Mein Dresden gibt es nicht mehr

Vor ein paar Monaten hab ich mich hin und wieder noch in die Diskussion um die Waldschlößchenbrücke eingeklinkt. Inzwischen ist das ganze so traurig und vor allem so aussichtslos geworden, dass ich nur noch feststellen kann: Das Dresden, was ich kennen- und lieben gelernt habe, gibt es nicht mehr.

Das Engagement der unerschrockenen Brückengegner in allen allen Ehren, aber letztlich werden die Betonköpfe der Staats- und Stadtregierung, mt Unterstützung ihrer willigen Erfüllungsgehilfen im Regierungspräsidium mit Freuden das Weltkulturerbe opfern, um 5 min schneller auf der Autobahn zu sein. 

Vermutlich hätten sie sogar die Mehrheit der Dresdener Bürger hinter sich, wenn man wenigstens den Mut hätten, den Bürgerentscheid ob der geänderten Sachlage (beim ersten mal stand ja der Verlust des Welterbetitels noch nicht zur Debatte) wiederholen zu lassen. Denn die Bürger würden ihre Entscheidung mehrheitlich wohl eher nicht an der  abstrakten Aussicht des Verlusts irgendeines Titel (Wie oft hört man. „Und was bringt es uns, Weltkulturerbe zu sein?“) ausrichten, sondern an ihren täglichen Erlebnissen auf verstopften Straßen. Verkennend, das neue Straßen keine Verkehrsprobleme lösen, sondern nur neue schaffen.

Inzwischen sind die Brückenbauer sich ihrer Sache so sicher, das es sogar für kleine Provokationen reicht. Oder glaubt irgendjemand an Zufall, wenn die Fällung der Eichen auf der Waldschlößchenstraße, an denen bereits seit fast 10 Jahren Protestplakate hängen – ein erster Schritt im unaufhaltsamen Baugeschehen also, der an Symbolkraft kaum zu überbieten ist – warum das ausgerechnet an einem Samstag passiert. Damit möglicht viele Umweltschützer und Brückengegner dabei sein und ihre Niederlage live miterleben können.

Und hier noch mal, wie die letzten Tag schon ein paar mal, ein Bild vom „alten“ Dresden, auch mit Brücke:

Augustusbrücke

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2 Kommentare zu “Mein Dresden gibt es nicht mehr

  1. Die Waldschlößchenstraße ist in der Woche stark befahrfen. Deshalb lässt die Verwaltung am Wochenende arbeiten.

    Es wäre ja ein Unding, wenn Autofahrer für ihre Baustelle „leiden“ müssten.

    Wir Dresdner haben übrigens ein handfestes Kommunikationsproblem. Wir können nicht mehr über die Waldschlößchenbrücke reden. Und das ist das schlimmste, was ich mir in einer offenen Gesellschaft vorstellen kann.

  2. Selber noch Betroffen vom Vorgehen der Polizei am Dienstag in Dresden möchte ich auf einen ungeheuerlichen Vorgang hinweisen:

    Beim Lesen der Dokumentation (http://www.wsb.presse-lounge.eu/galleries/2008-01-15.html) des Einsatzes der Polizei beim Räumen der Buche an der Bautzner Straße ist mir der Hinweis aufgefallen, das Reizgas gegen friedliche Demonstranten eingesetzt worden ist. Schon beim Durchssehen der Medienberichte am Morgen des Räumungstages war mir in einem Video aufgefallen, wie ein Polizist eine Substanz in die Demonstranten sprüht. Nach etwas längerer Suche habe ich den entsprechenden Bericht wiedergefunden. Es lief im ZDF Morgenmagazin und ist auch weiterhin dort abrufbar. (http://www.zdf.de/ZDFmediathek/content/398868?inPopup=true)

    Unter folgendem Link finden Sie eine Momentaufnahme aus diesem Video: (http://imghost.webspell.eu/image.php?id=20f4a8ccc6220969bf7c2125efc8aec2). Der Polizist, dessen Jacke rechts erkennbar ist, sprüht aus der Hand in Hüfthöhe eine flüssige ubstanz auf die am Boden liegenden Demonstranten.
    Etwas weiter links sehen sie einen Demonstranten, der die Hand zum Schutz erhebt. Eine Speicherung des Videos vom ZDF ist möglich mit dem Hinetrecorder (http://en.hoonnet.com/english1/recorder_intro.html) Die entsprechende Streamingdatei kann unter folgendem Link abgerufen werden: http://wstreaming.zdf.de/zdf/veryhigh/080115_dresden_mom.asx

    Hintergründe zum Bau der Brücke finden Sie hier: http://www.elbwiesen-erhalten.de/

    Mit freundlichem Gruß

    Peter Müller

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