Der Neger hat meine Fahrkarte gefressen

Für die Betreiber von Öffentlichen Verkehrsmitteln, bei einen solchen verdiene ich derzeit meine Brötchen, sind Schwarzfahrer deutlich mehr als ein Ärgernis. Spätesten seit die Kassen öffentliche Hand nicht mehr prall gefüllt sind, um die erwirtschafteten Defizite auszugleichen – also eigentlich schon immer – wird zurecht erwartet, dass die Betreiber Maßnahmen ergreifen, dass die Fahrgäste ihren Beitrag zur Finanzierung auch tatsächlich entrichten.

Und so schickt man Kontrolleure in die Busse, um die Fahrscheine zu kontrollieren und es Schwarzfahrern möglichst schwer zu machen. Die Einnahmen aus dem so genannten „Erhöhtem Beförderungsentgelt“ – den berühmten 40 Euro, die erwischte Schwarzfahrer zu zahlen haben – decken die Kosten dieser Kontrollen dabei in aller Regel nicht. Es geht eher um Abschreckung und um eine ausreichende „wahrgenommene Kontrollquote“.

Nun ist das „Erhöhte Beförderungsentgelt“ nur die privatrechtliche Vertragsstrafe, davon unabhängig erfüllt Schwarzfahren auch den Straftatbestand der Dienstleistungserschleichung, quasi das Äquivalent zum Diebstahl im Bereich der Dienstleistungen.

Bei treuen Kunden, sprich wiederholten Schwarzfahrern, und bei arg auffälligem Vorsatz gepaart mit fehlender Einsicht, stellen die Betreiber des ÖPNV auch gerne mal Strafantrag. Freilich passiert dann für den Täter nicht allzuviel. Die Sache liegt ein paar Monate beim Staatsanwalt und wird dann wegen Nichtigkeit eingestellt. Schließlich geht es ja eigentlich um etwa zwei Euro, die die Einzelfahrt gekostet hätte. Ein ewiges Ärgernis für die Verkehrsunternehmen, denn von diesem Mist (a.k.a Kleinvieh) lebt man halt ein Stück weit.

All das sollte man wissen, um mein Überraschung zu verstehen, als heute ein junger Mann in meinem Büro auftauchte und mir einen Strafbefehl unter die Nase hielt: 20 Tagessätze oder wahlweise 20 Tage in den Bau, für gerade zwei mal Schwarzfahren innerhalb von über zwei Jahren. Nun würden wir uns ja durchaus freuen, wenn die Justiz hier immer so hart durchgreifen würde. Da sie es aber sonst eigentlich nie tut, fragt man sich natürlich, warum nun in diesem Fall solch übertriebene Härte gezeigt wird.

Nun ich hab das eine Vermutung. Leider konnte mein Schwarzfahrer nämlich nicht auf die seit einem gewissen Antirassismusspot sehr beliebte Ausrede: „Der Neger hat meine Fahrkarte gefressen.“ zurückgreifen. Er war nämlich selbst der Neger schwarz.

2 Kommentare zu “Der Neger hat meine Fahrkarte gefressen

  1. Na, ich würde jetzt hier keinen Skandal draus machen. Denn (a.) ist meine Vermutung tatsächlich reine Spekulation, ich kenne ja auch nicht alle notwendigen Details, die da Einfluss haben – z.B. eventuelle weitere Straftaten oder Vorstrafen…
    und (b.) ist das Ganze auch ein ganz klein wenig komplizierter als hier dargestellt.

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