Projekt 52 – Woche 49 – Winter-Weihnachtszauber

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Obwohl ich mich inzwischen (wieder) eher als Atheist sehe, gehört es an Weihnachten irgendwie dazu, zur Christvesper zu gehen. Das hat, zumindest für mich persönlich, weniger religiöse als soziale Gründe.

Wegen des Jobs lebe ich inzwischen am anderen Ende unseres Landes und besuche die „alte Heimat“, also das Dorf und die Stadt, wo ich aufgewachsen bin und wo meine Familie noch immer lebt, nicht mehr all zu oft. Weihnachten ist so ein Anlass, und zwar nicht nur für mich, sondern auch für viele alte Freunde, denen es so geht wie mir. Die Christvesper war immer ein schöner Termin, ein paar dieser Leute zu treffen.

Meine Familie lebt allerdings auf einem kleinen Dorf etwa 10 km außerhalb der Stadt, in der ich zur Schule ging und ein zeitlang auch in der „Jungen Gemeinde“ aktiv war. Der Plan, bei der Christvesper Freunde zu treffen, klappte daher nur, wenn wir zur Christvesper in die Stadt gefahren sind. Was wir auch eine zeitlang taten, bis zu jenem Weihnachten, über das ich hier berichten möchten.

Auch in jenem Jahr war der Plan, zu jener Christvesper in der Stadtkirche zu fahren. In der Nacht vor Heiligabend begann es dann zu schneien. Wunderbar, möchte man meinen: Weiße Weihnachten, was will man mehr? Allerdings schneite es so heftig, das sich schon am Morgen an der einzige Straße zu unseren Dorf kurz vor dem Ortseingang, meterhohe Schneewehen aufgetürmt hatten. (Hier ein Bild dieser Stelle zur Zeit der Schneeschmelze.)

Und es schneite weiter. Gegen 14:30 Uhr erreicht der letzte Bus aus der Stadt gerade noch das Dorf, dieletzte Station seiner Fahrt. Der Rückweg in die Stadt und den wohlverdienten Feierabend für den Fahrer endete dann aber zunächst recht bald in einer dieser Schneewehen. Ich weiß nicht mehr genau, was passiert war, jedenfalls steckte der Bus fest.

Ein paar Leute aus dem Dorf, die das mitbekommen hatten, brachen ihre Spaziergänge ab und kamen mit Schaufeln zum Ort des Geschehens. Als auch dieses Freigraben und gezieltes streuen nicht weiterhalfen, kam ein Traktor zum Einsatz, mit dessen Hilfe der Bus schließlich breit werden konnte.

Abgesehen von der Zeit, die diese Aktion gekostet hatte – bis zum Beginn der Vesper in der Stadt war nun nur noch sehr wenig Zeit – war eigentlich klar, das an wir an diesem Abend keine Autofahrt ohne Not unternehmen würden. Wir waren eingeschneit.

Also gingen wir dann zur Christvesper in unsere Dorfkirche. Zwar verspätete sich der Pfarrer (oder Laienprediger), der an diesem Abend die Christvespern in mehreren Dörfern zu halten hatte, und darum zwangsläufig mit dem Auto unterwegs war. Natürlich auch wegen der widrigen Wetterlage. Aber die Christvesper in der kleinen Dorfkirche, die nur noch eine halbe Empore hat – die zweite Hälfte war nach dem Krieg von einem frierenden Pfarrer zu Feuerholz verarbeitet worden – war dann auch sehr schön. Und auch der oben beschriebene soziale Aspekt stellte sich ein. Zwar traf man weniger alte Schulfreunde wieder, dafür Leute aus dem Dorf, die man schon Kind auf kannte und fast schon vergessen hatte.

Auch für den Rest der Feiertage besserte sich die Lage auf den Straßen kaum. Wir blieben zuhause und sagten die sonst üblichen Besuche von Großeltern und Freunden telefonisch ab. Einerseits war das zwar Schade, aber letztlich auch nicht zu ändern. Andererseits blieb dieses Weihnachten wie kaum ein anderes stressfrei.

Das Bild passt irgendwie zur Stimmung, jenem Winter-Weihnachtszauber in diesen Tage. Es zeigt aber nicht mein Heimatdorf, sondern das verschneite Pfrondorf nahe Tübingen.

Winterwald 1

Ein Kommentar zu “Projekt 52 – Woche 49 – Winter-Weihnachtszauber

  1. Wieder (eher) als Atheist? How come. Und ist auch beim lesen des Artikels schwer nachvollziebar… Christversper, Christvesper…
    Ist jetzt nicht negativ gemeint aber – wo soll’s denn hingehn‘ 😉
    Klingt eher ein bisschen nach einem Bild von einem Gott, dass nicht passt. Ich (100% Atheist) hab neben dem Schreibtisch grad „Zweifeln – Der Thomas in jedem von uns“ von Alister McGrath liegen.

    Bei mir, weil’s mich interessiert. Zweifeln gehört ja fast untrennbar zum (christlichen) Glauben dazu. Anderen könnte es helfen.

    Mal gespannt was draus wird… LG

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