Zwei Besuche im Jack Wolfskin Store – vorher und nachher

Vor ein paar Wochen war ich mit der Herzdame im Jack-Wolfskin-Store in Tübingen. Einen ganzen Vormittag lang. Unser Irland-Urlaub stand vor der Tür und wir wollten unsere Outdoorausrüstung erneuern und vervollständigen. Jacken, Hosen, Pullover, Schuhe, Socken, Rücksäcke, Waschtaschen, Trinkflaschen. Eine der netten Verkäuferinnen hatte sich wirklich viel Zeit für uns genommen, uns ausführlich und kompetent beraten, ohne uns etwas aufzuschwatzen. Sie ließ uns ausreichend Zeit, alles genau anzuschauen, zu prüfen, aus- und anzuprobieren. Mit drei voll bepackten Beuteln mit großem Tatzen-Logo und einer angemessenen Menge Geldeinheiten weniger in der Tasche verließen wir den Laden.

Im Urlaub wurden die Sachen ausgiebig getragen und haben sich auch bei tagelangem Dauerregen, Hagel und Sturm bestens bewährt. Wir waren wirklich zufrieden mit der Ware und hatten auch nicht das Gefühl, zu viel Geld dafür ausgegeben zu haben. Die Tatze, die auf jedes dieser Kleidungsstücke ziert, war mir richtig sympatisch geworden.

Heute war ich wieder im Jack-Wolfskin-Store und erzählte dem Filialleiter diese kleine Geschichte. Nur leider war sie an dieser Stelle noch nicht zu Ende. Denn inzwischen bereue ich es, den Kram bei Jack Wolfskin gekauft zu haben.

Was war passiert? Kurz gesagt: Jack Wolfskin – diese scheinbar so sympathische Marke – hat ihr wahres Gesicht gezeigt. Kein Schönes. Anscheinend hat sich Jack Wolfskin sein Tatzenlogo markenrechtlich schützen lassen, wodurch es scheinbar nicht mehr möglich ist, jedwede Pfoten- oder Tatzenmotive auf Textilien zu verwenden, ohne gegen die Markenrechte von Jack Wolfskin zu verstoßen. Die Frage, ob ein Markenschutz derart trivialer Muster und Motive sinnvoll ist, soll hier nur gestellt – nicht aber beantwortet werden. Man male sich nur aus, wie weit das führen könnte, würde z.B. der Hersteller von Grußkärtchen sich Herzchen als Markenlogo schützen lassen. Sämtliche Liebesbriefe würden dann vom Anwalt beantwortet werden.

Auch Jack Wolfskin schickte nun seine Anwälte los. Und würden die zu Felde ziehen, gegen Markenpiraten, die mit echt nach Jack-Wolfskin-Produkten aussehenden Plagiaten versuchen, den Käufer zu übervorteilen – niemand hätte auch nur ein kritisches Wort geschrieben.

Aber wer wird der – nach eigener Aussage – führenden Outdoor-Marke in Deutschland so gefährlich werden, dass man ihnen mit der harten Abmahnkeule entgegentreten muss? Hobby-Designer, die selbstgebasteltes, – genähtes, -gesticktes, etc. auf Dawanda – einem Onlinemarktplatz für Selbstgemachtes – anboten. Ihr Vergehen dabei: sie verwendeten stilisierte Pfoten- oder Tatzenabdrücke als Dekoelemente. Das geht natürlich nicht, denn Jack Wolfskin ist der Meinung, als einiger das Recht zu haben, Pfoten oder Tatzenmotive verwenden zu dürfen. Diese Meinung wurde nun einigen „Bastelmuttis“ – wie die Anbieter auf Dawanda in einigen Blogs genannt wurden – unmissverständlich mit, und zwar per Anwaltsschreiben nebst 1000€-Kostennote.

Ich bin vom diesem Verhalten wirklich maßlos enttäuscht. Wie so viele andere habe ich für mich entschieden, nichts mehr von Jack Wolfskin zu kaufen – zumindest solange nicht, wie die jetzigen Abmahnungen nicht zurückgenommen und deutlich erkennbar geworden ist, dass das Unternehmen den Fehler als Fehler begreift und in Zukunft ein Verhalten seitens Jack Wolfskin zu erwarten, dass der eigenen Selbstdarstellung auch halbwegs entspricht.

Aber was mache ich mit den bereits gekauften Klamotten? Wegwerfen, nicht mehr anziehen, bis die Sache geklärt ist? Dafür waren sie dann doch zu teuer und auch zu gut. Außerdem möchte ich mir von einer übereifrigen Rechtsabteilung nicht meinen Outdoorspaß verderben lassen. Vielleicht suche ich mir einen talentierten Hobby-Schneider, der mir einfach sämtliche Tatzenlogos entfernt.

Auch diesen Teil der Geschichte erzählte ich dem Filialleiter im Jack-Wolfskin-Store in Tübingen. Wir führten ein ruhiges, freundliches Gespräch, in dem er mir mehrfach zustimmte oder zumindest signalisierte, meine Meinung zu verstehen. Zwar versuchte er zuerst, das Thema abzublocken, indem er kurz behauptete, von der Angelegenheit nichts zu wissen. Das war aber schnell vorbei, als ich ansetzte, sie ihm in allen Details zu erklären.

Auf meine unmissverständliche Ansage, bis auf weiteres keine Jack Wolfskin-Produkte mehr zu kaufen reagierte er recht unbeeindruckt. Scheinbar.

Letztlich wurde mir erklärt, dass er als kleiner Filialleiter (event. sogar Franchise-Unternehmer, was das jemand?) kaum Einfluss auf solche Unternehmensentscheidungen habe. Er versprach mir zwar, die Sache bei seinem nächsten Besuch „bei Wolfskin“ zumindest anzusprechen, empfahl mir aber meine Beschwerde direkt an Jack Wolfskin zu richten. Auf der Homepage wäre eine Kontaktadresse zu finden. Ich fand nur ein Kontaktformular, dass ich aus verständlichen Gründen (keine Speicherung meiner Nachricht, keine persönliche Ansprache) nicht nutzen wollte. Statt dessen geht eine Kopie dieses Textes an die beiden Damen, die bei Jack Wolfskin für PR zuständig sind.

Inzwischen weitet sich die Angelegenheit zu einem PR-Desater ungeahnten Ausmaßes aus, was nicht zuletzt an der unnachgiebigen Haltung der Firma liegt. Ein Blick in den Pressespiegel von Dawanda oder eine passende Twittersuche spricht Bände.

Hier noch ein paar Links:

Der Werbeblogger, der zuerst über diese Geschichte geschrieben hat.

Der Artikel von Spiegel Online, die als ein der ersten Mainstreammedien das Thema aufgreifen.

Über eine ungewöhnliche, und für die Firma sicher sehr unangenehme Möglichkeit des Protest berichtet Spreeblick.

Der Blogeintrag von Alex Schnapper, einfach als ein Beispiel für die unzähligen Blogger, Kommentatoren, Twitterer etc., die ihre Konsequenzen gezogen und öffentlich gemacht haben.

Und eine schöne Zusammenfassung aller Fakten bei freiepfote.de.

3 Kommentare zu “Zwei Besuche im Jack Wolfskin Store – vorher und nachher

  1. Guten Morgen,

    mittlerweile wurden 9 Bastelmuttis abgemahnt… teilweise sogar wegen Ohrsteckern, auf denen eine BÄRENtatze abgebildet war!

    Noch Fragen? JW sucks!

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