen. Man ist damit in der Nachbearbeitung einfach flexibler. Der Weißabgleich kann nachträglich geändert werden und mit 16 mal mehr Helligkeitsstufen hat man einfach mehr „Material“, mit dem man arbeiten kann.

Nachbearbeitung

Hier arbeite ich persönlich eher am unteren Level. Photoshop wird in den seltensten Fällen bemüht, und auch in Lightroom bearbeite ich meist schon aus purer Faulheit eher wenig nach. Ein paar Standardschritte mache ich aber trotzdem fast mit jedem Bild, die ich hier kurz darstellen möchte. Ich vermeide bewusst das Wort „empfehlen“, denn ob meine Arbeitsweise für andere taugt, ist letztlich Geschmacksache.

Zunächst ziehe ich die Regler für Lebendigkeit ein Stück nach oben. Meist reicht das schon um die Farbe ausreichend intensiv zu machen. Außerdem wähle ich bei der Gradationkurve die Voreinstellung „Starker Kontrast“ und ziehe dann oft sogar die Schatten ein wenig weiter nach unten. Falls es mir dann zu dunkel wird, steuere ich auch mal mit dem Helligkeit-Regler gegen. Ich mag einfach sehr knackig kontrastreiche Bilder. Außerdem bekommt bei mir fast jedes Bild zumindest eine leichte Vignette, die hilft mit, den Blick zum Subjekt zu lenken.

Um die Farben noch weiter rauszuholen, bearbeite ich dann einzelne Farbkanäle: Sättigung hoch, Luminaz runter. Aber Vorsicht, damit schießt man gerne mal übers Ziel hinaus.

Bei Landschaftsbilder kommt es oft zu recht großen Helligkeitsunterschieden zwischen Himmel und der der Landschaft selbst. Hat man die Landschaft korrekt belichtet, bleibt oft der Himmel noch zu hell. Hier ist dann ein Helligkeitsverlauf das Mittel der Wahl, der den Himmel entsprechend abdunkelt. Erstaunlich, aus welch milchigem grau sich noch Wolken und ein kräftiges Himmelblau herausarbeiten lassen. RAW sei Dank.

Auch wenn meine Tipps sicher nicht der Weisheit letzter Schluss sind und sicherlich auch viele Fragen offen bleiben, hoffe ich doch, ein wenig geholfen zu haben. Ergänzungen, Berichtigungen und Kritik gerne in den Kommentaren. Und natürlich Bilder, die mit diesen Tipps im Hinterkopf entstanden sind. Nicht nur von den Plitvicer Seen. Den der wichtigste Tipp kommt zum Schluss:

Rausgehen, bewusst fotografieren! Nur mit Theorie kommt man nicht weit.


2 Kommentare zu “Fotografieren an den Plitvicer Seen – Tipps für gelungene Landschaftsfotos

  1. Mir ist nach einigen Sätzen das Wort „Shooting“ auf- und danach eingefallen, dass ich dazu kürzlich etwas gelesen habe. Das zugehörige Blog wird dich ohnehin interessieren, nehme ich an.

  2. Jetzt erst kann ich hier ein großes „Danke“ sagen an Dich, Lars, (ich duze Dich jetzt einfach mal). Ein toller, umfangreicher und umfassender Beitrag mit Tipps von A wie Aufstehen (und raus gehen) bis Z wie zu Hause die Fotos nachbearbeitetn.
    Danke auch für die Verlinkungen, sehr nett.
    Bei der Ausrüstung habe ich gesehen, dass man die Frage „Was kost’n ne gute Kamera“ pauschal nicht beantworten kann (Man ruft ja auch nicht im Autohaus an und fragt: „Was kostet ein Auto?“). Mein Chef, Matthias Wenzel (unter @matthiaswenzel), hat eine tolle Ausrüstung, gute Kamera mit allen Objektiven für jeden Anlass, Makro, Weitwinkel usw. Habe so genau das mitbekommen was Du sagst: Allein die Ausrüstung füllt einen ganzen Rucksack und wiegt auch „bissel“ was. Stativ ist auch da… Nun steht die Frage im Raum, ob man organisatorisch so viel mitnehmen kann, oder nicht. Wenn nein (was bei mir wohl der Fall sein wird) muss man eben Abstriche bei den Fotos machen. Dessen bin ich mir bewusst.
    Aber Tipps bei der Fotografier-Technik kann ich beherzigen. Sei es, dass ich einen Vordergrund brauchen (habe ich so noch nie drüber nachgedacht, aber macht Sinn), sei es, dass ich dem Himmel Platz einräumen soll (so hat’s Dominik alias hellyeah gesagt), sei es, dass ich mich einmal weg von den hochfrequentierten Aussichtspunkten schleiche (was ich sogar hie und da von selbst beherzigt habe). Das sind Tipps, die an sich nicht schwer zu befolgen sind, das Ergebnis aber deutlich aufwerten.
    Auch das Stichwort Polfilter ist öfter einmal gefallen (auch bei hellyeah) – ein kleines, aber feines Utensil.
    Das RAW-Format habe ich letzthis unfreiwillig kennen gelernt – aber es lässt mehr Feiheiten, das stimmt. Zum Glück habe ich hier außerdem Kollegen, denen ich sagen kann „mach mal den Himmel blauer“ und schon passiert’s. Oder man sucht sich ein Tutorial im Web.
    Alles in allem bin ich nicht drauf und dran, hier in die Profiklasse einzusteigen, aber: mit nur etwas Wissen werden die Fotos ein klein bisschen besser. Mit einer etwas bessren Ausrüstung, bekomme ich schärfere Bilder. Mit etwas mehr Erfahrung, werde ich auf die Dauer auch schönere Fotos machen und und und. Eben ein bisschen besser als der Durchschnitt (wo auch immer der liegt, aber Ihr wisst schon, was gemeint ist).
    Also nich einmal: ganz herzlichen Dank für die tollen Tipps – die werde ich alle beachten. Wenn es klappt, dass ich im Sommer da hin fahre, melde ich mich und wir vergleichen Frühlings- und Sommerfotos. :-)

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