Obama, verspätet auf dem richtigen Weg

Eigentlich wollte ich nichts zu Obama schreiben. Zuviel ist über ihn schon geschrieben worden. Außerdem war ich gestern regelrecht angewidert von der dieser pompös feudalistisch anmutenden Inthronisierungzeremonie, aber auch von der fast schon religiös-wahnhaften Verzückung der Massen, von der Stilisierung Obamas zum modernen Messias.

Wenn Obama wirklich das ist, wofür ihn scheinbar die ganze Welt hält, warum schüttelt er dann Bush die Hand, statt ihm verhaften zu lassen und einer internationalen Justiz zu übergeben? Warum verbringt er einen ganzen Tag damit, sich feiern zu lassen, anstatt nach Guantanamo zu fliegen, persönlich die Tore zu öffnen und die seit Jahren illegal Gefangenen, die Gefolterten und Gedemütigten, endlich freizulassen?

Nun, selbst ein moderner Messias, selbst der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika ist nicht völlig frei in seiner Entscheidung. Natürlich kann er nicht einfach mit sämtlichen Traditionen und Ritualen brechen, und seien sie noch so sinnlos. Selbst wenn er wollte (was ich nicht glaube). Natürlich kann er nicht einfach George W. einkassieren, immerhin war der 8 Jahre Präsident, und die Hälfte des Landes stand noch fest hinter ihm, nachdem er schon zwei Kriege angezettelt und seine Foltercamps aufgebaut hatte.

Und natürlich kann er nicht einfach die Tore von Guantanamo öffnen. Auch wenn die Gefangenen dort, selbst wenn sie in irgend einer Form schuldig sein sollten, bereits mehr aus ausreichend bestraft worden sind. Aber er geht zügig die ersten Schritte auf dem richtigen Weg, wenn auch einen ganzen verlorenen Tag zu spät.

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