Geschäftsidee

„Susanne! Bestellen Sie doch noch einen Tisch im Ross für mich und die Herren aus St. Petersburg!“

„Klar Chef, mache ich!“, rief sie durch die halb offene Tür, und ergänze in Gedanken

„… es ist ja auch erst 18:30 Uhr, da gibt’s im Ross sicher noch jede Menge freie Tische, in dieser Weltstadt haben wir ja auch eine schier nicht endende Auswahl an Spitzenrestaurants, also gar kein Problem! Auch, dass ich eigentlich seit zwei Stunden Feierabend haben wollte, was solls. Es wäre ja auch zuviel verlangt, mir mal drei Tage vorher zu sagen, dass die russischen Partner uns besuchen.“

Susanne war es so leid, es war doch immer das selbe. Der Chef hatte in seiner Planlosigkeit irgendetwas eingerührt und sie nicht informiert. Jetzt musste wieder alles auf den letzten Drücker organisiert werden. Sie rotierte wie ein Brummkreisel, um alles doch noch möglich zu machen und machte spontan Überstunden. Aber wenn dann doch etwas nicht perfekt klappte, war sie auch noch die Schuldige. Daran, Dank für diesen Einsatz zu erhalten, dachte sie schon gar nicht mehr.

Vor sieben Jahren, als sie ihre Lehre hier begonnen hatte, war sie eine graue Maus gewesen, schüchtern und unauffällig. Als ihr bewusst wurde, dass sie so den Rest ihres Berufslebens in der Buchhaltung versauern würde, fing sie an sich zu ändern. Ein paar neue Outfits, ein Lächeln oder Augenzwinkern im richtigen Moment und auch die geschickt gewählten Düfte – für die sie schon seit ihrer Kindheit eine besondere Leidenschaft entwickelt hatte. Es ging hier nicht um Kompetenz oder Einsatzbereitschaft, es ging nur um Äußerlichkeiten, wenn man als Frau in dieser Firma voran kommen wollte. Dass hatte sie erkannt und konsequent für sich ausgenutzt. So war sie nur ein Jahr nach Abschluss ihrer Lehre Chefsekretärin geworden – der höchste Posten, den eine Frau in dieser altbackenen Firma überhaupt je erreichen konnte.

Anfangs hatte sie sich Sorgen gemacht, dass der Chef „mehr“ von ihr wollen würde. Man hörte ja immer wieder Gerüchte, dass er – trotz Frau und Kindern – kein Kostverächter sei. Aber diese Befürchtungen blieben unberechtigt. Zwar schmückte er sich offensichtlich gerne mit der jungen, adretten Dame an seiner Seite, hielt aber immer eine professionelle Distanz. Bisher.

„Susanne!“ rief er leise, fast verschwörerisch und trat ins Vorzimmer, an ihren Schreibtisch. Susanne stutzte. Das tat er sonst nie. Er betrat sein Büro steht durch den separaten Eingang, für den nur er einen Schlüssel hatte. Wenn er etwa zu sagen hatte, bat er sie zu sich herein oder rief einfach, wie vor wenigen Minuten, durch die meist einen Spalt breit offen Tür. Sie konnte sich nicht erinnern, dass er überhaupt jemals das Vorzimmer betreten hatte. Jetzt aber stand er da, schon im Mantel, den ledernen Aktenkoffer in der Hand, und beugte sich zu ihr vor.

„Susanne, Sie wissen doch wie wichtig dieses Geschäft für uns alle ist? Die Zukunft dieser Firma steht auf dem Spiel, das ist Ihnen doch hoffentlich klar?“

Mehr als ein irritiertes, fragendes „Ja?“ brachte Susanne nicht zu Stande.

Der Chef schob ihr ein kleinen, gefalteten Zettel hin: „Das ist die Handynummer von Herrn Kosakow, er will sich heute Abend mit Ihnen treffen, er ist an Ihnen…“ Er zögerte kurz. „… interessiert. Rufen Sie ihn gegen 9 Uhr an!“

Ohne ihre Antwort abzuwarten, drehte er sich um und ging zur Tür. Die Klinke noch in der Hand dreht er sich noch einmal um: „Ach, und legen Sie dieses Parfum auf, Sie wissen schon, dieses eine, bei dem ich immer die Tür schließe, wenn Sie es tragen!“

Susanne saß da und starrte ihm hinterher. Ihr schwirrte der Kopf. Hatte sie das eben geträumt? Oder hatte sie tatsächlich darum gebeten, … – Nein, das war keine Bitte, das war eine Anweisung, klar und unmissverständlich. Als ob sie einen Termin abstimmen oder ein Protokoll tippen sollte. Als ob es ihre ganz normale Pflicht wäre, sich mit lüsternen Geschäftspartnern zu treffen. Und es war Erpressung, denn alle in der Firma wussten: Wenn der Deal mit den Russen platzt, können in zwei Monaten alle stempeln gehen.

Sollte sie soweit gehen? Scheinbar konnte der Chef das Geschäft nicht erfolgreich zum Abschluss zu bringen – und sie sollte ihn retten, mit vollem Körpereinsatz sozusagen.

Nein, es reichte.

Sie reservierte noch den Tisch, räumte ihren Schreibtisch auf und begann ein letztes Mal, ein Schreiben zu tippen. Betreff: „KÜNDIGUNG“

Auf dem Heimweg in der Straßenbahn dreht sie den iPod auf volle Lautstärke. Die Bässe hörte man durch den ganzen Wagen. Einige Passagiere schauten sie abschätzig an, es war ihr egal. Hauptsache nicht nachdenken.

Zu Hause aber brach sie weinend zusammen. All die Horrorgeschichten – von den kalten Fluren der Arbeitsämter, von gefühllosen Sachbearbeitern und von stinkenden Alkoholikern hinter ihr in der endlosen Warteschlange – gingen ihr durch den Kopf.

Langsam fasste sie sich wieder. Auf der Suche nach einem Taschentuch kramte sie in ihrer Tasche, fand statt dessen den Zettel mit der Telefonnummer dieses Russen. Es gab eine so einfache Lösung, sie brauchte nur diese Nummer wählen.

So schnell der Gedanke gekommen war, so schnell verwarf Susanne ihn, und zwar endgültig. Sie zerriss den Zettel in hunderte kleine Fetzen, öffnete das Fenster und sah dem kleine Schwarm aus Papierschnipseln nach, den der Novemberwind in der Dunkelheit verschwinden ließ.

Dann rief sie ihren Freund an, immer noch leicht verheult. Er hörte sich alles an, ruhig und scheinbar kein bischen überraschst. So als wäre es das normalste auf der Welt. Dann er sagte ihr, dass sie alles richtig gemacht hätte. Dass sie doch froh sein soll, endlich aus diesem Drecksladen raus zu kommen, weg von dem Chef, der sie ausnutzte und weg von den „lieben Kollegen“, die sie doch nur für das blonde Dummchen und das kleine Spielzeug des Chefs hielten. Auch solle sie sich keine Sorgen machen, wie es nun weiter gehen sollte. Sie solle nachdenken, was sie gut könne, womit sie sich auskenne und was ihr Spaß mache. Ihnen würde schon etwas einfallen.

Viele, wohl gemeinte Worte, die zwar Trost spenden konnten, aber nicht halfen, ihr Problem zu lösen.

„Was ich gut kann?“ fragte sich Susanne resignierend, „Ich hatte doch bisher nur diesen Job, das konnte ich gut.“

„Womit ich mich auskenne, was mir Spaß macht? Was soll das schon sein?“

Susanne ging erst einmal ins Bad, eine heiße Dusche war genau das, was sie jetzt brauchte. Anschließend öffnete sie das kleine Schränkchen und musterte die vielen Fläschchen und Flakons auf der Suche nach einem Duft, der zu ihrer momentanen Stimmung passte. Zwar war sie heute Abend allein, was aber kein Grund war, auf ein passendes Parfum zu verzichten. Mit sicherer Hand griff sie zu und sprühte ein kleine Probe auf ihren Handrücken. Perfekt.

„Damit kennst du dich aus, mit Parfums.“, dachte sie, während sie sich den Kimono überwarf. „Aber was soll mir das jetzt helfen?“

Auf dem Weg zum Wohnzimmer kam ihr die Idee. Sie griff zum Telefon und rief noch einmal ihren Freund an. Jetzt konnte er ihr wirklich helfen.

Die obige Geschichte ist frei erfunden, etwaige Ähnlichkeiten der Figuren zur realen Personen sind nicht beabsichtigt und rein zufällig. Inspiriert wurde diese Geschichte durch die Bitte der Inhaberin von parfumkaufhaus.de, auf ihren Shop hinzuweisen. Was ich hiermit mit besten Empfehlungen tun möchte, denn noch bis 31.12.2009 werden 3% des Warenwertes jeder Bestellung bei parfumkaufhaus.de an die Deutsche Kinderkrebsstiftung gespendet.

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