Oder lieber doch nicht?

Mal wieder im Zug unterwegs, und im Abteil gegenüber sitzt eine attraktive junge Frau. Sie trägt lässige Freizeithosen und ein dunkelbraunen, sehr figurbetontes T-Shirt, dass ganz wunderbar zu ihren dunklen Rehaugen passt – denn Perlen in ihrem etwas rundlichem Gesicht. Insgesamt aber eine sehr nette Erscheinung, besonders weil sie sich erfrischend abhebt von den Businesskaspern, die sonst den InterCity bevölkern.

EIn wenig nervös schein sie zu sein, und als der Schaffner Zugbegleiter erscheint, wird klar warum. Sie hatte nicht mehr geschafft, sich eine Fahrkarte zu kaufen. Aber nicht schlimm, denn die EC-Karte hält sie schon ein weile in den leicht zitternden Händen. Nur leider kann man im Zug bar und mit allen möglichen Kreditkarten zahlen, aber nicht mit EC. Ihr bleibt nichts übrig, als bis zum nächsten Halt bar zu zahlen, denn dafür reicht ihr Bargeld noch, dort auszusteigen und mit der nächten Verbindung auszusteigen.

Ich habe ja eine VISA-Card dabei, und während der Schaffner den restliche Wagen kontrolliert, bevor er zu ihr zurückkommt um zu kassieren, überlege ich ihr einfach den Fahrschein zu bezahlen und sie zu bitten mir das Geld später wieder zu überweisen. So einem netten Mensch kann man schon soweit vertrauen. Außerdem könnte ich mir ja den Ausweis zeigen und die Telefonnummer oder Email geben lassen, zur Sicherheit.

Und in diesem Moment merke ich, das ich längst nicht so spontan und impulsiv bin, wie ich dachte bzw. gerne hätte. Ich denke mal wieder zu viel: Wie sieht das denn aus? Sie würde das doch sicherlich für ein ganz dämliche Anmache halten. Und wenn ich am Ende doch auf dem Geld sitzen bleib, ich kenne sie ja gar nicht ? …

Und während ich noch hin und her abwäge, kommt der Zugbegleiter zurück und kassiert, wenig später erreichen wir den Bahnhof und sie steigt aus. Nicht ohne mir noch träuriges Lächeln zuzuwerfen. Sicher wird sie heute ein oder zwei Stunden später sein, wo auch immer sie hin wollte. Zwei wertvolle Stunden für jemanden, der zu Beginn des Wochenendes (ja, des verlängerten Wochenendes) unterwegs ist. Vielleicht auch zu geliebten Menschen, die sie nur an immer viel kurzen Wochenenden sieht. Ich sollte das eigentlich verstehen, und ich hätte es verhindern können. Aber falsche Zurückhaltung bzw. meine verdammte Schüchternheit und zu viel Rationalität haben das nicht zugelassen.

Ich Idiot!

Die Strafe folgte auf den Fuß, denn an ihrer Stelle nahmen zwei verknöcherte Alt-Emanzen platz, die beim Studium ihrer feministischen Fachbücher die Mundwinkel soweit nach unten zogen, das sich die Bundeskanzlerin noch ein Beispiel nehmen könnte.

2 Kommentare zu “Oder lieber doch nicht?

  1. Ahhhh…. du schreibst mir aus der Seele! 😉 Ich hatte auch schon so ein Erlebnis und war wenig spontan wg. derselben Gedanken, die du hattest. Und dabei gefiel mir die Frau ausnehmend gut! Aber andererseits – man ist wie man ist und vielleicht werden wir beim nächsten Mal spontaner sein. ,-)

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