Mobiltelefone der neuesten Generation nehmen uns das Denken ab

Wenn ein Artikel eines Qualitätsmediums wie dem Schwäbischen Tagblatt mit einem solchen Kracher beginnt, kann man Großes erwarten. Also zurückgelehnt, Füße hoch, Popcorn!

Doch was so stark beginnt, schwächelt über die gesamte erste Hälfte. Dort werden nämlich, gut zwei Jahre nach der Vorstellung, gut 8 Monate nach der Einführung der 2. Generation und ein paar Wochen nach der Umstellung der zugehörigen Tarife – also völlig anlassfrei – über mehrere Absätze die Funktionen eines gewissen Mobiltelefons einer gewissen Computerfirma mit Vorliebe für angebissenes Obst in den höchsten Tönen gepriesen. Dazu wird noch das Bild einer adretten Telefonverkäuferin platziert. Das Wörtchen „Anzeige“ sucht man erstaunlicher Weise vergebens.

Aber dann geht der zuständige Redakteur Volontär Praktikant Aushilfs-Zeitungsausträger (der Nachts heimlich in die Redaktionsbüro eingedrungen ist, anders kann ich es mir nicht erklären) in die Vollen.

Anscheinend hat er davon gehört, das der hiesige Verkehrsverbund plant, eine Fahrplanauskunft für Mobiltelefone bereitzustellen. Zwar schieb er diese Idee zunächst mal jemand anderen, nämlich dem Betreiber des Tübinger Stadtverkehrs in die Schuhe, verpasst aber die Chance auf ein Paar kritische Bemerkungen zu dieser Idee. Zum Beispiel, weil- gerade für das iPhone (nennen wir die Dinge mal beim Namen) – so etwas schon längst verfügbar ist. Und zwar nicht nur für ein paar popelige Landkreise im Ländle, sondern deutschlandweit (und darüber hinaus). Zum Beispiel mit einem kostenlos im Appstore erhältlichen Programm mit dem überraschenden Namen „Fahrplan“ (itunes-Link). Es liefert sowohl Verbindungsauskünfte wie aus Ankünfte und Abfahrten, die Bahnhöfe und Haltestellen können entweder eingegeben oder die nächtgelegen werden mittels GPS-Dingens automatisch gesucht. Dabei wird auf die Daten der DB-Auskunft zurückgegriffen, wie sie auch bahn.de verwendet. Damit dürfte das ÖPNV-Angebot deutschlandweit gut und aktuell verfügbar sein, bei der Eisenbahn gibt es z.T. sogar Verspätungsdaten. Programiert hat das ganze nicht etwa das Verkehrsminsterium oder irgendein großer Verkehrsverbund – sondern ein Frank Vercruesse, wohl ohne dafür ein fünfstelliges Budget verbraucht zu haben – sonst wäre die App sicherlich nicht kostenlos.

Aber weiter im Text: unserem Redakteur Volontär Praktikanten Aushilfs-Zeitungsausträgesind an einigen Haltestellen in Tübingen so merkwürdige Displays ausgeschalten. Noch zeigen sie nicht an, und darum muss er nun ein wenig recherchieren spekulieren. „Da sollen doch bestimmt mal die Abfahrtszeiten der Busse angezeigt werden.“ denk er sich, und liegt da gar nicht so falsch. „…und die holen sich diese Infos doch bestimmt auch über diese Internet.“ vermutet er weiter. Doch diesmal irrt er leider ein wenig und baut darum schon mal einen Aspekt in seinen Internet-überall-Artikel ein, der dort nichts verloren hat. Aber sei´s drum der Leser wird es schon nicht merken.

Leider fällt auch der so schön ausgedachte Zusammenhang, mit der Inbetriebnahme der DFI würde auch die Handyauskunft freigeschalten (abgesehen davon, das sie es länst ist, siehe oben), in sich zusammen. So ein Pech aber auch.

Etwas verfrüht – denn danach wird noch irgendwie das Android-Thema und die Google-ist-ein-böser-Datenkrake-Diskussion verwurstet – wird dann der Abschlussgag verballert:

Apple [sperrt sich] noch gegen fremde Software auf seinem Gerät.

Wenn man man nicht wüsste, dass man gerade den Lokalteil einer sich seriös gebenden Tageszeitung gelesen hat, man könnte meinen, man hätte ein Drehbuch von Dittsche vor sich. Das wäre doch mal eine Nachricht wert.

(Den vollständigen Artikel können Online nur Abonenten lesen. Sorry)

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