Meine wilden Mitbewohner – oder: Die Kunst des Mitziehens

Wasserkraftanlage Rappenberghalde 1.jpgSeit dem Jobwechsel Anfang des Jahres, der natürlich recht kurzfristig über die Bühne gehen musste, wohne ich der Firmen-WG im Kraftwerk. Für die Ortskundigen: Im Kraftwerk Rappenberghalde in Tübingen. Natürlich nicht direkt im Kraftwerk, sondern in einem Nebengebäude – das aber von der Tag und Nacht laufenden Turbine durchaus in leichte Vibrationen versetzt wird, von der permanenten Geräuschkulisse mal ganz abgesehen. Darum werde ich heute (endlich) einen Mietvertrag für eine eigene Wohnung unterschreiben, nächstes Wochenende ist dann Umzug.

Vorher wollte ich aber unbedingt noch meine „wilden Mitbewohner“ hier fotografieren, die es hier offensichtlich ganz toll finden und wohl so schnell nicht in die Innenstadt umziehen werden. Kunststück, würde ich auch auch nicht wenn ich Reiher wäre und mir das Kraftwerk die leckeren Fische aus dem Neckar zuverlässig und gratis quasi täglich frisch direkt auf den Tisch servieren würde.

Darum zog ich also heute mit Kamera und Telezoom bewaffnet los, um „Vögel zu schießen“. Diese hatte ich die letzten paar Tage schon ausgiebig beobachtet und wusste, wo sie sich bevorzugt aufhalten. Klar, am Kanal, dort wo es die leckeren Fische gibt. Dort saßen sie dann auch auf dem Geländer, und eines der ersten Bilder, das ich heute schoss, war dieses hier:

Auf der Lauer

Leider waren die beiden im weiteren Verlauf des Shootings nicht mehr so kooperativ. Nachdem sie mich entdeckt hatten, verzogen sie sich erst einmal, kehrten aber alsbald zurück – hielten dabei aber solchen Abstand, das das 300 mm trotz Crop-Faktor 1,6 nicht mehr so ganz ausreichte. Blieb also nur, sich rann zu pirschen. Nun habe ich zwar hin und wieder mit Förstern (besser: Försterinnen) zu tun, scheinbar aber zumindest zum rann pirschen nur mäßig Talent . Zwar habe ich hab sogar schon mal als Treiber an einer Treibjagd teilgenommen, aber da ging ja gerade darum, die Tiere aufzuscheuchen. Das ist mir dann heute ganz gut gelungen.

Also blieb mir eigentlich nur noch, zu versuchen mitzuziehen, wenn die Vögel gerade wieder einmal sich ein neues Plätzchen suchten, weil ich mal wieder zu nah rangekommen war. In weiser Vorraussicht hatte ich die Kamara schon vorher auf „AI Servo“ gestellt, in diesem Modus versucht der Autofokus ständig nachzufokussieren. Man kann also die Kamera so mit einem sich bewegenden Objekt – eben mitziehen, dass dieses immer unter dem aktivierten Fokuspunkt bleibt. Und auch wenn sich der Abstand durch die Bewegung ändert, bleibt dieses Objekt im Fokus. Soweit die Theorie.

Die Praxis sieht so aus, dass man das erst einmal schaffen muss. Mir ist es heute nicht gelungen. Vermutlich habe ich zu viel auf einmal versucht. Denn neben dem Mitziehen habe ich auch noch versucht, gleichzeitig zu zoomen. Das sollte man lieber lassen und sich von vorn herein auf eine Brennweite festlegen. Auch hätte es vermutlich geholfen, hätte ich „Dauerfeuer“ eingestellt (oder verträgt sich das nicht mit „AI Servo“?). So blieb die Ausbeute der „Mitziehen“-Serien doch sehr überschaubar. Die besten Bilder kamen noch zustande, wenn die Bewegung der Tiere deutlich langsamer wurde. Das war einmal der Fall bei Wendemanövern in der Luft – hier nur scheinbar, also aus „perspektivischen Gründen“, sozusagen. Oder bei der Landung, und dabei kam dann doch noch eine – wenn auch nicht perfekte – aber doch vorzeigbare Aufnahme zustande:

Landung

Disclaimer: No animals were harmed during this shooting.

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