Das Tagblatt, die Winterbilder und die Kostenloskultur

Irgendwann am Freitag wurde ich von @alexschnapper darauf hingewiesen, dass das Tagblatt auf der Suche nach Winterbildern ist. Nun könnte man ja meinen, dass eine Tageszeitung entweder ausreichend Bildmaterial im Archiv hat, oder eben einen eigenen Fotografen losschickt. Beim Tagblatt hatte man sich aber entschieden, eine kleine User-generatet-content-Aktion zu starten. Eigentlich finde ich so etwas ja ziemlich sympathisch, nach der unsäglichen und nicht zuletzt von den Printverlagen – zu denen nun einmal auch der Verlag Schwäbisches Tagblatt – befeuerten Diskussion um die angeblich so schlimme Kostenloskultur im Internet, wagte ich die ketzerische Frage: „Wie sieht es denn mit einem Honorar aus?“ Den Link zu den angebotenen Bildern schickte ich gleich mit, nicht dass man mir noch vorwirft, ich böte die Katze im Sack an.

Die Antwort war ernüchternd aber wenig überraschend. Natürlich wird kein Honorar gezahlt, Ruhm und Ehre durch die Veröffentlichung eines Bildes mit Namensnennung auf den Webseiten einKleinstadtpostille könne man jedoch bieten. Soviel zur Kritik an der Kostenloskultur.

Auf Nachfrage gestand man mir dann wenigstens einen Link zu, allerdings mit der Einschränkung: „Kommt auf den Inhalt der Seite an“. Da fragt man sich natürlich, welche Kriterien da angelegt werden. Ich hoffe mal, Kritik am Tagblatt ist doch kein Ausschlussgrund, oder?

Nun hatte ich in die Sache aber schon zu viel Energie gesteckt, um sie an dieser Stelle abzubrechen. Also schickte ich noch einmal einen Link zu meinem flickr-Set vom verschneiten Hofgut Einsiedel, das letztes Jahr entstanden ist. Leider hatte die ganze Sache inzwischen zu lange gedauert, Oder ich meine Frage nach einem Honorar wurde mir doch noch übel genommen. Oder meine Bildbearbeitung in ein kontrastreiches schwarz/weiß wurde als „Manipulation“ gewertet, und die war verboten. Oder…

Jedenfalls wird nun keins meiner Bilder in der Galerie „Winter-Impersionen der tagblatt.de-Leser“ gezeigt. Dann zeige ich sich sie eben noch mal hier, und das völlig kostenlos.

3 Kommentare zu “Das Tagblatt, die Winterbilder und die Kostenloskultur

  1. Du hättest vermutlich die Bilder auf s/w Film aufnehmen und dann beim Entwickeln entsprechend bearbeiten können, aber im Rechner, nein wie böse. Aber mach Dir nichts draus. Es ist keine so große Ehre, im Tagblatt zu erscheinen, wie das Tagblatt meint.

    Mit diesem Blättle habe ich auch so meine liebe Not aus anderen Gründen und auch ich habe mich durch Kritik in Gefahr begeben. Eins ist sicher, schreiben würde ich für die nie.

  2. Stimme DrNI zu.
    Das Tagblatt hat versucht, auf – wie Du geschrieben hast -User-generated-content- umzustellen. Aber wie man weiß, blickt keiner vom Tagblatt was Web2.0 geschweige denn UGC (UserGeneratedContent) ist.

    Letztendlich sei froh, dass Du nicht dort erscheintst, deine Fotos sind sowieso besser, das Tagblatt sollte sich schämen, auf Web2.0 zu tun und dann irgendwie doch Fotos a la 1.0 anzunehmen. Das Tagblatt wird es nie und nimmer peilen, sich in das neue Jahrtausend zu „beamen“, dafür sind sie nicht zu risikofreudig.. 😉

    Jedenfalls der Fame in der Webcommunity ist Dir sicher :) .

    Bin dem Tagblatt auch nicht mehr soooo positiv eingestellt, hab da auch meine negativen Erfahrungen.. leider… Man siehe nur deren langweilige Videos, die dem RTF1 in nichts nachstehen.. :)

  3. Nun muss ich hier die Kritik doch ein wenig relativieren.

    Das meine Fotos nun nicht dort erschienen sind, mag durchaus daran liegen, dass sie journalistischen Anforderungen an Bilder was Authentizität und Aktuallität angeht, nicht genügen. Man könnte sich höchstens Fragen, ob solche Kriterien bei Bildern, die „Impressionen“ transportieren sollen, notwendig sind. Außerdem werde ich ausschließlich meine eigenen Anforderungen zum Maßstab nehmen, solange man nicht für die Bilder bezahlt. Dann gilt natürlich: Der Kunde ist König.

    Was die Web2.0-Ambitionen angeht, die sind natürlich recht bescheiden. Ich halte es aber für Falsch, hier pauschal „Das Tagblatt“ mit Fundamentalkritik zu belegen. Soweit ich das mitbekommen habe, besteht die Onlineredaktion aus ein paar jungen Leuten, denen ich durchaus zutraue, das Netz verstanden zu haben. Vermutlich werden die aber (a.) miserabel bezahlt, haben (b.) zu wenig Ressourcen, um wirklich gute Arbeit abzuliefern und werden eventuell (c.) von schlecht durchdachten Entscheidungen aus der Chefetage ausgebremst. (Disclaimer: Alles Mutmaßungen, Klischees und wilde Spekulationen) Auf jedenfall geht da noch mehr und besser.

    Und die Videos: Die, die ich bisher gesehen hab, waren halt Berichte. Und berichte haben vor allem eins zu sein: sachlich. Das sind sie. Und damit unter Umständen auch langweilig.

    Nur die Doppelzüngigkeit der Printverlage – hier gegen die böse, böse Kostenloskultur wettern, dort von den eigenen Lesern kostenlos Content einsammeln (und sich über die Anfrage nach einem Bildhonorar auch noch lustig zu machen), das geht mal gar nicht.

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