Ist die Polizei böse?

Polizei.jpgGerade höre ich in einem älteren Trackback-Podcast, dass auch die Polizei bei der re:publica war. (Mist, jetzt schreib ich ja doch was über die re:publica.) Dabei stellt der Moderator mehrmal die Frage, ob die Polizei böse sei. Nun halte ich ja nicht viel von solch pauschaler Schwarz-Weiß-Malerei, und man sollte sich ja schon fragen, ob ein Institution, der was-weiß-ich-wie-viele Tausend Menschen angehören, per se „böse“ sein kann.

Nun habe ich glücklicher Weise relativ wenig Kontakt zur Polizei, schließlich habe ich ja nichts zu verbergen. Mir ist durchaus bewusst, dass man aus dieser sehr kleinen Stichprobe nicht auf die Gesamtheit schließen kann, aber eines fällt schon auf: Die Polizei trat mir gegenüber jedes Mal sehr selbstbewusst, um nicht zu sagen herablassend auf, war teilweise nicht ehrlich, meist unangemessen neugierig und man hatte immer das Gefühl, hier überschreitet gerade jemand seine Kompetenzen. Zwei Beispiele aus dem vergangenem Jahr:

Fotoscheue Grenzschützer

Irgendwann im Herbst war ich Zittau an der Neiße, also an der polnischen Grenze auf Fototour. Dabei kam ich dann auch irgendwann zum Grenzübergang Friedensstraße. Da ja der Beitritt von Polen zum Schengenraum kurz bevor stand und in der Region gerade heiß diskutiert wurde, hielt ich es für eine gute Idee, diese dort live stattfindenden Anacronismus abzulichten. Ich fotografierte also die Grenzstation, incl. Autostau und Kontrollpersonal. Allerdings aus einiger Entfernung, nicht weil ich das heimlich machen wollte, sondern damit der gesamte zwischenzeitlich sinnbefreite Bau aufs Bild passt.

Natürlich bekamen die Jungs in Grün das irgendwann mit und schickten einen polnischen Kollegen (die machten zumindest schon eine gemeinsame Grenzabfertigung) zu mir. Leider konnte dieser weder deutsch noch englisch. Und irgendwie war es mit zu blöd, mir auf deutschem Staatsgebiet nun auch noch von ausländischen Polizisten, die sich nicht mal mit verständigen konnten, ins Handwerk pfuschen zu lassen. Also machte ich ihm mit Händen und Füßen klar, das er doch einen deutschen Kollegen holen soll. Dieser erklärte mir dann, das man Polizisten nicht fotografieren darf, von wegen Persönlichkeitsrecht. Auf meinem Einwand, das die Personen (a.) nicht das Hauptsubjekt meiner Bilder seien und (b.) aufgrund von Entfernung und verwendeter Brennweite auch nicht zu erkennen sein und deshalb das allg. Persönlichkeitsrecht nicht greife meinte er dann: „Das ist hier was anderes, weil wir im Dienst sein.“

Eine Rechtsgrundlage dazu konnte er aber nicht nennen, auch mein Bitte, dann doch seinen Vorgesetzten anzurufen um diese in Erfahrung zu bringen, blieb ungehört. Also wohl doch wieder das übliche: Es ist verboten, weil ich, der Polizist, es jetzt so sage. Also Kompetenzüberscheitung. Und der Versuch, das zuerst dadurch durchzusetzen, das man einen kommunikationsunfähigen Kollegen schickt, ist ja wohl an Unehrlichkeit kaum zu überbieten.

Plaudereien übers Wetter

Im Dezember war ich dann zwecks meine Umzugs mit einem schicken 7,5-Tonner auf der A9 unterwegs. Wir hatten kaum die Landesgrenze von Bayern überquert, da blinkte es schon vor uns: „Bitte folgen, Polizei“. Auf nächsten Rastplatz entspann sich dann ein nettes Gespräch mit den beiden Beamten, die – wie es sich gehört – nach Führerschein und Fahrzeugpapieren fragten. Das fand ich ja noch okay, aber dann wollten sie auch noch wissen, wo wir herkommen, wo wir hinwollen, was wir geladen haben und wie lange wir schon fahren. Wobei ich mich zunehmend fragt, was die das denn angeht. Die Spitze war dann, als sie fragten, warum denn Schnee auf unserem Kühler liegt, wo es doch hier seit Tagen nicht geschneit hätte. Weil wir an diesem Tag einen knappen Zeitplan hatten, ließ ich die Sache nach einem Crashkurs in lokaler Meteorologie auf sich beruhen.

Später fanden wir heraus, dass all diese merkwürdig persönlich Fragen darauf abzielten, ob wir privat oder gewerblich unterwegs waren. In letzterem Fall hätten wir ein Scheibe in den Fahrtenschreiber einlegen und und an die Bestimmung des Fahrpersonalgesetzes halten müssen. Mal abgesehen von der offensichtlichen Unsinnigkeit dieser Regelung, hätten die Beamten das auch einfach ganz offen so sagen können. Also auch hier Unehrlichkeit, gepaart mit einer Neugier nach sehr persönlichen Daten, und zumindest gefühlte Kompetenzüberschreitung.

und sonst?

Meine persönlichen Begegnungen mit der Polizei verliefen also nicht gerade tragisch schief, aber auch nicht so, wie man es sich gewünscht hätte. Vor allem wenn die Polizei Verbote ausspricht, geschieht dies anscheinen oft nur auf der Grundlage der Uniform, ebenso bei der Erfassung persönlicher Angaben. Man kann sich einfach nicht darauf verlassen, dass das, was die Polizei sagt, auch geltendem Recht entspricht.

Das einzige Mal, als ich was von der Polizei wollte, als nämlich mein Fahrrad geklaut wurde, war eine einzige Enttäuschung. Das einzige, was in dieser Sache unternommen wurde, war meine Anzeige in die Akte zu heften.

Man kommt aber auch ins Grübeln, wenn man dann noch liest, was für ein Aufstand wegen einen Geocachers gemacht wird – und dann nach diesem Menschen, der nichts verbotenes getan hat, auch noch gefahndet wird, um ihm die Kosten des überdimensionierten Einsatzes aufzubrummen. Anstatt mal zu überlegen, ob den nicht besser die paranoiden Denunzianten zahlen sollten. Schließlich hätte ein kurzes Gespräch schnell Aufklärung gebracht. Statt dessen werden heimlich Fotos geschossen und die Polizei alarmiert.

Außerdem wollen wir mal gar nicht davon reden, was bei Annalist so berichtet wird.

Also, ist die Polizei nun böse?

Sicherlich kann man das so pauschal nicht sagen, besonders nicht jeden einzelnen Polizisten. Und auch die Institution an sich ist es sicher auch nicht und hat – in gewissen Grenzen – selbstredend auch eine Berechtigung. Aber wird man das Gefühl nicht los, das diese Grenzen nicht das Papier wert sind, auf dem sie festgeschrieben sind. Die verbreitete Obrigkeitsattitüde bei den „Jungs in Grün“ macht die Polizei im direkten Erleben vor allem zu einem Ärgernis. Da hilft es auch nicht, wenn sich einer von denen auf einer Bloggerkonferenz rumtreibt.

Dazu kommt, das die Polizei den willigen Erfüllungsgehilfen bei der Umsetzung der feuchten Überwachungsträume der Politiker spielen soll. Ich bin mir nicht sicher, ob dagegen innerhalb der Polizei tatsächlich jemand ernsthaft opponiert (Hin und wieder hat man ja zumindest von der Gewerkschaft der Polizei ein paar vernünftige Sätze zu diesem Thema gelesen.)

Außerdem bin ich der Meinung, das jeder, der bewaffnet auf den Straßen unterwegs ist, eine Gefahr darstellt. Die Einstellung, aufgrund der Uniform immer im Recht zu sein, macht diese nur noch größer.

So gesehen halte ich die Polizei nicht für „böse“, denke aber, dieses Land wäre ein besseres, wenn es weniger davon gäbe und diese weniger Kompetenzen hätten – und sich auch an diese hielten.

6 Kommentare zu “Ist die Polizei böse?

  1. Na sowas – meine Begegnungen mit der Polizei waren durchweg freundlich, die Polizisten haben offen erklärt was sie wollten, selbst das eine Mal als ich vor einem Polizeiauto weglief (hey, kann ich denn Ahnen dass die Scheinwerfer zu einem Polizeiwagen gehören, die da den Hof beleuchteten? Ich suchte einfach nur dringend eine dunkle Ecke zum pinkeln, und dieser Hof war mir dank Polizei zu hell. Die Polizei hingegen suchte jemand der grad bei einem Juwelier eingebrochen war).

  2. Die Erfahrung mit der Herablassung oder besser der Arroganz habe ich bis jetzt nur einmal gemacht. Ruderte doch in irgendeinem Sommer ein Typ in weißem Unterhemd und Shorts mit der Polizeikelle in der Gegend rum. Auf meine Frage was er wolle, war die Antwort er sei Polizist. Ich meinte dann, dass man dies in seiner Aufmachung super erkennen könne. Hätte ich nicht sagen sollen. MEIN Fehler, dass ich einen Polizisten nicht sofort an anderen Merkmalen erkenne! Entschuldigung grosser Buana!
    Er meinte dann ich solle aussteigen und mein Mütchen kühlen. Damit brachte er mich erst recht in Rage, aber ich beherrschte mich, als er doch so lieb und nett seinen Ausweis zeigte. Das ist jetzt 2 Jahre her und ich ärgere mich noch heute über die Art und Weise!

  3. @#3: Habe mir erlaubt, deinen Trackback ordentlich zu kürzen. Hier muss ja nicht nochmal der ganze Artikel stehen, Link ist ja vorhanden.

  4. @Polizei Infos:
    Was ihr hier treibt, schrammelt arg an der Grenze zum Spam. Ich habe den letzten Trackbach mal noch freigeschalten, auch wenn sich mir der Bezug zu meinem Artikel nicht wirklich erschließt.
    Zukünftig werde ich so was löschen, ihr könnt gerne hier kommentieren und auch trackbacken. Aber zumindest ein wenig sollte ein Verbindung zum Artikel da sein. Ansonsten ist das reine Linkschinderei. Pfui!

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