verloren

Es war doch sein Projekt! Etwas, dass es umzusetzen galt, unbedingt – war es doch nur der erste Baustein des Großen und Ganzen, seiner Vision. Und es kam auf jedes Detail an! Ein Kompromiss war bisher immer noch der erste Schritt auf dem Weg des Scheiterns.

Nur noch wenige Tage hätten es gebraucht, dann wäre der so wichtige unumkehrbare Zustand erreicht gewesen. All die kleinen Problemchen, die diese Technokraten, diese selbsternannten Experten ständig überall sahen, wären durch etwas Phantasie und Kreativität – zur Not durch die Kraft des Faktischen – auch irgendwie gelöst worden. Wenn es sie überhaupt gegeben hätte.

Wie er diese Leute verabscheute! Sie hielten sich selbst für Macher, waren aber lediglich Verwalter ihrer kleinen, engen Welt. Ohne den Willen und die Fähigkeit, aus ihr auszubrechen und wirklich Neues zu wagen. Jetzt, so kurz vor dem Abschluss, hatten sie sich doch noch durchgesetzt. Zwar nur in einem – scheinbar unbedeutenden – Punkt, aber das war nicht von Belang. So war die Sache nicht rund, einfach nicht richtig.

Er hatte ihn nicht mehr verhindern können, den faulen Kompromiss. Einer nach dem anderen hatten seine Getreuen die Seite gewechselt, oder sich auf eine neutrale Warteposition zurückgezogen. Man konnte sich eben auf niemanden verlassen. Aber auch das würde er zu würdigen wissen.

Die Gegenseite war überraschend hartnäckig geblieben und zog am Ende den Trumpf aus dem Ärmel, den er zwar kannte aber nicht geglaubt hatte, dass sie ihn wirklich ausspielen würden.

Spät Nachts verließ er traurig als erster den Sitzungssaal, er wollte nicht noch Zeuge werden, wie sie sich gegenseitig auf die Schultern klopften. Er hatte verloren.

Diese Runde. Nicht das Spiel.

Kommentar verfassen