Das nächste Fahrrad

nextbikeBeruflich bedingt wusste ich schon länger, dass es demnächst personalfrei ausleihbare Fahrräder in Tübingen geben wird, und zwar nicht Call-a-bike der Deutschen Bahn. (Welche ich übrigens in meinem Artikel „Ruf ein Fahrrad an“ bereits ausführlich rezensiert habe.)

Nun sind diese Leihfahrräder von nextbike in der Stadt aufgetaucht, eine Station mit fünf Rädern liegt direkt vor meiner Haustür. Beste Bedingungen also für einen schnellen Test.

Die Anmeldung ging so unkompliziert, das konnte ich erledigen, während mein Frühstücksei kochte. Adresse, Telefonnummer, Kredikkartennummer, fertig. Ein Euro wird bei der Anmeldung abgebucht, dieser steht als als Guthaben für die erste Ausleihe zur Verfügung.

Etwas komplizierter war es dann, die Preise herauszufinden. Denn Tübingen stand zu diesem Zeitpunkt noch nicht in der Liste. In Anlehnung an die anderen Städte gehe ich mal von einem Stundenpreis von 1 EUR aus, bei mehr als 5 / 7 / 8 Stunden gelten dann 24h-Preise von 5 / 7 / 8 EUR. Beim Schwäbische Tagblatt ist von einem 24h-Preis von 8 EUR die Rede, ohne Angabe, ab wie viel Stunden dieser denn gilt. In der Preisliste von nextbike taucht komischer Weise Metzingen mit 5 EUR / 24h ab der 5. Stunde auf, obwohl es dort laut Standortkarte gar keine Stationen gibt. Hier muss dringend Klarheit her, möglichst bevor man die Räder auf die Straße stellt und die Passanten neugierig macht. Aber: 1 EUR / Stunde mit gedeckeltem 24h-Preis klingt doch vernünftig.

Das Ausleihen funktioniert nach meinem Empfinden deutlich einfach als bei der Konkurenz von der Bahn. Ein kurzer Anruf bei einer normalen Festnetznummer, die Nummer des Bikes eingetippt und schon kommt der Zugangscode per Ansage und per SMS. Soweit so ähnlich. Wirklich einfacher ist das Schloss zu bedienen. Es wird nämlich ein zumindest anscheinend handelsübliches Drehzahlenschloss verwendet, das auch nicht fest am Fahrrad montiert ist. Damit entfällt das umständlich hantieren mit einem festen Bügel oder Eingaben an in Bodennähe montierten Touchdisplays.

Auch die Abgabe geht schnell und einfach. Kurzer Anruf, das System weiß, welche Fahrrad ich gerade habe und fragt, ob ich es zurückgeben möchte. Dann wird man gebeten, den Abgabeort anzusagen, ohne das man etwa Stationsnummern oder ähnliches herausfinden müsste.

Die Fahrräder selbst sind allerdings gewöhnungsbedürftig. Das ging schon damit los, das man zwar die Sattelhöhe bequem per Schnellspanner einstellen, um die Neigung des Sattels – der bei unsererm Bike viel zu steil nach oben stand – zu ändern, muss man schon Werkzeug dabei haben.

Die Rahmenform ist recht ungewöhnlich, und zwar zurecht. Denn die Herzdame, die das Fahrrad gefahren ist, hatte durchaus Problem mit der nach oben gewölbten Stange. Hier wurde wohl mehr auf die Maximierung der Werbefläche geachtet als auf Ergonomie. Ebenfalls ein negativer Aspekt der Vollrahmenwerbung ist natürlich das recht hohe Gewicht der Räder.

Sowohl unter Last als auch im Leerlauf waren aus der Nabenschaltung recht laute und auf Dauer nervende Geräusche zu vernehmen. Das die Räder wirklich erst einen Tag dastanden, gehe ich mal davon aus, dass das kein Defekt, sondern konstruktionsbedingt war.

Hinzu kam noch, die sehr ungünstig Lenkerform, was aber die vollständig subjektive Beurteilung der Fahrerin sein dürfte. Dies und die wirklich lauten Geräusche führten aber schließlich dazu, dass wir unsere Tour nach nicht ganz 10 km abbrechen mussten und umkehren.

Noch ein Wort zur Werbung: Es ist ja durchaus in Ordnung, auf solchen Leihrädern Werbeflächen zu vermarkten. Unter Umständen hat das ja auch der Nutzer etwas davon in Form von günstigen Preisen. Wenn das aber zu Lasten der Ergonomie und des Gewichts geht, dann würde ich lieber mehr zahlen und ein „ordentliches“ Fahrrad ausleihen.

Auch dass die Stadt Tübingen eine Anschubfinanzierung leistet, ist ja grundsätzlich in Ordnung. Dann sollte die anschubfinanzierte Firma aber doch bitte den Anstand und das Augenmaß haben, die Werbefläche nicht nahezu vollständig an einen Hauptkonkurrenten der Stadtwerke (eines städtischen Unternehmens) zu vergeben. (Darum habe ich auch im Bild die Werbung weggestempelt.)

Fazit:

Vom Tarif und vom Handling her eigentlich das bessere System, im Vergleich zu Call-a-bike. Leider sind die Räder zumindest für längere Touren nicht sonderlich geeignet. Auch wenn ich es sehr schade finde – denn bequemer geht es kaum ein Fahrrad auszuleihen – werde von diesen Räden wohl lieber die Finger lassen.

2 Kommentare zu “Das nächste Fahrrad

  1. In Metzingen gibt es die Ausleihräder schon seit etwa 2 Jahren, was sich ja bei den vielen Schnäppchentouristen, die per Bahn anreisen, auch echt anbietet. Die Fahrräder sind vom gleichen Modell wie die auf deinem Bild, allerdings ist darauf Werbung vom Fahrradladen „Radwerk“, der die Mietfahrräder in Metzingen anbietet.
    Ich nehme mal an, dass die mit nextbike zusammenarbeiten.

  2. Mal schaun ob es sowas in München auch schon gibt. Den Bahnrädern gegenüber war ich immer ein wenig skeptisch.
    So könnte ich meine Kunden in der Innenstadt getrost auch mal mit dem Fahrrad aufsuchen und gleichzeitig was für meine Figur machen. :)

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