Stammkunde?

Sehr geehrte Frau ******,

im letzten Winter habe ich an einem Samstag kurz nach dem Frühstück ihr Sportgeschäft betreten. Nachdem ich über bereits im Einsatz befindliche Schrubber stolpernd – denn offenbar halten sie es nicht nur für eine gute Idee, Ihren Laden schon um 13:00 Uhr dicht zu machen, nein, Ihre Angestellten wollen zu diesem Zeitpunkt auch den Heimweg antreten, weshalb die Endreinigung im laufenden Verkaufsbetrieb erfolgt – die Ski-Abteilung erreichte, kaufte ich mir bei Ihnen ein paar neue Skistiefel und ließ die Ski neu einstellen. Dabei fragte mich Ihr freundlicher Mitarbeiter auch nach meiner Adresse. Er meinte, diese würde aus versicherungstechnischen Gründen im Zusammenhang mit der Ski-Einstellung benötigt.

Keine drei Tage später betrat ich ihr Geschäft abermals, weil sich die Skistiefel als nicht passend herausstellten. (Es wäre ja auch zu viel verlangt, das Schuhgröße 42 bei allen Schuhtypen immer das selbe bedeuten würde, aber das nur nebenbei, denn da können Sie ja nichts für.)

Ihr freundlicher Mitarbeiter erkannte mit fachmännischem Blick, dass die Schuhe bereits benutzt worden waren, ein Umtausch somit nicht mehr in Frage käme. Und tatsächlich war ich damit schon 3x den Idiotenhügel am Jeschken runter gefahren, bis mir die Füße eingeschlafen waren. Den Schuhen sah man das nicht wirklich an, da hilft eben nur gutes Fachpersonal. (Wirklich ein Segen, diese guten alten Fachgeschäfte)

Spätestens an dieser Stelle begann ich mich zu verfluchen, das ich nicht, wie sonst immer, im Versandhandel gekauft hatte. Dort wäre ja noch 1 1/2 Wochen problemlos eine Rückgabe möglich gewesen. So aber hieß es verhandeln. Ich einigte mich schließlich mit dem Verkäufer auf derart, das ich das „gebrauchte“ Paar Stiefel da lasse, damit es ggf. als solches mit entsprechendem Preisnachlass verkauft werden könne. (Ob statt dessen mein „gebrauchtes“ Paar einfach wieder in die Originalverpackung gesteckt und ein zweites mal zum vollen Preis verkauft wurde, darüber kann ich nur spekulieren.) Für das „neue“ Paar musste ich dann noch halben Kaufpreis ein zweites mal berappen.

Sie können sich sicher vorstellen, dass ich Ihren Laden nicht gerade als zufriedener Kunde verlassen habe, auch wenn Ihre Mitarbeiter rechtlich sicherlich korrekt gehandelt haben und mir (aus dieser Sichtweise) sogar ein Stück entgegen gekommen sind. Aber auf anderen Vertriebswegen ist man eben anderes gewöhnt.

Wie auch immer, seit diesem Erwerb von ein paar Skistiefel zu 150% des offerierten Preises und der Abgabe meiner Adressdaten aus versicherungstechnischen Gründen habe ich jedenfalls Ihren Laden nie wieder betreten.

Darum wunderte es mich schon ein wenig, das ich heute Post von Ihnen bekam, in der Sie mir folgendes schreiben:

„Guten Tag Herr Eldersign,
unzählige Kunden träumen davon, vor allen anderen von lukrativen Angeboten zu erfahren. Sie, als Stammkunde, können jetzt dieses besondere Privileg genießen….“

Wissen Sie was, ich verrate Ihnen jetzt mal wovon ich träume:

  • Ich täume davon, das man mich nicht mit Spam belästigt. Und dabei meine ich nur Email-Spam, sonder auch den im Postbriefkasten.
  • Ich träume davon, dass man in unserer schönen Innenstadt einkaufen kann, und zwar ohne sich dafür am Samstag einen Wecker stellen zu müssen.
  • Ich träume davon, das man in Fachgeschäften die gleichen Rechte hat, wie im Versandhandel, denn ich gehe eigentlich gerne in Fachgeschäften einkaufen. Aber bei der derzeitig Handhabe von Rückgabe und Umtauch dort ist das einfach zu gefährlich.
  • Und ich träume davon, dass meine persönlichen Daten, wenn sie schon unbedingt „aus versicherungstechnischen Gründen“ erhoben werden müssen (falls das nicht eine billige Ausrede war), nicht missbraucht werden. Schon gar nicht zu Werbezwecken.

Und darum fordere ich Sie hiermit auf, mir zukünftig keine weitere Werbepost zu schicken und meine persönliche Daten umgehend zu löschen.

Im übrigen haben Sie eine merkwürdige Definition von „Stammkunde„.

Mit freundlichen Grüßen

Eldersign

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