Reisenotizen

verbremst

Seit Jahren frage ich mich bei meinen Bahnreisen, ob und wie oft es vorkommt, dass Züge bei der Einfahrt in Kopfbahnhöfe mehr oder weniger unsanft die namengebende Funktion des Prellbocks ausnutzen. Bei Durchgangsbahnhöfen wird ja schon seitens der Sicherungstechnik diese Möglichkeit berücksichtigt, im Gestalt des so-genannten Durchrutschwegs – im Fachjargon kurz D-Weg genannt. Dieser ist eine bestimmte Strecke hinter dem Zielhaltepunkt des Zuges, die – so wie die Einfahrstraße, die der Zug ja tatsächlich befährt, gegen „feindliche“ Zugfahrten gesichert wird. Mit zum Teil recht unschönen, weil kapazitätsbegrenzenden Folgen. So kann der ungünstig liegende D-Weg eines, sagen wir exemplarisch, von Westen auf Gleis 1 einfahrenden Zuges die gleichzeitige Einfahrt eines Zuges aus Osten auf Gleis 2 verhindern – obwohl die beiden Fahrwege im Regelfall gar nicht „feindlich“ zueinander sind, sondern nur im Fall des Durchrutschens.

Das alles legt den Schluss nahe, das dieses Durchrutschen ein eher häufiger Störfall ist, wenn man solch einen Aufwand treibt, um es abzusichern. Nun ist bei einen Kopfbahnhof genau das nicht möglich. Hier muss zwar nichts abgesichert werden, aber es ist schlicht kein potentieller D-Weg vorhanden, weil das Gleich ja ein paar Meter hinter dem geplanten Haltepunkt im Prellbock endet.

Dennoch habe ich es bislang trotz recht häufiger Bahnnutzung noch nie erlebt, das ein solcher Fall eingetreten ist, weder in Durchgangs- noch in Kopfbahnhöfen. Bis heute. Da kam nämlich der IRE aus Tübingen, in dem ich saß, in Stuttgart mit einem doch sehr heftigen Bremsruck zum stehen. Ich glaube, gekracht hat es auch ganz gut. Aber keine Sorge, bis auf ein aufgeregt gackernde Mädchen und dem einen oder anderen umgefallen Koffer ist den Reisenden nicht passier. Wie es bei Zug und Prellbock aussah, konnte ich nur flüchtig feststellen – nach Totalschaden sah es zumindest nicht aus.

Zumindest hatten wir die 7 min Verspätung wieder aufgeholt.

Bundeswehr raus

Kurz nach dieser Schrecksekunde – ich freundete mich gerade mit dem Gedanken an, diesen Zug nun doch unverletzt verlassen zu können – landete etwas großes, schweres auf meinem Rücken. Nun war dies keine Spätfolge des gerade glimpflich überstanden Unfalls. Statt dessen meinte einer der Mitreisenden Bundeswehrsoldaten, die schon die ganze Fahrt über mit ihrem Militärgeschichtchen genervt hatten – seine sicherlich 1,5m lange und gefühlte 3 Tonnen schwere, seesackähnliche Tasche mit lässigen Schwung aus dem Gepäcknetz auf den Gang schleudern zu müssen. Völlig unabhängig, ob dort nun gerade ein Mitreisender steht. Nun, es stand jemand dort, unnötig zu erwähnen, wer.

In diesem Zusammenhang möchte ich eine alte Forderung wiederholen: Soldaten sollten grundsätzlich von der Beförderung in Personenzügen auszuschließen. Denn Soldaten wären durchaus ein handfester Grund, die Bahn auf Schmerzensgeld zu verklagen. Die sind schlimmer als Businesskasper und Fußballprolls zusammen, weil meist eine unselige Mischung dieser beiden. Geschwätzige Wichtigtuerei gepaart mit struktureller Unkenntnis elementarer gesellschaftlicher Normen, verbunden mit unangemessenem Alkoholkonsum. Schlimmer geht´s kaum.

Also wenn die schon quer durch Deutschland reisen müssen, (wobei man sich fragt, wozu eigentlich: Ein Soldat ist wie der andere und Kasernen gibt leider auch überall, die könnten doch bleiben wo sie sind…) dann doch bitte in speziellen Militärzügen. Damit wäre allen geholfen.

Und jetzt bitte keine sinnlose Diskussion alá „Das sind doch auch nur Menschen, die machen auch nur ihren Job.“, etc. (a.) wird in diesem Land niemand gezwungen, Soldat zu sein. Wer es doch ist, macht das aus freien Stücken und für diese Entscheidung habe ich ungefähr so viel Sympathie und Verständnis wie für die Spitzelideen unseres Innenministers. Meine Erlebnisse mit dieser Berufgruppe u.a. bei Bahnreisen gibt mir immer wieder recht.

Gib niemals deine Reservierung auf!

… völlig gleich, wie viele Plätze noch frei sein sollten. Denn setzt man sich auf einen beliebigen freien Platz, kommt mit Sicherheit wenige Sekunden nachdem man es sich mit MacBook und Knabbereien dort gemütlich gemacht hat, ein anderer Reisender mit einer Platzkarte für just diesen Platz und fordert ihn ein. Obwohl der Platz, anders als alle anderen reservierten Sitze dieses Zuges nicht als solcher gekennzeichnet war. Oder auf den drei freien Plätzen der 4er-Sitzgruppe um deinen Ersatzplatz versammeln sich die Ehrenmitglieder des Clubs der unsympathischen, nervenden und komisch riechenden Menschen (Ortsgruppe Eurocity 6) zu ihrer Jahresversammlung. Während gegenüber des für dich eigentlich reservierten Platze eine blonde, blauäugige Schönheit im luftigen Sommerkleidchen mit Flirtlaune Platz nimmt. Darum: nie, nie, nie einen reservierten Platz aufgeben.

2 Kommentare zu “Reisenotizen

  1. Warst du im Zug nicht auf dem Weg zu deiner Freundin? Da wäre Flirten ja eh nicht so gut angekommen 😉

  2. Na, wer wird denn so kleinlich sein. Schließlich war ich gerade dem Tod von der Schippe gesprungen, da darf man auch mal außer der Reihe…

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