Fotobücher mit blurb.com – ein Review

Ich hatte ja schon kurz davon berichtet, dass ich ein erstes Fotobuch bei blurb.com erstellt habe. Nun ist mein Exemplar hier angekommen, und dass soll wie versprochen Anlass für ein Review dieses Dienstes sein.

Warum gerade blurb.com?

blurb.com ist Fotobuchservice. Davon gibt es ja viele – ich habe sie nicht alle getestet und habe das auch nicht unbedingt vor. Warum also gerade dieser? Ganz einfach: Man hat dort die Möglichkeit, seine Fotobücher zum Verkauf anzubieten. Dazu später mehr.

Los gehts

Als Neukunde muss man einen Account anlegen und die hauseigene Software Blurb BookSmart™, in der die später die Bücher erstellt werden, herunterladen und installieren. Es gibt Versionen für Mac und Windows. Ist das erledigt, kann es eigentlich auch schon losgehen.

Legt man ein neues Buch an, muss man sich als erstes für ein Format entscheiden. Derzeit werden zwei Standardformate 20x25cm, jeweils in Quer- und Hochformat, ein quadratisches Format 18x18cm und ein großes Querformat 33x28cm. Daneben gibt es noch ein Textbuch 13x20cm, bei dem aber nur schwarz-weiß-Druck angeboten wird. Diese Auswahl ist bindend und kann im weiteren Prozess nicht geändert werden.

Nun hat man die Möglichkeit, sich ein vorgefertigtes Layout auszuwählen, zur Auswahl stehen etwa „Portfolio“ oder „Cookbook“. Dies ist auch zu empfehle. Es spart später viel Arbeit und man schränkt sich dennoch nicht ein, weil man jede Seite auch bei vorgewähltem Layout beliebig ändern kann.

Auch kann man Bilder von seinem Rechner oder diversen Photo-Diensten wie flickr oder picasa zu späteren Verwendung im Photobuch auswählen. Das ist aber kein Muss, man kann das später auch noch nach und nach tun.

Jetzt wird gelayoutet…

Hat man den kurzen Einstiegsdialog hinter sich gelassen, ist man schon mitten drin im Layoutprozess. Das Programm lässt sich ziemlich intuitiv bedienen.

Im Hauptbereich wird eine oder mehrere Seiten des entstehenen Buches angezeigt. Das Layout besteht im wesentlichen aus Text- und Bildframes, die unterschiedlich dargestellt werden und gut erkennbar sind. In einer Sidebar werden verschiedene Layoutvorschläge gezeigt, die man durch einfachen Klick für die aktive Seite übernehmen kann. Bereits eingefügte Bilder oder vorhandener Textn wird im neuen Layout direkt angewendet und geht auch nicht verloren wenn dieses weniger Frames hat als das vorherige,

Allerdings – und hier zeigt sich die m.E. größte Schwäche – lassen sich auschließlich die vorgefertigten Layouts verwenden. Es gibt keine Möglichkeit, die Layouts anzupassen oder selbst welche zu erstellen. Behelfen kann man sich nur, in dem man ganze Seiten in externen Programmen erstellt und dann als Bild in ein leerer Layout einfügt. Nicht sehr befriedigend. Hinzu kommt, das sich mir die Sortierung der Layouts bisher nicht erschlossen hat und die Auswahl tatsächlich hin und wieder Wünsche offen lässt. So hätte ich mir etwa gewünscht, dass zumindest jedes Layout mit und ohne Kopf-/Fußzeile angeboten würde.

Die Bilder, werden ebenfalls in der Sidebar als Miniatur angezeigt werden, können per Drag-n-drop in die entsprechenden Frames in den Layouts gezogen werden. Bereits verwendete Bilder bekommen ein Häckchen, die Sortierung kann man anpassen und auch jederzeit Bilder nachladen.

Nur mit ein wenig Handarbeit ist es möglich, Bilder über die Falz zu platzieren, also z.B. ein Vollbild über eine Doppelseite. Hierzu muss man auf den beiden Seiten ein passendes Layout wählen, in beide Seiten das Bild einfügen und dann solange Bildgröße anpassen und verschieben, bis sie beiden Bildhälften aneinander passen. Und gerade weil das etwas unbefriedigend gelöst ist, habe ich das gleich mal extensiv angewendet.

Zur Verwendung sollte man wohl nicht unbedingt Hardware aus dem Technikmuseum verwenden. Mein kleines Macbook mit 2GHz-Prozessor und 1GB Speicher hatte jedenfalls ganz gut zu tun.

Kaufen

Ist das Buch fertig, wird es zu blurb.com hochgeladen und möchte bestellt werden.

Reden wir vom bestellen, reden wir über die Preise. Diese hängen im wesentlichen vom Format, der Coverart (Soft- oder Hardcover) und von der Seitenzahl ab, außerdem kann man gegen Aufpreis auf „Premium Papier“ drucken lassen oder das sonst obligatorische Blurb-Logo im Buch entfernen. Am günstigsten ist mit 3,95 €ein bis zu 40-seitiges Softcover-Textbuch (13×20 cm, nur schwarz-weiß) auf Normalpapier mit Blurb-Logo. Am anderen Ende der Preisskale rangiert ein Hardcover-Buch mit mehr als 400 Seiten ohne Blurb-Logo im Großformat (33×28 cm). Dieses schlägt mit 161,95 € zu Buche.

Mein kleines Werk umfasst letztlich 32 Seiten im Standard-Querformat. Ich habe es als Softcover, auf Normalpapier und mit mit Blurb-Logo bestellt, so kostete es 14,95 €.

Allerdings sind die angegbenen Preise noch ohne MwSt. – weil blurb ja international liefert und wohl auch nicht in Deutschland sitzt. Allerding wird nach Abfrage des Herkunftlandes der korrekte, nämlich ermäßigte MwSt-Satz von 7% angewendet. Die Versandkosten betrage rund 5 € und gezahlt wird mit Kreditkarte.

Auf seinem Account wird man über den Status der Bestellung informiert, von Verstellung bis Versand vergingen in meinem Fall vier Arbeitstage, nach weiteren zwei Arbeitstagen war das Buch dann bei mir. Recht flott, wie ich meine.

Wie sieht das Buch denn nun aus?

Kurz gesagt: sehr gut.

Die Bilder sind sehr farbecht wiedergegeben, lediglich auf dem Cover – diese ist sehr glänzend ausgeführt, erkenne ich einen leichten Farbstich. Aber auch nur im direkten Vergleich, weil ich auf Seite 1 (zu Testzwecken) exakt das gleiche Bild noch einmal verwendet habe. Dafür ist auch das Schwarz, dass ich als Hintergrundfarbe verwendet habe, auch großflächig sehr sauber und durchgängig gedruckt. Das Papier ist nicht zu dünn, die Klebebindung sieht recht stabil aus.

Die Seitenübergreifenden Bilder passen allerdings nicht immer 100%ig aneinander. Bei der oben beschriebenen Friemelarbeit konnte ich eben nur ungefähr einschätzen, wie viel Überlappung notwendig ist, um den Verlust durch die Falz auszugleichen. Bei einigen Bildern ist mir das besser gelungen, bei anderen weniger. Solange es also keine speziellen Doppelseiten-Layouts gibt, geht man so also immer ein gewisser Risiko ein. Aber „no risk no fun“, wie man so schön sagt – und so sehr daneben liegen ich dann bei keinem der zusammengesetzten Bilder.

Insgesamt bin ich mit dem Ergebnis sehr zufrieden. Es gibt ja Berichte von recht wechselhafter Druckqualität bei Blurb. Das soll wohl daran liegen, das man verschiedenen Orten druckt und nicht überall die gleichen Druckmaschinen eingesetzt werden Entweder sind diese Berichte leicht übertrieben, oder ich hatte diesmal eben Glück.

Verkaufen

Oben hatte ich es bereits erwähnt, ich habe blurb.com u.a. deshalb ausgewählt, weil man seine Fotobücher hier auch „on demand“ zum Verkauf anbieten kann. In erster Linie sehe ich darin eine gute Möglichkeit, so ein Buch für Freunde und Bekannte (zum Selbstkostenpreis) bereitzustellen. Aber es besteht eben auch die Möglichkeit, einen Aufschlag auf die blurb-Preise festzulegen, der im Falle eines Verkaufs in die eigene Tasche fließt.

Dafür stellt blurb.com einen Bookstore bereit. Dort kann man das Buch verschlagworten und Kategorien zuordnen, damit es über die Suche besser gefunden wird. Man kann sich Badges gerenieren, um diese in eigene Seiten einzubinden, außerdem wird man bei der Verlinkung in diversen Web2.0-Diensten oder bei der Promotion per Email unterstützt. Außerdem werden ausgewählte Bücher auf der „Staff Picks“-Seite vorgestellt. Man bekommt Statistiken nicht nur zu Verkauf und Umsatz, sondern es wird auch wöchentlich ausgewertet, wie oft das Buch angeschaut wurde. Für den Verkäufer also eine recht runde Sache, und nicht zu kompliziert. Wie die Abwicklung der Verkäufe und die Auszahlung der Umsätze von statten geht, kann ich an dieser Stelle noch nicht sagen, bisher habe nur ich selbst das Buch gekauft…

Für den Käufer gibt neben den Informationen zu Seitenzahl und Format auch eine Voransicht des Buches, allerdings nur die ersten 15 Seiten. Hier würde ich mir ein Vollpreview wünschen, schließlich möchte auch ich nicht die Katze im Sack kaufen.

Fazit

Auch wenn mir der direkte Vergleich fehlt, ich kann blurb.com guten Gewissens weiterempfehlen. Das Handling war über den ganzen Workflow sehr stimmig und intuitiv. Ich konnte mich direkt in die kreative Arbeit stürzen, ohne stundenlang Tutorials lesen zu müssen – obwohl diese reichlich vorhanden sind, auch als Video. Die Erstellung hat insgesamt viel Spaß gemacht, auch wenn der fehlende Layouteditor hin und wieder ein paar laute Flüche, die ich hier besser nicht wiedergebe, verursacht hat.

Über Preise kann man ja trefflich streiten, gerade ein Schnäppchen sind die Bücher wahrscheinlich nicht. Wohl aber ihren Preis wert. Denn neben dem eingängigen Handling und der Möglichkeit des Weiterverkaufs bekommt man tatsächlich eine gute Qualität in angemessener Zeit geliefert. Sollten bei nachfolgenden Bestellungen tatsächlich andere Druckqualitäten geliefert werden, werde ich das hier ergänzen. Der erste Test hat jedenfalls zunächst überzeugt.

Ich denke, ich werde es wieder tun. Ein zweites Buch ist bereit in Arbeit, weitere zumindest als Idee vorhanden.

Nun bleibt noch, auf mein Buch hinzuweisen. Es handelt sich um einen buchgeworden Blogeintrag, mein fotografischer Jahresrückblick auf 2008. Für jedem Monat des Jahres wurde ein Bild ausgewählt, das im Buch auf je einer Doppelseite präsentiert wird. hr könnt das Buch, so es Euch gefällt kaufen. Die Softcover-Version kostet 17,95 € (zzgl. MwSt und Versand), davon gehen 3 € an mich als Autor.

Lars Hilscher 12 Monate, 12 Bilder
Mein Fotojahr 2008
By Lars Hilscher

Make a photo book with Blurb

Vielen Dank an Monika Andrae und Chris Marquart, die mich mit Ihrem Buch zum selber machen inspiriert haben.

6 Kommentare zu “Fotobücher mit blurb.com – ein Review

  1. Mensch, bin ich froh, dass das bei Dir auch so gut geklappt hat wie bei uns. Die Idee eines buchgewordenen Blogeintrag finde ich super!

    (wenn das so weiter geht, können wir bei Blurb bald eine Happy Shooting Hörer Galerie eröffnen 😉 )

  2. Vielen Dank für diesen Beitrag,
    ich bin nämlich gerade erneut auf der Suche nach so einem Dienst, nachdem ich mit dem deutschen BoD (Books on Demand) keine guten Erfahrungen gemacht habe. Trotz zugegebnermaßen sehr engagierter Betreuung durch die Technikabteilung in Punkto Farbmanagement waren die Farben im Endergebnis ziemlich flau. Der Upload selbst war katastrophal (kein Fortschrittbalken oder sonst eine Anzeige) ich wußte oft nach einer dreiviertel Stunde nicht, ob das PDF jetzt übertragen wurde, oder ob sich der Prozeß einfach aufgehängt hatte … etc.
    Was Du hier geschrieben hast, bestärkt mich doch, es mal mit BLURP zu versuchen. An dieser Stelle möchte ich drauf hinweisen, daß es dort jetzt die Option PDF_to_print gibt, d.h. man muß sich nicht diese BookSmart-Software installieren, sondern man kann mit seiner eigenen Lieblingssoftware das Buchlayout gestalten (für InDesign gibt´s sogar fertige Templates zum runterladen), man muß sich halt an die vorgegebenen Formate, Randabstände, Beschnittzugaben usw. halten. Zum Schluß erzeugt man ein PDF mit den von BLURB gelieferten Settings und überträgt das Ganze via Browser auf seinen Kundenaccount.
    Nachdem BLURB ja eher aus dem Fotobuch-Bereich kommt (BoD ja eher aus der Verlags-/Belletristik-Ecke), gehe ich mal davon aus, daß es denen wichtiger ist, daß die Farben auch passen.
    Also ich werd’s demnächst auch mal ausprobieren …

    Herb

  3. Ich hab zwar noch keins meiner Fotobücher veröffentlicht, aber einige Fotobücher bzw. Anbieter getestet und meines Erachtens hat Fotobuch-Druckerei.com die besten Angebote… es sind immer sehr viele Sonderangebote dabei und es hat auch das größte Format von allen! Nur so, als kleiner Tipp, wer viele Bilder hat 😉 – so wie ich!

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