Ruf ein Fahrrad an

Gleich bei der Einfahrt meines Zuges in Gleis 1 des Bonner Hbf waren sie mir aufgefallen: Die metallic-grauen, leicht futuristisch anmutenden Fahrräder von Call-a-bike.

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Die gab es da noch nicht, als ich das letzte mal hier war. Gut, ich kannte sie schon von diversen Reisen vor allem nach Berlin und Stuttgart, aber hier in Bonn bot sich nun die Gelegenheit, diese auch einmal auszuprobieren.

Webseite und Anmeldung

Bevor der Spaß beginnt, muss man sich erstmal anmelden. Ein paar Infos braucht man ja auch noch, also schnell die zugehörige Webseite angesteuert. Diese ist im Design von bahn.de gehalten, denn es handelt sich ja bei dem Anbieter um eine Tochtergesellschaft der Bahn.

Die Informationen sind leidlich übersichtlich aufbereitet, allerdings sind sie nicht aktuell. In den meisten Texten war von Bonn noch gar nicht die Rede. Die Tarife sind nicht unbedingt übersichtlich gestaltet, aber so schlimm wie bei Handytarifen ist es nicht. Letztlich hatte ich innerhalb von 10 min meine Infos soweit zusammen, um zu entscheiden, dass das Angebot zumindest mal testenswert ist.

Also auf zur Anmeldung. Diese kostet zunächst mal 5 Euro, die aber bei der ersten Nutzung verrechnet werden. Dann gibt man die üblichen persönlichen Daten ein, also Namen, Adresse, Email und Telefonnummer. Letztere ist optional, bietet aber den Vorteil, das man bei einem Buchungsanruf sofort als angemeldeter Kunde erkannt wird. Die Bezahlung erfolgt wahlweise per Bankeinzug oder Kreditkarte. Die Abrechnung kommt per Email, oder gegen Gebühr auch per Post.

Insgesamt ist die Webseite okay, mehr aber auch nicht. Neben der fehlenden Aktualität und Übersichtlichkeit gefällt mir vor allem nicht, das überhaupt eine gesonderte Anmeldung notwendig ist. Hier hätte ich mir doch sehr eine Integration in das Kundenportal der Bahn gewünscht, wo ich ja ohnehin einen Account habe. Außerdem läuft das Login per Login per Kunden- oder Telefonnummer, und nicht per frei wählbaren Nutzernamen.

Ausleihen

Zum ausleihen ruft man eine auf dem Fahrrad befindliche Telefonnummer ein und bekommt einen vierstelligen Öffnungscode angesagt. Dieser ist dann über das im Schloss integrierte Touch-Display einzugeben. Noch während man das tut, wird das Telefon kurz angeklingelt, damit erhält man den Öffnungscode nochmal als „Anruf in Abwesenheit“ – so das man diesen auch mal während der Nutzung nachsehen kann.

Das Bike

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Das Fahrrad ist ein recht robustes City-Bike mit tiefem Einstieg, 7-Gang-Nabenschaltung.

Die Räder sind relativ klein und auffallend breiten Reifen ausgestattet, der Reifendruck war angenehm hoch. Der Sattel ist recht breit und weich, ich fand ihn aber gut bequem. Per Schnellspanner ist er problemlos höhenverstellbar. Die Beleuchtungsanlage wird über einen Nabendynamo versorgt. Der Gepäckträger ist eigentlich nur ein zu einem Viertelkreis gebogenen Blech mit mehreren Löchern, in die der fest verbaute Spanngurt eingeklipst werden kann. Gebremst wird mit zwei Scheibenbremsen, die auch gut dosierbar sind. Allerdings waren mir die Bremsen deutlich zu lasch eingestellt, also die Zugwege der Bremsgriffe waren mit deutlich zu lang.

Das Fahrgefühl ist angenehm leicht, trotzdem das Rad relativ schwer ist. Für Stadtfahrten oder kleinere Touren ist es aber völlig ausreichend, durch die 7-Gang-Schaltung sind auch leichte Steigungen kein Problem. Für längere Touren oder eine Alpenquerung reichts wohl nicht.

Eine Besonderheit ist natürlich das Schloss. Es besteht auf der rechten Seite aus einem gummierten Kabel, dass fest an den Rahmen montiert ist und in einen ca. 10 cm langen Stahlbolzen endet. Bei Fahren wird dieser in eine entsprechende Vorrichtung gesteckt. Zum verschließen wird der Bolzen dann quer durch das Hinterrad gesteckt, auf der linken Seite befindet sich dann das eigentlich Schloss, das automatisch verriegelt, wenn der Bolzen eingeschoben wird. Zum öffnen muss dann wieder der Öffnungscode eingeben werden.

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Letztlich ist dieses Schloss auch der Part, der mir nicht wirklich gefallen hat. Das Kabel ist relativ unflexibel, insbesondere sind praktisch alle gängigen Typen von Fahrradständern damit nicht benutzbar. Zumindest nicht, wenn man das Bike fest anschließen möchte. Ansonsten blockiert dar Bolzen zwar das Hinterrad, aber solange das Rad weggetragen werden kann, ist es natürlich nicht sicher. Zumal das Schloss ja auch schon gehackt wurde.

Der Gepäckträger ist wohl eher für Aktenkoffer geeignet, oder das Design war hier wichtiger als die Benutzbarkeit. Dann hier wäre mir ein handelsüblicher Gepäckträger lieber gewesen, denn dann könnte ich mein vorhandenen Fahrradtaschen verwenden. Genauso könnte man am Lenker noch einen KLICKFIX-Halter

Rückgabe

Die Rückgabe ist – zumindest bei Callabike fix (mehr dazu gleich) – ebenfalls recht einfach. Man bringt das Bike zurück zur Station, schließt es dort an und ruft wieder die Fahrrad-eigene Telefonnummer an. Dort tippt man dann an noch die Stationsnummer und eine im Display angezeigte Quittungsnummer ein – und fertig. Die freundliche Dame vom Band sagt noch kurz an, wie viel der Spaß gekostet hat, und das war es dann auch.

Was kostet der Spaß?

Meiner Fahrt durch die Stadt wurde ich mehrmal mit genau dieser Frage angesprochen. Also kurz zu den Tarifen. Grundsätzlich startet man mit einem Minutenpreis 8 Cent, für Bahncard-Inhaber 6 Cent. Dieser läuft ab dem Ausleihanruf für drei Stunden, danach springt man auf einen 24-Stunden-Festpreis vom 9 Euro, nach den 24h läuft wieder der Minutenpreis an. Behält man das Bike mehrere Tage, greift am 4. Tag der Wochenpreis von 60 Euro, dieser gilt dann bis einschließlich 7 Tage.

Soweit so simpel. Das kann so natürlich nicht bleiben, deshalb gibt es in verschiedenen Städten noch unterschiedliche Tarifkonzepte, nämlich Callabike flex (Berlin, München, Frankfurt, Köln, Karlsruhe) und Callabike flex (Stuttgart, und auch in Bonn, Düsseldorf und Hamburg – hier ist wie allerdings die Seite nicht auf dem neuesten Stand).

Bei Callabike flex sind Kerngebiete definiert, innerhalb derer man das Bike an jedem beliebigen Ort abstellen darf. Wobei „an jedem beliebigen Ort“ vermutlich die Sache nicht ganz treffend beschreibt, denn in den Tarifen sind jede Menge „Serviceentgelte“ definiert, wenn man sich beim Abstellen nicht an bestimmte Regeln hält. So sind schon 5 Euro fällig, wenn das Fahrrad weiter als 30 m von einem Kreuzungsmittelpunkt steht oder von diesem aus nicht sichtbar ist. Da dürften wenige Möglichkeit übrig bleiben, entgeltfrei abzustellen.

Diese (scheinbare) Flexibilität fehlt bei Callabike fix, denn dort erfolgt die Rückgabe immer an einer Station. Damit ist man zumindest relativ sicher vor zusätzlichen Serviceentgelten. In Stuttgart gibt es wohl ca. 50 solcher Stationen in Bonn, Düsseldorf und Hamburg je eine(am Hbf). Als kleines Schmankerl sind in diesem Tarifmodell die ersten 30 min kostenfrei.

Etwas ärgerlich ist, aber bei DB ich es nicht anders erwartet, das auch die Entleih- und Rückgabeanrufe nicht kostenlos sind. Besonders negativ fällt auf, das nur die Anrufkosten aus dem Festnetz ordentlich ausgewiesen werden (Hauptzeit 12,6 Cent, Nebenzeit 6,3 Cent). Die Mobilfunktarife seien „ggf. abweichend“. Das steht so sogar auf den Fahrrädern – klar ich hab ja beim Fahrradfahren in fremden Städten auch immer mein Festnetztelefon dabei. Völlig sinnfreie Preisangabe also.

Fazit

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Bis auf ein paar kleine Macken ein doch recht ansprechendes Angebot. Was ich mir wirklich noch wünschen würde wäre eine übersichtlicher und vor allem aktuelle Webseite, einen „Standard“-gepäckträger und – wenn schon keine kostenfreie Telefonnummer – dann zumindest Preistransparenz auch für Anrufe vom Handy aus.

Das Schloss könnte etwas benutzerfreundlicher gestaltet sein, sowohl was die Flexibilität des Kabels als auch die Lage des Touchpad angeht. Letzteres befindet sich nahe der Hinterradnabe, also nur ca, 40 cm über dem Boden. Es wäre schon deutlich benutzerfreundlicher, würde man zumindest die Elektronik z.B, als „Satteltasche“ anordnen.

Da Rad selbst fährt sich deutlich besser, als das etwas klobige Aussehen vermuten lässt. Und wenn die Bikes immer so gut gepflegt sind, wie mein Testexemplar, macht es durchaus Spaß, damit die Stadt (und gerne auch das nähere Umland) zu erkunden. Dank der breiten Reifen muss es dabei nichtmal immer Aspalt und Beton sein, über den man radelt, zumindest grob befestigte Feld- und Waldwege sollten auch zu packen sein. Echtes Gelände natürlich nicht, es ist halt ein Citybike.

Insgesamt ein recht schönes Angebot, das ich sicherlich zukünftig hin und wieder nutzen werde. So ganz preiswert ist es nicht, aber für sein Geld bekommt man ein ordentlich gepflegtes Stadtfahrrad ohne größere technische Macken. Anders als etwa an der Bonner Radstation, die ziemlichen Schrott verleihen. Außerdem ist das Entleihen und Abgeben – wenn man erst einmal angemeldet ist und es einmal gemacht hat, wirklich unkompliziert und schnell.

Nebenei:

Nur falls einer auf die Idee kommen sollte: Ich bekomme für diesen Artikel kein Geld von der Bahn oder DB Rent. Ich fand das Produkt einfach interessant und habe mit diesem Arktiel ja auch keine Lobhudelei abgeliefert.

Ein Kommentar zu “Ruf ein Fahrrad an

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