Genuss und Fotografie – chocolART 2009

Schon im letzten Jahr hatte mich die chocolART – das Tübinger Schokoladenfestival – ziemlich begeistert, was ich hier auch kund getan habe. Durch diesen Blogeintrag kam auch der Kontakt zu Hans-Peter Schwarz vom Tübinger Handels- und Gewerbeverein – dem Veranstalter der chocolART – zustande. Dieser hat mir ein paar meiner Motive abgekauft und freundlicher Weise meine flickr-Collection verlinkt.

In diesem Jahr hatte er sich bereit im Vorfeld gemeldet und mich „beauftragt“, auf der chocolART Fotos zu machen. Weshalb ich – noch mehr als im letzten Jahr – nicht nur als Besucher auf der chocolART unterwegs, sondern auch als Fotograf.

Um die wirklich schöne chocolART-Stimmung einzufangen, bin ich natürlich hauptsächlich im Dunkeln losgezogen und zu Zeiten, als noch richtig viel los. Was allerdings zwei entscheidende Nachteile hatte: es war dunkel und es war richtig viel los.

Da ich kein großer Fan von Blitzen bin – und das auch leider immer noch nicht wirklich gut beherrsche – kam wieder einmal der gut alte „Joghurtbecher“ – Canon 50mm f/1,8 – Objektiv* – zum Einsatz. Meist war auch die Offenblende eingestellt, dazu ISO 400 oder ISO 800. Eigentlich hätte ich an vielen Stellen noch mehr gebraucht, aber bei ISO 1600 rauscht mir meine 400D dann doch zu stark. Nun ist die 50mm-Linse an der 400D mit dem Crop-Faktor von 1,6 ja schon ein leichtes Tele, was die Auswahl der Motive ein wenig einschränkte.

Gut machbar waren Produktfotos, vor allem, weil die Verkaufsstände zum Teil sehr gut ausgeleuchtet waren. Weniger vorteilhaft war dagegen, dass viele Produkte (aus meiner Erinnerung auch mehr als im letzte Jahr) nicht offen, sondern hinter Glas oder in Folie präsentiert wurden.

amsterdam Zuckerpraline Auswahl Schololadenmanufaktur

Ebenfalls sehr gut umzusetzen war das Thema Portrait – in der „Street“-Variante. Anders als noch im letzten Jahr habe diesmal mehr candid – also aus dem Verborgenen heraus – gearbeitet. Das war in diesem Fall auch ohne dickes Tele möglich, weil man auch als Fotograf, zumal mit einer nicht allzu überdimensionierten Ausrüstung, einfach in der Menge nicht auffiel. Allerdings konnte man sich auf eine große Menge Ausschuss einstellen, weil schlicht jemand in Bild gelaufen oder weil man im entscheidenden Moment angerempelt wurde und das Motiv nicht mehr im Fokus war. Der Fairness halber habe ich diesmal versucht, auch das Publikum ins Visier zu nehmen – nicht nur die Mitarbeiter der Marktstände:

kurze Pause Kakaomalerei I Konzentration glücklich Probieren Sie!

Natürlich klappte das nicht immer und überall. Ab und zu wurde ich dann doch entdeckt, hin und wieder mochte auch jemand nicht fotografiert werden. (Besonders am späten Samstag Abend, als die Händler schon 12 Stunden Arbeit hinter sich hatten und die Gassen immernoch voller Menschen waren.) Manchmal kam ich aber auch kurz ins Gespräch und konnte meine Visitenkarte dalassen.

Auch einen kleine Ad-hoc-Auftrag konnte ich ergattern – den gab mir der Betreiber des zu Recht äußerst beliebten Schokobrunnens. Aufgabe war es, den gegeüber des Marktstandes postierten Pantomime-Ritter dazu zu bewegen, das Schwert gegen einen Schokospieß zu tauschen und dies dann abzulichten. Mein Honorar war dann die Requsite, eben jener Schokospieß.

Schokobrunnen süßer Ritter

Später kamen wir in der vollbesetzten Wurstküche – wir brauchten dringend ein herzhafte Mahlzeit – mit einem extra für die ChocolART angereisten Paar aus Südbaden in Gespräch. Den beiden hatte es auch sehr gut gefallen, nur bemängelten sie, dass man relativ wenig selbst machen konnte an den Marktständen und das ganze doch recht kommerziell wäre.

So ganz unrecht hatten sie natürlich nicht – auch mir war aufgefallen, das bei meinem nun zweiten Besuch der Überraschungseffekt ein wenig fehlte. Es war vieles „wie im letzten Jahr“ – was ja okay ist, man kann ja nicht ständig das Rad neu erfinden! Und natürlich war auch schön, bekannte Gesichter wieder zu sehen – und auch Produkte wiederzufinden, die man im letzten Jahr für gut befunden hatte. Aber ich kannte eben auch schon vieles. Wenn man nicht ständig Neues entdeckt, ist man durchaus schneller unterwegs. (Was sich speziell bei mir durch das Fotografieren natürlich nur theoretisch einstellte.)

Aber – und darauf habe ich unsere Gesprächpartner dann auch hingewiesen – gibt es bei der chocolART neben dem eigentlich Schokoladenmarkt auch ein umfangreiches Rahmenprogramm: Mit Kochkursen, Kustaktionen, Theater, Workshops und vielem mehr.

Wir gaben uns z.B. dem „Genuss hoch 2″ hin – „Chocolat Grand Cru & Single Malt Whisky“ mit Alois Immoos – einem Schweizer Chocolatier und Experte in Sachen Genuss. In der Veranstaltung im „Öhrn“ (btw: kann mir mal bitte jemand diesen Begriff erklären?) im Rathaus ging es – neben der geschmacklichen Kombination von Whisky und Schokolade – auch darum das Genießen zu erlernen. Eine These war, dass man etwas besser genießen kann, wenn man in der Lage ist, diesen Genuss zu beschreiben. Nun ich wage zu behaupten, ich habe jeden Schluck Whisky und jedes Stück seiner Schokolade mit allen Sinnen genossen – trotzdem fehlen mir die Worte, dies zu beschreiben.

Statt dessen ein paar fotografische Impressionen dieser Veranstaltung:

Cru Sauvage Alois Immoos Nosing nachschenken Genießerinnen

In den sechs Tagen der chocolART war die Tübinger Altstadt wieder wie verwandelt. Vom tristen November war man noch leere, verregnete Gassen gewöhnt – und plötzlich dieser Trubel und dieser süße Duft nach Kakao und heißer Schokolade! Auch die – zwar schon bekannten, aber darum noch nicht schlechten – Licht-Installationen und -Projektionen taten ihr übriges.

Um diese Stimmung auch „im Ganzen“ einzufangen schraubte ich dann doch hin und wieder das Kit-Objektiv an die Kamera, um ein wenig weitwinkliger arbeiten zu können. Diese Linse ist nun längst nicht so lichtstark wie das f/1.8, darum musste auch das Stativ mit. Wenn man diesen Aufwand ohnhin treiben muss, kann man doch auch noch ein Panorama schießen, oder?

Beispielsweise vom illuminierten Marktplatz. Ein Klick darauf führt zu meinen anderen Bildern der chocolART 2009.

Marktplatz zur chocolART

Zum Schluss ein großes Lob und Kompliment an die Veranstalter und alle Beteiligten. Ich freue mich schon auf die chocolART 2010.

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2 Kommentare zu “Genuss und Fotografie – chocolART 2009

  1. Hallo Herr Hilscher,

    vielen Dank für den tollen Bericht und die wunderbaren Aufnahmen. Klasse :-)

    Dieses Jahr waren tatsächlich viele Produkte hinter Glas und in Folie. Dies ist eine Auflage des Lebensmittelüberwachungsdienstes, der in diesem Jahr verstärkt kontrollierend und überwachend unterwegs war.

    Ich muß allerdings dem von Ihnen erwähnten Paar aus Südbaden ein klein wenig wiedersprechen, so gab es u.a. 30 Pralinenkurse, 20 Tastings, 2 Kochkurse, Schoko-Theater, und und und – eine riesige Vielfalt von Mitmach- und Selbstmach-Aktionen. Am Stand der Schokozeit gabe es rund um die Uhr z.B. 3 Arbeitsplätze an denen man Schokolade selbst machen konnte. Vielleicht müssen wir diese Aktionen nächstes Jahr noch mehr in den Vordergrund stellen. Wir lernen ja jedes Jahr dazu.

    Herzliche Grüße

    Hans-Peter Schwarz

    P.S.: Vorschau 2010 – chocolART vom 30.11. bis 5.12.2010

    http://www.chocolART.de

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