Von Pufferküssern und Eisenbahnfuzzies


Als ich etwa 2001 die Fotografie für mich entdeckt hatte kam ich aus naheliegenden Gründen recht bald auf das Thema Eisenbahnfotografie.

Ich habe selbst ein gewisses Interesse am Thema, außerdem gab es an der Uni ein paar Leute, mit denen man sich darüber austauschen und auch mal zusammen auf Fototour gehen konnte. Je mehr Leute ich aber kennenlernte, die diesem ganz speziellen Hobby nachgingen, um so suspekter wurde mir das ganze.

Dieser besonderen Spezies, den sgn. „Pufferküssern“ ging mehrheitlich – hier sei natürlich gesagt, dass wie immer Ausnahmen die Regel bestätigen – jegliche Fähigkeit zur Selbstironie ab.

Da wurden z.B. Regeln aufgestellt, deren Einhaltung bei der Beurteilung eines Bildes immer vorn anstanden – etwa das das Verbot von „Luftkissenfotos“, also Züge vom dem Bahnsteig aus zu fotografieren an dem sie gerade einfahren oder halten. Dann sieht man nämlich die Räder nicht mehr. Und das geht ja mal gar nicht.

Oder der geradezu krankhafte Eifer, möglichst seltene und alte Fahrzeuge abzulichten. Dieser Eifer steigerte sich bei so manchen „Fuzzy“ – wie sich diese Zeitgenossen selbst nannten – natürlich in schiere Raserei, wenn mehrere solcher seltener und alter Fahrzeuge zusammenkamen. Unschöne Szenen, die ich so eher am roten Teppich bei der Oskarverleihung erwartet hätte, waren die Folge – etwa beim Dresdner Dampflokfest.

Ich übertreibe natürlich, denn wie überall gibt es auch unter den „Eisennahn-Fuzzies“ viele die, die Sache vermutlich ähnlich sehen wie ich. Wie so oft waren die aber leider nicht die lautesten in der Szene.

Wie dem auch sei, spätestens mit Abschluss meines Studiums verlor ich weitgehend das Interesse am Thema. Heute sind u.a. dadurch meine fotografischen Interessen und Kenntnisse viel breiter gestreut.

Vor kurzen bin ich dann über das Fotoblog „Bahnhöfe im Kopf“ gestolpert. Dort gibt es Eisenbahnfotografie der anderen Art. Nicht nur die „Dampflok-von-schräg-vorn-Bilder“, sondern auch mal leere Gleise, Reisende, Details von Bahnhöfen und (oh Schreck!) Luftkissenfotos. Einfach Momentaufnahmen aus der Welt der Eisenbahn, so wie sie eben ist. Sogar ohne kleinkarierte Regeldiskussion o.ä.

Und das schöne ist: Bei „Bahnhöfe im Kopf“ kann jeder mitmachen. Was ich mit diesem Foto hier gleich mal getan habe. Und vielleicht ist das ja mal ein Anlass, dass ich mich mal wieder mehr mit der Kamera an den Gleisen rumtreiben werden.

Und bevor jemand fragt: eine Ubahn ist natürlich (!) nicht mit der „großen“ Eisenbahn zu vergleichen. Zählt also nicht.
😉


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