Spam gewordener Lokaljournalismus

Beruflich, ich hatte es sicher schon einmal erwähnt, bin ich leider zur Benutzung des Internet Explorers (ohne Popup-Blocker) gezwungen. Ebenfalls leider macht es mein Job es hin und wieder notwendig, über die Ergüsse der Lokalpresse informiert zu sein.

Nun würde ich mich keines Falls hinreißen lassen, die einzige relevante (?) Lokalzeitung hier, zu kauen oder gar zu abonnieren. Schon gar nicht privat, den privat gibt es für mich nun wirklich nichts interessantes in diesem Blatt.

Darum nutze den Online-Auftritt, bei dem die Artikel der Lokalausgaben zwar (kostenlos) nur angeteasert sind. Aber in aller Regel reicht es aus, die Schlagzeile und die ersten paar Zeilen zu kennen. Wichtig ist meist nicht, was genau, sondern nur ob und wann zu (m)einem Thema etwas gedruckt wurde.

Relevant sind für mich zwei bis drei Lokalausgaben, da ich meine Presseschau nicht täglich mache, rufe dabei bis zu neun solcher Lokalseiten auf. Der folgende Screenshot entstand vor ein paar Tagen beim Aufruf einer dieser Seiten:

Neben der (zum Teil animierten) Bannerwerbung, die fast die Hälfte des Fensters füllt, erscheinen drei, im übrigen identische und fehlerhafte, Popups. Popups! Im Jahr 2007 wird immer noch mit Popups gearbeitet! Wenn meine kleine Presseschau vorbei ist, habe ich oft eine zweistellige Anzahl Fenster wegzuklicken.

Und als ob nicht reicht, gibt in den Artikelübersichten nochmal mitscrollende Bannerwerbung, es gibt wie redakionelle Beiträge geteaserte Anzeigen (wenn auch immer gekennzeichnet) und in der Sidebar gibt es Links, die zu reinen Anzeigen-Seiten führen (Beispiel).

Naja, was will man erwarten, wenn schon im Impressum die Gewichtung klar wird: vier Mitarbeiter in der Redation, neun zuständig für Anzeigen. Eigentlich nur eine Schande, dass man tatsächlich für diesen Spam gewordenen Lokaljournalismus auch noch Geld haben will, vom Leser.

Technorati Tags: , , ,

Nachtrag:
Das passt ja wie die Faust aufs Auge: Direkt nach dem veröffentlichen diese Artikels finde ich bei Wortfeld die Nachricht, dass New York Times ab sofort auf Onlinie-Bezahldienste verzichtet und nun auch diese bis dato kostenpflichtigen „Premiuminhalte“ wie etwa die Leitartikel kostenfrei im Netz veröffentlicht. Ist eben ne andere Liga…

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