Der Preis des Erfolgs?

Da hab ich nun studiert – durchaus auch gegen ein paar Widerstände und nicht ohne Mühe. Inzwischen bin ich angekommen in meiner kleinen beruflichen Nische, die es mir von Anfang an leicht gemacht hat, einen passenden Job zu finden. Es geht mir ganz gut, zumindest kann ich ein komfortables Leben führen, ohne mir ernsthaft über Geld Sorgen machen zu müssen. Einziges Manko ist, das ich mir den Ort, an dem ich lebe, nicht wirklich aussuchen konnte.

Weil es meiner Herzdame in etwa genauso geht, trennen und nun seit fast drei Jahren einige Hundert Kilometer, an Freitagen und Sonntagen verbringen wir abwechselnd mehrere Stunden in ICEs. Stunden, wir unterhalten getrennte Wohnungen und an die Gründung einer Familie ist nicht wirklich zu denken.

Bisher fand ich dieses Leben auch recht angenehm. Heute hier, morgen dort – und überall ein bisschen zu Hause. Aber eben nur ein bisschen, nicht richtig. In der Woche habe ich dann – neben dem Job – auch mal Zeit für mich. Aber diese positive Bewertung dieses Zustands weicht immer öfter dem Gefühl, einfach alleine zu sein. Die „alten“ Freunde sind in alle Winde verstreut, die Partnerin 400 km entfernt. Und einen neuen Freundeskreis aufzubauen fällt schwer und lohnt auch nicht wirklich, wenn man ständig unterwegs ist.

Wie gesagt, bisher bin ich ganz gut damit klar gekommen. Aber das ändert sich. Vermutlich, weil sich diese Verhältnisse verstetigen. Aus befristeten Jobs werden unbefristete, und keiner von uns beiden möchte seinen Job wirklich aufgeben. Ich, weil ich ihn gerade erst neu begonnen habe, die Herzdame, weil ihre berufliche Nische schon wieder so klein ist, dass es schwer wird adäquaten Ersatz zu finden. Keiner will sich bewegen, und doch wird uns langsam klar, das es so auf Dauer nicht bleiben kann.

Haben wir, mit unserer Immatrikulation vor inzwischen 10 Jahren, uns auf einen Weg begeben, der uns zwar beruflich und finanziell weiter gebracht hat, aber keinen Raum für anders lässt? Würde es uns besser gehen, hätten wir uns damals anders entschieden? Kommen wir da noch irgendwie raus, schaffen es nach fast acht Jahren endlich mal dauerhaft zusammen zu leben, eine Familie zu gründen? Oder ist dieses Leben der Preis des (wenn auch bescheidenen) Erfolgs?

2 Kommentare zu “Der Preis des Erfolgs?

  1. Naja, irgendwann muss man sich entscheiden was man wirklich will, und darauf hinarbeiten.
    Deine Freundin will ihren Job nicht augeben und hofft vielleicht insgeheim dass du in ihre Nähe ziehst, du willst deinen Job nicht aufgeben und hoffst vielleicht insgeheim dass deine Freundin in deine Nähe zieht, wenn ihr da keinen Weg findet der euch zumindest Hoffnung gibt das ihr mal zusammen kommt bleibt ihr ewig in dieser Sackgasse stecken, wo jeder auf den anderen wartet. Solange bis es knallt, ihr euch auseinanderlebt oder ähnliches.
    Und wenn ihr dabei feststellt das keinem von euch beiden die Beziehung so wichtig ist dass er dafür umziehen würde, solltet ihr das vielleicht auch akzeptieren und die Beziehung beenden.
    Vielleicht habt ihr aber auch einfach nur berechtigte Angst, nach Acht jahren halber Trennung etwas für den anderen aufzugeben um dann festzustellen das ihr euch ohnehin schon lange auseinander gelebt habt.

    Meine Empfehlung an euch wäre das nicht weiter rauszuzögern sondern euch bald zu entscheiden, sonst verbringt ihr noch weitere 8 Jahre in dieser Starre, und werdet euch dann vorwerfen warum ihr nicht früher etwas bewegt hat.

    Also: Finde raus was dein Wunsch für diese Situation wäre (besserer Job in ihrer Nähe, oder sie kommt, oder was auch immer), finde raus was ihr Wunsch ist, und überlegt dann mal worauf ihr beide euch einigen könnt, bzw. haltet die Ohren offen und achtet darauf ob sich etwas in einer der Richtungen anbietet.

    Viel Erfolg!

  2. Ich habe auch über 2 Jahre eine Fernbeziehung quer durch Deutschland geführt und kann mich dem Rat bald eine Entscheidung zu treffen nur anschließen. Das „heute hier, morgen dort“ wird irgendwann immer mehr zur Last die die schönen gemeinsamen Momente überschattet. Auch wenn eine Beziehung sonst in Ordnung ist, ist sowas eine riesige Belastungsprobe inbesondere wenn man überhaupt keine Perspektive hat wie es weiter gehen soll.

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